Premiere von "Warten auf Godot"
Harald Schmidt als Lucky gefeiert

Mit einem vom Publikum gefeierten Auftritt hat der Fernsehentertainer Harald Schmidt im Bochumer Schauspielhaus sein Debüt als Lucky in Becketts Tragikomödie "Warten auf Godot" gegeben.

dpa BOCHUM. Die Premiere am Sonntagabend zeigte, dass dem Intendanten Matthias Hartmann mit der Inszenierung ein besonderer Coup gelungen ist: Becketts Figur des Lucky als Knecht der Macht mit dem Kabarettisten zeitnah zu besetzen und auch Schmidts eher an das Fernsehen gewohnten Fans für das Theater zu begeistern. Im Kassenraum warteten Fotografen und Kamerateams, auch im Foyer gab es immer wieder Blitzlichtgewitter.

Lucky, der Knecht von Pozzo, erschien als eine Rolle voller Anspielungen auf Schmidts Auftritte im Fernsehen. Sein großer Monolog wird zum Höhepunkt, mitleidlos unterstreicht der Fernsehmann den Zerfall aller Theorie, monoton, ohne Punkt und Komma. Schmidt, der als Schauspieler ausgebildet wurde, bleibt hinter dem hohen Niveau des Ensembles nicht zurück, seinen schwierigen Text hatte er bemerkenswert gut einstudiert. Der Kabarettist verleiht der Inszenierung Hartmanns Glaubwürdigkeit. "Warten auf Godot" erscheint nicht nur als existenzielle Kritik an der "condition humaine", sondern auch als kompromisslose Beschreibung aktueller Missstände, der Abhängigkeit der Intellektuellen von der Macht.

Hartmann hat sich eng an Samuel Becketts Text angelehnt. Für die Exposition nimmt er sich in dem kargen Bühnenbild von Altmeister Karl-Ernst Herrmann Hartmann viel Zeit, die Langeweile wird bis an die Grenze der Lähmung geführt. Estragon (Ernst Stötzner) und Wladimir (Michael Maertens) warten. Sie wissen nicht genau, wen sie erwarten, sie wissen nicht genau wo sie sind, sie wissen nicht ob es Freitag, Samstag oder Donnerstag ist. Wen sie erwarten, davon haben sie keine klare Vorstellung: Wer ist Godot überhaupt? Und was erhoffen sie von ihm? Das Gespräch darüber bleibt im Unbestimmten.

Der irische Dramatiker legt die Netze seiner unlösbaren Rätsel aus, die beiden Schauspieler folgen intensiv seinem Text. Estragon und Wladimir leiden: Ihre Schuhe sind zu eng, sie passen nicht - so wie in Becketts Weltentwurf die Hoffnungen der Menschen auf Gott nicht zusammenpassen mit der Leere des Alls.

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