Premier Gordon Brown will etwas fürs „Britische“ tun
Auf der Suche nach einem Feiertag

Mit einem neuen Feiertag wollte der britische Premier etwas fürs Nationalgefühl tun und sich zugleich aus dem Popularitätstief befreien. Doch die "Gordon Brown Holiday" gerät zum Flop.

LONDON. Was ist "Britishness"? Ein Idee? Ein Wertesystem? Oder eine Methode, mit der auch Schotten wie Gordon Brown England regieren dürfen? Seit Monaten versucht die Labour-Regierung, das Wort mit neuem Leben zu füllen. Das Königreich zerfällt, Engländer fühlen sich immer englischer, Schotten immer schottischer. Wenn Gordon Brown noch lange regieren soll, muss dringend etwas fürs Britische getan werden.

Man entwickelte also Lehrpläne, es gab Prüfungen in "Britishness", wenn auch nur für Immigranten. Denn bei den Einheimischen wäre das Ergebnis zu ungewiss. Neu-Bürger beschwören Britishness mit einem Eid auf die Queen. Aber je mehr darüber geredet wurde, desto chimärischer wurde der Begriff.

Der Minister für "verfassungsrechtliche Entwicklung" brachte die Sache mit dem Motto auf: Etwas, das griffig auf den Nenner bringt, was den Inselstaat zusammenhält. So wie auf Dollar-Noten "In God we trust" und an französischen Rathäusern "Liberté, egalité, fraternité" steht.

Die "Times" schaltete ihre Leser ein. Es hagelte Vorschläge. "Feucht und windig" oder "Groß, auch ohne Motto". Oder pseudolateinisch wie "Dipso fatso bingo asbo Tesco", eine Zusammenfassung des Nationalcharakters übergewichtiger, randalierender, konsumsüchtiger Komasäufer. Noch gehässiger war: "Großbritannien wird immer englisch bleiben". Aber die Crux ist ja eben, dass die meisten Briten das Britische irgendwie mit dem englischen Kolonialismus zusammen bringen.

So verwehte auch Gordon Browns Vorschlag eines "Tags des britischen Helden" im Wind. Sogar die britischsten Helden sind nun einmal Waliser, Iren, Schotten oder Engländer, außer vielleicht dem Box-Olympiasieger Amir Khan, einem muslimischer Einwanderersohn, der Brown begeistert, weil er in einen "Union Jack" gehüllt in den Boxring stieg.

Doch dann kam die Sache voran: Eine Kommission schlug mit britischem Pragmatismus einfach einen "Tag zur Feier des Britischen" vor. Wird einmal gefeiert findet sich der Rest von selbst. Die Gewerkschaften, die schon lange über den Mangel an Feiertagen klagen, freuten sich auf den "Gordon Brown Holiday". Einwanderungsminister Liam Byrne fand bei ausführlichen Recherchen 27 Wege, das Britische zu feiern: Straßenparties, Gesangsfeste, Umzüge, eine Rede der Königin, Poster mit britischen Helden oder einfach einen Tag ins Pub gehen. Großen Anklang fand der Vorschlag, das ganze am "Trafalgar Day", dem 21. Oktober zu machen. Das würde den feiertagslosen Herbst überbrücken und, betonte "Telegraph"-Leser Des Pear im Forum der Zeitung, "die Franzosen mächtig ärgern".

Nun endete die Begeisterung jäh. Byrne schlug den bereits bestehenden Bank-Feiertag Ende August vor. Die Gewerkschaften waren sauer, aber die Schotten außer sich: Seit 1871 liegt ihr August-Feiertag drei Wochen vor dem Englischen. "Labours Britischer Nationalfeiertag ist an der ersten Hürde gescheitert", höhnte Nationalist Angus Robertson. "Man sieht, dass alles nichts mit Britishness zu tun hat, nur damit, Gordon Brown zu stärken, weil sich seine Unterstützung in England verflüchtigt."

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%