Presseberichte
USA haben angeblich Beweise für Zahlungen an Terroristen

US-Vertreter sollen den Nato-Partnern Belege vorgelegt haben, aus denen hervorgeht, dass bin Laden den Terroristen Geld zahlte.

ap KARLSRUHE/ANKARA. Die USA haben laut Presseberichten Beweise für direkte Geldzahlungen der Terrororganisation Osama bin Ladens an die Todespiloten. US-Vertreter legten den Nato-Partnern Banküberweisungen vor, die Zahlungen von Konten Bin Ladens an 19 mutmaßliche Terroristen belegen, wie die türkische Zeitung «Hürriyet» (Mittwochausgabe) berichtete. Auch deutsche Fahnder und die Bundesregierung nahmen die Geldströme des Terrornetzwerks ins Visier: 214 verdächtige Konten mit rund acht Mill. DM wurden gesperrt. Die Bundesanwaltschaft ließ am Mittwoch offen, ob sie die Inhaber der Bankkonten überprüfen wird. Ihr Sprecher Hartmut Schneider sagte: «Wir klären das Umfeld aller mutmaßlichen Beteiligten, dazu gehören auch die Geldströme.» Laut dem «Hürriyet»-Bericht wurden auch Telefongespräche zwischen elf der mutmaßlichen Attentäter und Angehörigen von Bin Ladens El Kaida abgehört. Weitere Unterlagen belegen dem Bericht zufolge, dass El Kaida die Flüge von zwei mutmaßlichen Terroristen bezahlte, die kurz vor den Anschlägen aus Madrid und Hamburg in die USA flogen. Auch der Flugunterricht der Terroristen in den USA sei von El-Kaida-Konten aus finanziert worden. Die Bundesanwaltschaft kündigte an, sie werde sich um die US-Beweisdokumente für die Schuld Osama bin Ladens bemühen. Bislang hätten die deutschen Fahnder keine Verbindung Bin Ladens oder anderer Hintermänner zu den Hamburger Todespiloten gefunden. Nato-Generalsekretär George Robertson hatte erklärt, die USA hätten «klare und zwingende» Beweise präsentiert, nach denen die Attentäter zu dem weltweiten Terrornetzwerk El Kaida gehörten. Schneider betonte, nach derzeitigem Kenntnisstand stehe lediglich fest, dass die Verdächtigen aus Hamburg einen radikal-islamistischen Hintergrund hatten. Für eine Bewertung, ob der Massenmord hauptsächlich in Deutschland geplant und vorbereitet wurde, sei es noch zu früh. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass Anhänger der Kölner Islamistenorganisation «Kalifatsstaat» bereits in den Jahren 1996/97 Kontakte zu dem weltweit gesuchten mutmaßlichen Topterroristen Bin Laden hatten. Eine Delegation des selbst ernannten Kalifen von Köln, Metin Kaplan, habe Bin Laden in einem afghanischen Camp «eine Art Repräsentationsbesuch» abgestattet. Über aktuelle Verbindungen gebe es keine Erkenntnisse.

BKA richtet Sonderkommission in Wiesbaden ein

Laut Wirtschaftsministerium gab es vor einer Woche erst 13 eingefrorene Guthaben. Ministeriumssprecher Frank Bonaldo sagte am Mittwoch in Berlin, gegen die Sperrung könnten sich die Inhaber gerichtlich wehren, doch sei dies bis jetzt in keinem Fall geschehen. Die meisten der Kontensperrungen gehen auf EU-Verordnungen im Rahmen internationaler Sanktionen gegen das Terrornetzwerk von Osama bin Laden zurück. Die Bundesregierung ordnete zudem die Suche nach deutschen Konten von knapp 30 Organisationen und Personen an, die US-Präsident George W. Bush vergangene Woche im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA benannt hatte. Das Bundeskriminalamt richtete unterdessen eine spezielle Sonderkommission mit 20 Ermittlern ein, die gegen islamische Extremisten im Raum Wiesbaden ermitteln soll. In Wiesbaden waren am Donnerstag ein Türke und zwei Männer mit jemenitischen Pässen festgenommen worden, gegen die der Generalbundesanwalt ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet hat.

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