Presseschau zu den US-Vorwahlen
„Obama hat der Instinkt verlassen“

Aus Sicht internationaler Wirtschaftsmedien ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nach den Vorwahl-Siegen von Hillary Clinton in Ohio und Texas wieder offen. Zum ersten Mal, so der Tenor, hat Barack Obama der sichere Instinkt für den richtigen Moment verlassen. Geht seiner „Change“-Kampagne die Luft aus? Eine Presseschau.

Die » Washington Post meldet trotz der Vorwahl-Siege von Hillary Clinton im Industriestaat Ohio sowie im Schlüsselstaat Texas Zweifel am weiteren Erfolg der Kandidatin an: Dem Wahlkampfteam der Ex-First Lady fehlten Geld und Energie. Obama habe die Konkurrentin beim Sammeln von Spenden weit hinter sich gelassen; das Clinton-Team habe sich hoch verschuldet, das gesamte verbliebene Spenden-Geld sei in die Wahlkämpfe in Texas und Ohio geflossen. Hinzu komme, dass viele Berater im Clinton-Team müde und desillusioniert seien; einige Mitglieder aus dem inneren Clinton-Kreis sprächen kaum miteinander. Clintons Chefstrategen Mark Penn werde vorgeworfen, nicht die richtige Botschaft an die Wähler sowie nicht die richtige Waffe im Kampf gegen Obama gefunden zu haben.

Für die » Süddeutsche Zeitung ist der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ein „Ringen von fast epischen Dimensionen“. Amerikas veröffentlichte Meinung habe Clinton schon längst abgeschrieben, „als Kandidatin des 20. Jahrhunderts, die gegen den Mann des 21. Jahrhunderts letztlich nicht bestehen wird.“ Dreimal jedoch sei Clinton das „Comeback-Kid“ geworden, in New Hampshire, den wichtigsten Staaten Kalifornien, New York und Massachusetts sowie nun in Ohio und Texas. Während Clinton bewiesen habe, dass sie die Staaten gewinnen könne, die bei den Präsidentschaftswahlen die entscheidenden Stimmen bringen, habe die Rhetorik von Obama am gestrigen Wahlabend hohl geklungen. „Zum ersten Mal hat Barack Obama der sichere Instinkt für den richtigen Moment verlassen.“

» Newsweek sieht das Risiko einer fortgesetzten Auseinandersetzung zwischen Obama und Clinton darin, dass der endgültige Sieger der Demokraten in der Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Gegner, dem Republikaner John McCain, geschwächt werde. Die Demokraten „versorgen die Republikaner mit einer unschätzbaren Menge an kostenloser Werbung“, schreibt das Magazin: Clintons jüngste Werbekampagne stelle Obamas Führungsqualitäten in Frage, während Obama mit einer Gegen-Werbeoffensive an der Urteilskraft der Kandidatin zweifle. Der wunde Punkt von McCain sei indes, in die Nähe des aktuellen Präsidenten George W. Bush gerückt zu werden – Obama warne in seinen Reden davor, dass ein Sieg von McCain de facto die dritte Amtszeit des unpopulären Bush bedeuten würde.

Anders als Newsweek glaubt » Le Monde aus Frankreich nicht daran, dass McCain vom anhaltenden Binnenwahlkampf der Demokraten profitieren kann. Der Kampf bei den Demokraten lenke die Aufmerksamkeit der Bevölkerung weg von McCain, der so daran gehindert werde, seine Attacken gegen seinen Gegner im November entwickeln zu können. Das französische Blatt rechnet damit, dass das Kopf-an-Kopf-Rennen von Clinton und Obama noch bis zum Sommer andauern könnte – Clinton habe gerade erst daran erinnert, dass sich auch ihr Ehemann Bill 1992 erst zum Sommeranfang die Rückendeckung der Partei habe sichern können.

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