Premium-Dienste im Kommen
Kostenlose E-Mails auf dem Weg zum Nischenprodukt

Bei dem Versuch, sich neue Einnahmequellen zu verschaffen, haben die großen Online-Portale jetzt die E-Mail-Nutzer ins Visier genommen. Sowohl Yahoo als auch Microsoft Network (Hotmail) bieten in den USA zusätzlich zu ihrem kostenlosen webbasierten E-Mail-Dienst einen Premium-Service für 20 bis 30 Dollar an.

DÜSSELDORF. Bei Yahoo müssen Nutzer künftig 29,99 Dollar dafür zahlen, dass sie ihren Yahoo-Account auch über fremde Postfächer abfragen können. Hotmail (110 Millionen Nutzer) verlangt für zusätzlichen Speicherplatz 19,95 Dollar jährlich. Terra Lycos erwägt, für Extra-Dienste wie Spam-Filter (Abwehr unerwünschter Müll-Mails) Gebühren zu erheben. "Schon wenn nur ein Bruchteil der Kunden zahlt, schaffen wir einen Millionen-Dollar-Geschäft", sagte Steve Killeen, Präsident des US-Geschäfts von Terra Lycos, gegenüber USA Today. Der Basis-Dienst soll allerdings bei allen Geschäftsmodellen kostenlos bleiben.

So weit, so gut. Allerdings häufen sich die Berichte, dass Nutzer regelrecht aus dem kostenlosen Account gemobbt werden. So berichtet USA Today von Kunden, die ein halbes Dutzend mal von ihrem Hotmail-Postfach ausgesperrt wurden, weil sie die Speicherkapazität von zwei Megabyte überschritten haben. Das ist leicht passiert, wenn die Adresse massiven Spammern in die Hände fällt. Ist die Speicherkapazität erschöpft, gehen auch neu eingehende Mails verloren. Die Lösung - mehr Speicherplatz oder ein besserer Spam-Filter - kosten Geld.

Der Gedanke dahinter: Anders als bei bezahlten Inhalten ist die Schwelle für E-Mail-Nutzer höher, den Dienst zu wechseln. Schließlich muss Freunden und Newsletter-Diensten die neue Adresse mitgeteilt werden, alte Mails und Kontakte gehen verloren. Außerdem sind es oft gerade die kostenlosen Mail-Adressen, die die Nutzer oft länger durch das Leben begleitet als alle anderen Adressen - einschließlich der Hausnummer. Uni- oder Dienst-Accounts ändern sich, die Provider werden gewechselt, doch der kostenlose Anbieter bleibt. Zumindest, so lange er kostenlos ist.

"Viele Leute benutzen die Free-Mail nur als Zweit- oder Dritt-Adresse - gerade, weil sie nichts kostet. Also werden sie es sich gut überlegen, dafür auch nicht zu bezahlen", meint, Joyce Graff, Analystin bei der Gartner Group.

Anders als die US-Anbieter denkt das deutsche Portal Web.de nach eigenen Angaben nicht daran, die kostenlosen Dienste zu beschneiden - im Gegenteil: "Wir wollen die kostenlosen Mail-Angebote ausbauen", sagte Unternehmenssprecherin Eva Vennemann. Die 9,2 Millionen Webmail-Nutzer sollen vor allem dadurch lukrativ werden, dass sie auf die anderen Angebote des Portals wie beispielsweise E-Commerce oder digitale Zusatzdienste gelenkt werden. Dazu trägt ein obligatorischer Newsletter mit Web.de-Eigenwerbung an alle Abonnenten bei. Bannerwerbung trägt nach Web.de-Angaben nur zu 37 Prozent zum Umsatz bei.

GMX.de versucht mit einem differenzierten Angebot, seine Nutzer zu Zahlern zu machen. Es gibt vier Variationen des Webmail-Angbots. Das Basispakte ist kostenlos mit zehn Megabyte Speicherplatz. Gegen das Einverständnis, Werbemails von Partnern entgegenzunehmen, bekommt der Nutzer zusätzlich zehn Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage.

Werbefrei wird?s dann im Comfort-Paket für 0,49 Euro monatlich. Dafür lassen sich dann auch der Online-Organizer, 100 Megabyte Speicherplatz und zehn freie SMS im Monat. Im Profi-Tarif für 2,99 Euro gibt es noch mehr Speicherplatz, noch mehr freie SMS und einen Unified-Messaging-Dienst.

Von den 10 Millionen registrierten Nutzern haben sich nach GMX-Angaben bisher 35.000 für den Profi-Tarif entschieden. Prozentual nicht gerade überwältigend. Doch GMX-Sprecherin Marion Schanzer ist zufrieden. "Wir haben die kostenpflichtigen Dienste erst Mitte letzten Jahres forciert. Absolut gesehen sind 35.000 zahlenden Kunden ganz ordentlich. Wir rechnen 2002 mit einem zweistelligen Umsatzanteil von kostenpflichtigen Diensten am Gesamtumsatz."

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