Pressekonferenz der EZB
Duisenberg lehnt neue Aussagen zu Interventionen ab

Reuters PARIS/FRANKFURT. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, hat auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz eine Stellungnahme zu der jüngsten Kritik an seiner Amtsführung abgelehnt. Er bestätige die weithin bekannte Politik, dass Interventionen ein Instrument der Zentralbankpolitik seien, sagte Duisenberg am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Paris. Zuvor hatte der EZB-Rat auf seiner auswärtigen Sitzung in der französischen Hauptstadt erwartungsgemäß die Leitzinsen unverändert gelassen. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Äußerungen Duisenbergs und auf den Zinsbeschluss.

Zur Kritik an seinen jüngsten Aussagen in einem Zeitungsinterview über Interventionen von Notenbanken sagte Duisenberg, er werde die an ihn gerichteten Ratschläge befolgen und dies nun nicht weiter kommentieren. "Wir bestätigen unsere weithin bekannte Politik: Intervention ist ein Werkzeug, das die Zentralbank nutzen kann, wenn es angemessen ist", sagte er. Auf die Frage, ob er glaube, dass er eine gute Arbeit leiste, sagte Duisenberg: "Die Antwort ist ja." Er habe seine Schlüsse klar gezogen, es werde von ihm keine weiteren Kommentare geben, sagte Duisenberg weiter.

Duisenberg hatte Anfang der Woche in einem Zeitungsinterview gesagt, er glaube nicht, dass Interventionen Sinn machten, falls der Euro durch die Krise im Nahen Osten an Wert verlieren sollte. Devisenhändler hatten dies als Hinweis darauf gewertet, dass die EZB dann nicht zu Gunsten des Euro intervenieren werde. Damit brach Duisenberg laut Analysten eine ungeschriebene Regel für Zentralbanker. Diese sollten niemals öffentlich über die Wahrscheinlichkeit von Interventionen sprechen, um das Überraschungsmoment zu erhalten, hieß es. Frankreichs Notenbankpräsident Jean Claude Trichet sagte, die EZB stehe geeint hinter Duisenberg. Nach Einschätzung von Analysten würde ein Rücktritt Duisenbergs dem Euro-Projekt eher schaden als nutzen. An den Märkten wird ohnehin erwartet, dass Duisenberg im Jahr 2002 seinen Posten vorzeitig für Trichet räumen wird.

EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte, die jüngsten Anstiege der Verbraucherpreise seien bereits bei der Zinsentscheidung von Anfang Oktober berücksichtigt worden, als die EZB die Leitzinsen erhöht hatte. Die dem robusten Wachstum zu Grunde liegenden Faktoren in der Euro-Zone blieben weiterhin günstig, sagte Duisenberg zu der Zinsentscheidung. Allerdings sei die schwache Bewertung des Euro weiter ein Anlass zur Sorge. Die Politik der EZB werde aber sicherstellen, dass Importpreis-Risiken keine permanente Inflation erzeugten, betonte er.

Durch den schwachen Außenwert des Euro sind Importe in die Euro-Zone teurer geworden, wodurch auch die Inflation tendenziell angeheizt wird. Duisenberg sagte, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone werde den Außenwert des Euro stützen. "Der Euro ist unterbewertet", sagte er. Es werde der Moment kommen, an dem dies korrigiert werden könne.

Eine Zinserhöhung als Stütze für den Euro war im Handel nicht erwartet worden. Nur zwei Wochen nach der jüngsten Zinsanhebung wäre dies als Panikreaktion ausgelegt worden, sagten Analysten. Die EZB hatte am 5. Oktober überraschend zum siebten Mal seit November 1999 die Zinsen erhöht und alle drei Leitzinsen in der Euro-Zone um 25 Basispunkte angehoben. Der Mindestbietungssatz für die Bankenrefinanzierung beträgt seitdem 4,75 %. Die EZB beließ diesen Zinssatz am Donnerstag ebenso unverändert wie die Sätze für Übernacht-Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB (Einlagenfazilität, 3,75 %) und für Übernacht-Kredite (Spitzenrefinanzierung, 5,75 %).

Einige Analysten sehen die Spitze bei den Zinserhöhungen nun erreicht. Schließlich habe die Konjunktur zur Jahresmitte ihren Höhepunkt überschritten. Andere rechnen dagegen angesichts des schwachen Euro und der Inflation mit einem weiteren Zinsschritt.

Der Euro reagierte weder auf den Zinsbeschluss noch auf die Aussagen Duisenbergs. Zuvor hatte er sich auf etwa 84,30 US-Cents erholt, nachdem er am Mittwoch mit 83,28 Cents ein neues Rekordtief erreicht hatte. Während der Pressekonferenz Duisenbergs gab der Euro allerdings wieder auf gut 84,10 Cents nach.

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