Pressekonferenz am Freitag
"Penny Stocks" werden vom Neuen Markt gestrichen

Die Deutsche Börse macht mit der Verschärfung der Regeln für den Neuen Markt ernst: Sie wird am Freitagvormittag bekannt geben, unter welchen Bedingungen Billigaktien und Pleitekandidaten aus dem Handel genommen werden können.

AFP FRANKFURT/M. Damit will die Börse dem Vertrauensverlust in das einstige Wachstumssegment entgegenwirken, das in den vergangenen Monaten auf immer neue Tiefstände gefallen war. Derzeit notieren am Neuen Markt Dutzende von Firmenaktien mit einem Kurs von unter einem Euro, zehn Firmen mussten bereits die Zahlungsunfähigkeit anmelden.

Beobachter erwarten, dass die Börse ihre Regeln in Anlehnung an die US-Technologiebörse Nasdaq ändern wird, die schon bei der Gründung des Neuen Marktes als Vorbild diente. Dort droht Titeln der Rauswurf, wenn sie länger als 30 Tage unter einem Dollar (gut 2,27 Mark) notieren. Das Firmenmanagement hat dann noch 90 Tage Zeit, den Kurs während zehn Tagen in Folge über die magische Grenze zu heben. Nach Medienberichten könnten am Neuen Markt sogar noch schärfere Regeln gelten und die Frist, während der die Anteilsscheine aus dem Cent-Bereich heraus müssen, auf bis zu 30 Tage ausgeweitet werden.

Experten hatten zudem gefordert, nach dem Beispiel der Nasdaq flankierend Untergrenzen für Aktienzahl und Börsenwert eines Unternehmens einzuführen. An der US-Börse müssen Firmen mindestens 750.000 Aktien am Markt platziert haben und der gesamte Wert der Anteilsscheine darf nicht unter fünf Millionen Dollar (11,5 Millionen Mark/5,9 Millionen Euro) fallen. Ohne derartige Untergrenzen könnte eine mögliche Ein-Euro-Regel durch die Zusammenlegung von Aktien leicht umgangen werden. Genau umgekehrt wie bei einem so genannten Aktiensplitt ließen sich so etwa aus zehn Aktien eine machen. Dies würde den Börsenwert wieder anheben und das Unternehmen wäre durch eine kosmetische Korrektur aus dem Schneider.

Spekuliert wurde in den vergangenen Tagen auch, ob der Leitindex Nemax von bisher 50 auf nur noch 20 oder 30 Titel verkleinert werden sollte. Dies würde starke Titel wie T-Online oder das Biotechnologieunternehmen Qiagen von der Ruf schädigenden Last befreien, im gleichen Boot mit schwächeren Firmen zu sitzen.

Wie auch immer die Änderungen ausfallen, für die Börse bleibt ein gewisses Risiko: Steht ein Unternehmen einmal auf der Schwarzen Liste der Betreibergesellschaft, wird sich der Kursverlust weiter beschleunigen, und auch Aktionäre eines Krisenunternehmens dürften nicht begeistert davon sein, wenn ihr Kapital einfach aus dem Markt geworfen wird. Betroffene Firmen oder Anteilseigner könnten sich dann auf die ursprünglichen Verträge mit der Börsengesellschaft berufen, in denen die Möglichkeit des Handelsausschlusses noch nicht vorgesehen war. Marktteilnehmer vermuten bereits, dass die Regeländerung noch so manches juristische Nachspiel haben wird.

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