Preisverfall für Kabelnetze trifft Ex-Monopolisten
Telekom-Kabel vor neuer Verhandlungsrunde

Die Deutsche Telekom AG, Bonn, hat mit der Neuausschreibung ihrer Kabelnetze begonnen. Bisher gebe es lockere Kontakte zu möglichen Interessenten, von Verhandlungen könne bisher nicht die Rede sein, hieß es in Unternehmenskreisen.

HB BERLIN. Immer wieder werde aber darüber gesprochen, dass die Bank einzelne zu ihrer Beteiligung Telecolumbus passende Kabelnetze der Telekom kaufen könnte, heißt es in den Kreisen. Das Telekom-Kabel reicht zumeist nur bis zu den Grundstücksgrenzen, danach übernehmen die Versorgung der Kunden kleinere Netzbetreiber wie Telecolumbus, Primacom, EWT oder Bosch. Zur Herauslösung einzelner Kabelnetze aus den Regionalgesellschaften ist die Telekom bisher aber nicht bereit.

Im Februar war der Verkauf von sechs Kabelregionalgesellschaften der Telekom für 5,5 Mrd. Euro an Liberty Media an den Bedenken des Kartellamts gescheitert. Die Telekom sucht nun möglichst einen Käufer, der ebenfalls alle Kabelgesellschaften zum gleichen Preis übernehmen will. Dies gestaltet sich jedoch schwierig.

"Es ist heute kaum noch möglich, von Banken eine Finanzierung für den Kauf von Kabelnetzen zu bekommen", sagte ein Insider dem Handelsblatt. Der Grund: In den vergangenen zwei Jahren haben Investoren viel Geld im Kabelgeschäft verloren. Die Überschuldung von UPC und Primacom, die bevorstehende Insolvenz von NTL und die Finanzschwierigkeiten bei Callahan haben seit Unterzeichnung des Telekom-Liberty-Deals zu einer massiven Abwertung von Kabelgesellschaften, aber auch der reinen Infrastruktur geführt.

Marktbeobachter sind daher überzeugt, dass kein Verkäufer von Kabelnetzen heute noch einen Kaufpreis wie vor ein bis zwei Jahren erzielen kann. In Deutschland kommt hinzu, dass in den nächsten fünf Jahren nach Expertenmeinung zumindest 100 Euro pro Kabelanschluss allein in die Digitalisierung der Netze investiert werden müssen, selbst wenn man auf den Einbau eines Rückkanals für Internetdienste verzichtet. Anderenfalls würde langfristig der Satellit mit zusätzlichen Programmen und besserer Übertragungsqualität die Kunden abwerben.

Wegen der unvermeidlichen Investitionen schätzen Experten, dass etwa die Deutsche Bank heute für ihre schuldenfreie Telecolumbus eher 630 Mill. Euro statt der einst bezahlten 1 Mrd. Euro bekommen kann, und die zu UPC gehörende EWT noch 100 Mill. Euro statt der einst gezahlten 500 Mill. Euro wert ist. Die Telekom-Kabelnetze schätzen diese Experten heute auf einen fairen Wert von etwa 2 Mrd. Euro.

Quelle: Handelsblatt

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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