Premiere
Frauenteam erhält den Deutschen Zukunftspreis

Erstmals hat ein Frauenteam den mit 250 000 ? dotierten Deutschen Zukunftspreis erhalten. Die Biochemikerinnen Maria-Regina Kula und Martina Pohl entwickelten umweltschonende und zugleich kostengünstige Enzyme für den Einsatz in der Industrie.

HB/dpa BERLIN/DÜSSELDORF. Kula sagte, sie hoffe, alle seien der Meinung, die Auszeichnungen sei ihnen nicht etwa verliehen worden, weil sie Frauen seien, sondern weil sie etwas Besonderes geleistet hätten.

Kula und Pohl nahmen den Preis am Dienstagabend in Berlin aus der Hand von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) entgegen, die für den erkrankten Bundespräsidenten Johannes Rau eingesprungen war. Der seit 1997 jährlich vergebene Preis des Bundespräsidenten will die besondere Bedeutung von Spitzenleistungen in Technik und Wissenschaft aufzeigen.

Die Biochemikerinnen vom Institut für Enzymtechnologie der Universität Düsseldorf erhielten die Auszeichnung für ihr Projekt "Sanfte Chemie mit biologischen Katalysatoren". Anorganische Katalysatoren kennt zwar inzwischen jeder Autofahrer, auch wenn ihm die Funktionsweise meist nicht klar ist. Katalysatoren beschleunigen Reaktionen, meist ohne sich dabei zu verbrauchen.

"Die Reaktionen, die zum Entstehen und Unterhalt unseres biologischen Lebens erforderlich sind, würden ohne Enzyme so langsam ablaufen, dass es nie ausreichen würde, um derart komplexe Gestalten wie Menschen, ja nicht einmal einen Einzeller, hervorzubringen", sagte Kula, die schon seit Jahren über diese komplexen Vorgänge forscht. An der wirtschaftlichen Umsetzung setzte die Arbeit der 41- jährigen Pohl aus Aachen ein. Sie stabilisierte ein Enzym für den Einsatz in technischen Prozessen und machte es somit wirtschaftlich rentabel.

Die innovative Idee der heute in München lebenden Kula: Sie isolierte das Enzym "Formiatdehydrogenase" (FDH) aus der Hefe "Candida boidinii." Dabei fand sie heraus, dass es sich hervorragend als Biokatalysator eignet. "Damit war die sanfte Chemie geboren, denn Biokatalysatoren arbeiten mit Wasser als Lösungsmittel", beschreibt Kula. "Mein Ziel war es, einen besonders umweltschonenden Katalysator zu finden." Mit dessen Hilfe werden hochwertige Chemikalien für die Herstellung von Medikamenten, Duftstoffen und Pflanzenschutzmitteln erzeugt. Kostengünstig hergestellte Enzymen als technische Katalysatoren haben somit auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung.

Die jetzt 65 Jahre alte Trägerin des Bundesverdienstkreuzes hat mehr als 20 Jahre an ihrem Projekt gearbeitet. Den Zukunftspreis - für den vier Forscherteams nominiert waren - sieht Kula als Krönung ihres Lebenswerkes. Besondere Freude empfand die in Berlin geborene Wissenschaftlerin darüber, dass sie die Auszeichnung nur unweit der Humboldt-Universität in Empfang nahm, wo sie 1956 mit dem Studium der Chemie begonnen hatte.

Der von namhaften Konzernen gesponserte Zukunftspreis soll Forscher auszeichnen, "die diese spannende und anstrengende Arbeit des Fragens und Forschens leisten und die dabei Produkte entwickeln, die unser aller Leben leichter machen", sagte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) bei der Preisverleihung. Die Auszeichnung zahlt sich durchaus aus. So bekannte der Vorjahressieger Prof. Wolfgang Wahlster, dass er für seinen elektronischen Dolmetschers schon viele Aufträge erhalten hat.

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