Presseschau zur Rede von Sarah Palin
„Sie schießt! Und sie trifft!“

Die internationale Wirtschaftspresse ist größtenteils überzeugt von der Rede der republikanischen Vize-Kandidatin Sarah Palin auf dem Parteitag in St. Paul. Mit ihrer Profilierung als bodenständige Mutter sowie ihren scharfen Attacken auf die Demokraten habe sie die Delegierten überzeugt. Für Kritik sorgt jedoch Palins Angriff auf die Medien.
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„Sie schießt! Und sie trifft“, bejubelt die Washington Post die Rede von Sarah Palin beim Republikaner-Parteitag. „Sollten die Republikaner die Präsidentschaftswahl im November gewinnen, könnte es sein, dass sie sie gestern Abend gewonnen haben – an dem Abend, an dem sich die Kandidatin für die Vizepräsidentschaft mit ihrer herrlich verqueren Stimme von einer Lachnummer in einen nationalen Star verwandelt hat.“ Zwar sei die Rede rhetorisch nicht brillant gewesen, dennoch habe sich die Kandidatin überzeugend als bodenständige Mutter, die zu den Eishockeyspielen ihrer Kinder gehe, profiliert. Außerdem habe Palin bewiesen, dass sie nicht die „scheue Frau Butterblume“, sondern auch in der Lage sei, die Demokraten mit „gemeinem Eifer“ zu attackieren. Schade sei jedoch, dass auch Palin die Medien angegriffen und sich als missbrauchtes Opfer medialer Aggression dargestellt habe.

Die New York Times schreibt, dass gestern die eigentliche Nominierung von John McCain als Präsidentschaftskandidat der Republikaner durch die Rede seiner Vize-Kandidatin Sarah Palin in den Schatten gestellt wurde. Palin habe eine eindrucksvolle, überzeugende und humorvolle Rede gehalten – und das sei schon ziemlich viel gewesen, da ihr Schweigen in den vergangenen 48 Stunden zu den Skandalvorwürfen „schädigend“ gewesen sei. McCains Vize habe die Gelegenheit genutzt, sich als „Klartext redende und die Liberalen prügelnde Supermutter“ zu inszenieren. Fazit der NYT: „Die beherzte Rede von Palin wird wahrscheinlich nicht die Kritiker verstummen lassen (...), aber die Wähler haben immerhin eine Chance bekommen, die Gouverneurin von Alaska selbst reden zu hören.“

Palin Auftritt sein „oskarverdächtig“ gewesen und müsse den Demokraten jetzt noch mehr Sorgen bereiten, lautet die Bilanz der linksgerichteten US-Wochenzeitschrift The Nation. Gleichwohl misstraut das Blatt dem Image der „Hockey-Mutter“, das sich Palin in ihrer Rede übergestülpt habe. „Palin ist vielmehr eine Extremistin, aber so tritt sie nicht auf, weshalb das Etikett nicht an ihr kleben bleibt.“ Das Bild der Alltags-Politikerin, die jedem Arbeitnehmer in den USA die Schrauben anlegen wolle, sei zwar „Mist“. „Aber genauso war Nixons, Reagans und Bushs Populismus. Die Amerikaner erwarten nun einmal Mist von ihren Politikern. Es muss nur der richtige sein. Und Sarah Palin ist, wie wir heute gelernt haben, furchterregend voll davon.“

Die Londoner Times bescheinigt Palin, mit einer „scharfen, humorvollen und fehlerlos vorgebrachten“ Rede ihren ersten großen Test gemeistert zu haben. In den kommenden Tagen warteten jedoch weitere Tests: Jetzt komme es auf ihre Leistung auf der Wahlkampftour und im Kampf gegen die Journalisten-Horden an, die in Alaska nach belastendem Material aus der bisher unbekannten Vita forschten. Für die Politikerin, die erst vor einer Woche in die nationale politische Szene geplatzt sei, seien die vergangenen Tage turbulent gewesen: Ihr Leben sei von den Medien weltweit wie eine „Seifenoper auf Steroiden“ inszeniert worden.

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