Pressekonferenz am Dienstag
Neuer Chef von T-Online stellt Strategie vor

Nicht die üblichen hundert Tage, sondern nur 72 lässt sich der neue Mann Zeit. Eile ist angesagt, denn der Erwartungsdruck an Thomas Holtrop ist enorm: Auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz wird der Vorstandsvorsitzende der T-Online International AG am Dienstag in Berlin schildern, wie er den größten europäischen Internetdienst auf Vordermann bringen will.

vwd DÜSSELDORF. Schwerpunkte der Strategie-Präsentation dürften das inhaltliche Angebot und die Expansion der defizitären Telekom-Tochter im Ausland sein. In beiden Feldern hat die seit knapp einem Jahr am Neuen Markt notierte T-Online nach Ansicht von Experten noch erheblichen Nachholbedarf.

Mit sensationellen Neuigkeiten, die dem darniederliegenden Kurs endlich Auftrieb geben könnten, wird der seit Januar amtierende und bislang medienscheue Holtrop wohl nicht aufwarten können. Zwar wird seit Wochen über eine Partnerschaft mit dem Medienimperium Kirch gemunkelt, und mit den Tourismusgiganten TUI und C&N laufen Verhandlungen über ein Reiseportal. Aber zu der Pressekonferenz sind keine konkreten Abschlüsse zu erwarten. Vielmehr dürfte Holtrop eher theoretische Akzente setzen und umreißen, wie die Zukunft von T-Online als "Medien-Dach" der Telekom aussehen soll.

Der 45 Jahre alte Diplom-Psychologe, der von der Deutschen Bank 24 kommt, tritt kein leichtes Erbe an: Fast der gesamte Vorstand wurde ausgewechselt, nachdem sein Vorgänger Wolfgang Keuntje im vergangenen Sommer angeblich im Streit mit dem Telekom-Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer das Handtuch warf. Die hohen Verluste von T-Online - mit acht Millionen Kunden nach AOL immerhin zweitgrößter Internetdienst der Welt - lassen mit 125 Mill. Euro eher an ein Start-up-Unternehmen denken; bis einmal unter dem Strich Gewinn abfällt, werden noch Jahre vergehen. Und der Aktienkurs beträgt inzwischen weniger als die Hälfte des Ausgabepreises von 27 Euro vorigen Aril.

Mangel an Inhalten



In erster Linie mangelt es T-Online nach Ansicht der Beobachter an attraktiven und exklusiven Inhalten. Content aber ist wichtig, um die Surfer zum Verweilen einzuladen und nicht nur Relaisstation für den bloßen Zugang ins Netz zu sein: Wer sich die Web-Seiten anschaut und Informationen, Dienstleistungen oder Vergnügungsangebote nutzt, der ist auch aufgeschlossen für den Konsum von Werbung und das Tätigen elektronischer Geschäfte, so das Kalkül. Das Portalgeschäft, das deutlich lukrativer ist als der reine Internet-Zugang, gilt es auszubauen.

Im vergangenen Jahr konnte der Umsatz aus Werbung und E-Commerce zwar versechsfacht werden, doch macht er lediglich ein gutes Siebtel der gesamten Erlöse von knapp 800 Mill. Euro aus. Hinzu kommt: Der überwiegende Teil des Portalgeschäfts geht auf Werbung der Deutschen Telekom AG zurück, die Links auf die Seiten der Darmstädter Tochter schaltet und dafür zahlt. Interessanten Content könnte Kirch mit seinem riesigen Film-Reservoir bieten - Bezahlfernsehen via Internet. Wie die Partnerschaft eines Service Providers mit einem Medienkonzern aussehen kann, hat die Nummer Eins im Web vorgemacht: T-Online-Konkurrent AOL ist bekanntlich mit Time Warner liiert.

Mit einem konkreten Medienprojekt, das freilich schon im vergangenen Jahr angekündigt wurde, wartet T-Online übernächste Woche zur Cebit auf. Dann soll "T-Info" starten - ein Informationsportal, das mit den Verlagen Brockhaus und Burda betrieben wird und das auf den "Gelben Seiten" der Telefonbücher basiert. Zwar sind auch Werbung und E-Commerce keine Garantie für anhaltend gute Geschäfte der Provider, wie aktuell der Fall Yahoo zeigt. Doch auf den Acces-Bereich ist kein Verlass: Hier hat T-Online zuletzt satte Verluste eingefahren durch einen Pauschaltarif, der jetzt abgeschafft wurde und im Herbst ganz ausläuft. Dann erwarten Experten wieder steigende Margen.

Die andere Großbaustelle ist die Internationalisierung. Bislang ist T-Online neben Österreich und der Schweiz nur in Frankreich sowie Spanien und Portugal präsent. Die Ableger in den romanischen Ländern - Club Internet und ya.com - gehören aber nicht zu den "Top five"; zudem hat die Telekom keine Mobilfunk-Beteiligungen dort, was dem Aufbau des M-Commerce via Handy entgegensteht. Immerhin hat sie über eine Tochter der spanischen ya.com im wichtigen italienischen Markt einen Fuß in der Tür, während mutmaßliche Übernahme-Versuche zum Einstieg in Großbritannien misslangen. Statt dessen fanden die Fusionen bei namhaften Konkurrenten statt, und nun sind die Reihen der attraktiven Kaufkandidaten gelichtet.



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