Premier Thaksin steuert wirtschaftsnationalistischen Kurs
Bei Thai Airways bleiben Ausländer draußen

Die avisierte Kapitalbeteiligung der Deutschen Lufthansa als strategischer Partner ist unwahrscheinlich: Thai-Airways-Präsident Kuslayanont bevorzugt bei Bedarf "einen thailändischen Partner". Lufthansa will enger mit Air China arbeiten Cockpit droht mit Spontanstreiks

HB SINGAPUR. Die angestrebte Öffnung der Fluggesellschaft Thai Airways International Comp. Ltd., Bangkok, für ausländische Investoren dürfte Geschichte sein. "Sollten wir überhaupt einen Partner benötigen", zitiert das Asian Wall Street Journal den neuen Präsidenten von Thai Airways, Bhisit Kuslayanont, "dann bevorzugen wir einen thailändischen Partner". Damit wird die avisierte Kapitalbeteiligung der Deutschen Lufthansa als strategischer Partner - allein oder im Verbund mit der Scandinavian Airlines System (SAS) und der amerikanischen United Airlines (UA) - hinfällig.

Die Privatisierung der Thai Airways, Thailands viertgrößtem Unternehmen, bei gleichzeitiger Öffnung für ausländische Fluglinien als "strategische Partner" war Bestandteil des 17 Milliarden US-Dollar schweren Beistandspakets, das Thailand unter Premier Chuan Leekpai mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) während der Asienkrise 1997 geschnürt hatte. Danach sollten zeitlich abgestuft weitere 23 % des Thai-Airways-Kapitals, das zu 93 % dem Staat gehört, privatisiert werden. Noch im November vergangenen Jahres hatte das Parlament in Bangkok grünes Licht für die Teilprivatisierung gegeben. 8 % waren für den Markt, 5 % für die Belegschaft und 10 % für einen strategischen Partner bestimmt. Gut im Rennen lagen die Lufthansa, SAS und UA, gemeinsame Partner im Star-Alliance-Verbund, zu dessen Gründungsmitgliedern Thai Airways gehört. Die jetzt vom Thai-Airways-Präsidenten verkündete Kehrwendung gilt als weiteres Zeichen der stärker wirtschaftsnationalistisch orientierten Politik des seit drei Monaten amtierenden Premierministers Thaksin Shinawatra.

Die abgespeckte Privatisierungspolitik der Thai Airways beurteilt Andrew Tan, Luftfahrt-Analyst von ABN Amro in Singapur, als "sehr enttäuschend". Thai Airways habe noch nicht die globalen Standards der im weltweiten Wettbewerb stehenden Luftfahrtindustrie erreicht. "Thai Airways muss sofort und umfassend restrukturiert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben", bekannte jüngst der Chairman der Fluggesellschaft, Chaianan Samudavanij. Das seit 1960 im Markt operierende Unternehmen zählte in den achtziger Jahren zu erfolgreichsten Fluglinien Asiens, verlor aber in den neunziger Jahren an Boden.

Für ausländische Investoren wäre eine Beteiligung aber wenig attraktiv, sagte David Fulbrook vom Spezialmagazin Flight International: "Thai Airways ist kein Unternehmen, das rein kaufmännisch geführt wird". Die Fluglinie, ein Symbol des nationalen Stolzes gilt als ineffizientes Spielzeug der Bürokratie, des Militärs und der Interessen der herrschenden Oligarchien. Analysten erwarten im laufenden Geschäftsjahr 2000/2001 (30.9.) einen kräftigen Gewinneinbruch. Bislang hatte Thai Airways stets mit Gewinn gearbeitet.

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