Premiere
Party-Laune

Andere Unternehmens-Vorstände müssten mit einem Quartalsverlust von 106 Millionen Euro im schwarzen Anzug zum Insolvenz-Richter marschieren. Nicht so der Premiere-Vorstand.

Die Manager von Deutschlands einzigem Bezahlfernseh-Kanal stoßen auf die tiefroten Zahlen im zweiten Quartal mit Sekt an: Am Donnerstagabend ließ Senderchef Georg Kofler auf der Dachterrasse der Unternehmenszentrale eine Party steigen. Aus Koflers Sicht knallen die Korken zu Recht: In knapp einem halben Jahr ist es ihm gelungen, die Kosten massiv zu drücken. Damit hat sich die Ausgangslage in der Suche nach einem Investor nach Koflers Ansicht erheblich verbessert. Die Zukunft des Senders ist damit allerdings nicht gesichert. Nach wie vor ist völlig offen, ob Premiere den Herbst übersteht. Der gegenwärtige Überbrückungskredit reicht nur für die nächsten paar Monate.

Premiere benötigt schnell einen neuen Investor, sonst bleiben abermals nur die Banken als Retter in der Not. Gut möglich also, dass das Fest am Donnerstagabend die letzte Party war. Den Mitarbeitern ist ohnehin nicht zum Feiern zu Mute. Sie kämpfen ums wirtschaftliche Überleben, weil 1 000 Jobs gestrichen werden. In einer solchen Situation zählt nur, was sich versilbern lässt: Als Kofler am Donnerstag sein neues Premiere-Angebot präsentieren wollte, musste er gestehen, dass jemand den Vorführ-Fernseher gestohlen hatte.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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