Premiere-Verkauf nicht ausgeschlossen
Kirch legt die Karten offen

Der von Kirch als Berater engagierte Sanierungsexperte Wolfgang van Betteray trifft am Unternehmenssitz in Ismaning bei München mit Vertretern der acht Banken zusammen und soll ihnen die Werte aller Firmenteile und Rechte offen legen sowie die Kredite, mit denen sie besichert sind, erläutern.

Reuters MÜNCHEN. Nach Medienberichten will van Betteray das Kreditvolumen Kirchs auf vier Milliarden von derzeit mindestens 6,5 Milliarden Euro senken.

Dazu muss und will Kirch die Beteiligungen an dem spanischen TV-Sender Telecinco (25 Prozent) und am Hamburger Axel Springer Verlag (40 Prozent) abgeben, die bis zu 1,6 Milliarden Euro einbringen könnten. Auch den Verkauf des verlustträchtigen Abonnementsenders "Premiere" schließt Kirch nicht aus.

Die Banken üben zudem Druck auf den Konzern aus, die im vergangenen Jahr für 1,6 Milliarden Euro erworbene Formel 1 wieder abzustoßen, was Leo Kirch jüngst jedoch als "letzten Ausweg" bezeichnet hatte. Als Käufer stünden die in der Rennsportserie engagierten Autohersteller bereit.

Eher als Signal, sich von lieb gewonnenen Verlustbringern zu trennen, wird ein Verkauf oder die Schließung der drei Lokalsender in Berlin, München und Hamburg verstanden, wozu der Konzern nach Angaben aus Bankenkreisen bereit ist. Sie schreiben zwar tief rote Zahlen, die aber im Konzernmaßstab zu vernachlässigen sind.

Kerngeschäft soll gerettet werden

"Wir stellen die einzelnen Baustellen auf den Prüfstand, ob sie noch in das Gesamtkonzept passen", umriss eine Vertreterin Kirchs in der Medienkommission der CSU die anstehenden Aufgaben. Vor dem Treffen betonte Kirch, die Mehrheitsbeteiligung an dem profitablen Fernseh-Konzern Pro Sieben Sat.1 Media AG nicht verkaufen zu wollen. "Eine Veräußerung von Pro Sieben Sat.1 steht nicht zur Diskussion. Sie kann von niemandem ernsthaft verfolgt werden, der das Kerngeschäft von Kirch Media kennt und dieses erhalten will", sagte ein Kirch-Sprecher. Dazu zählt der Konzern neben dem Fernsehsender auch den Rechtehandel sowie die Fernseh- und Filmproduktion. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) stehe nicht zum Verkauf, hieß es.

Um Kirch die dringend benötigte Liquidität zu verschaffen, da die Kreditlinien fast ausgeschöpft sind, müssten die Banken bereit sein, den Erlös aus den Verkäufen nicht ganz unter sich aufzuteilen. Ein ausgearbeitetes Sanierungskonzept sei von dem Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt zwei Wochen nach Übernahme des Amtes noch nicht zu erwarten, hieß es. Am Dienstag wollen die Banken zunächst in ihren wöchentlichen Vorstandssitzungen über das weitere Vorgehen beraten. Dann müssen die konkurrierenden Häuser auch einen gemeinsamen Vermittler benennen, der sie bei weiteren Verhandlungen mit Kirch vertreten soll.

Springer droht angeblich mit Insolvenzantrag

Einigen sich die Banken grundsätzlich, soll Kirch mehrere Wochen Zeit bekommen, ein Konzept auszuarbeiten. Doch die Zeit drängt. Zum einen läuft ein Kredit der Dresdner Bank über 460 Millionen Euro schon im April aus, zum anderen will Springer seine ebenfalls im nächsten Monat fällige Forderung über 770 Millionen Euro für 11,5 Prozent an Pro Sieben Sat.1 im Notfall einklagen. Nach einem Bericht des "Spiegel" droht der Verlag sogar mit einem Insolvenzantrag, wenn Kirch nicht zahlt.

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