Preussag mahnt zur Vorsicht – Reisemanager auf schwierige Wintersaison eingestellt
Thomas Cook schaut nach Asien

Die beiden führenden deutschen Touristikkonzerne ziehen unterschiedliche Konsequenzen aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten. Während Thomas Cook zu einem weltweiten Touristikkonzern expandieren will, steckt die Nummer eins, Preussag, klar zurück: Kernmarkt bleibe Europa.

and/ek LONDON/LEIPZIG. Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook will in den kommenden Jahren zum weltweiten Touristikanbieter expandieren. Wie Konzern-Chef Stefan Pichler in London erklärte, plant die bislang nur in Europa vertretene Marke zunächst vor allem den Schritt nach Asien. Aber auch Amerika hat die gemeinsame Touristiktochter von Lufthansa und Karstadt im Visier. "Thomas Cook wird global", umriss Pichler die Strategie des Konzerns bei einem Vortrag in London. Schon in den kommenden Jahren solle die Marke weltweit präsent sein. Bislang hatte Pichler solche Pläne als "Wolkenkuckucksheim" bezeichnet.

Dagegen bläst Branchenführer Preussag, Hannover, zum Rückzug. Wie Preussag-Vorstandschef Michael Frenzel dem Handelsblatt bei der Jahrestagung des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbandes (DRV) in Leipzig sagte, werde sein Konzern die bereits verkündete Expansion in außereuropäische Märkte angesichts der schwierigen Marktsituation vorerst auf Eis legen. Kernmarkt bleibe Europa. Pläne, in den USA, Japan oder China über örtliche Partner in das Touristikgeschäft einzusteigen, seien zurzeit nur "Visionen". Thomas Cook untersucht nach Pichlers Worten dagegen bereits die neuen Märkte in Übersee. Bei der weltweiten Expansion gehe es aber "nicht unbedingt um Übernahmen", betonte der Vorstandsvorsitzende. Der Reiseveranstalter will jedoch die unterschiedlichen Saisonzeiten auf der Welt nutzen. Während die Europäer im Sommer Urlaub machen, ist etwa in Asien im Winter Reisezeit. Damit kann zum Beispiel die eigene Flugzeugflotte kostengünstiger genutzt werden. Thomas Cook besitzt 85 Maschinen. "Damit sind wir größer als KLM oder Iberia", so Pichler, "nur niemand weiß das."

Zugleich verteidigte Pichler den vor einer Woche beschlossenen radikalen Sparkurs bei Thomas Cook, der den Abbau von mehr als 2600 Stellen vorsieht. Der Manager machte keinen Hehl daraus, dass der Konzern "die Gunst der Stunde" nach den US-Anschlägen nutze. Damit biete sich auch die Chance zur globalen Expansion.

Preussag-Chef Frenzel warnte dagegen davor, strukturelle Bereinigungen in der Branche "mit dem 11. September zu begründen". Das sei psychologisch falsch und verunsichere die Verbraucher.

Beide Manager gehen davon aus, dass die Folgen der Anschläge im Reisegeschäft länger zu spüren sein werden. "Das wird uns die Wintersaison verhageln", sagte Pichler dem Handelsblatt. Auch beim Konkurrenten Preussag laufen die Buchungen für das Frühjahr und Ostern nur "sehr zögerlich", bestätigte Frenzel.

Die Touristikbranche müsse sich darauf einstellen, dass die Verbraucher unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September noch kurzfristiger als ohnehin schon buchten, so der Preussag-Chef zur Kundenreaktion. Die Reiseveranstalter unter der TUI-Dachmarke habe für die Wintersaison derzeit Buchungszuwächse von 20 % gegenüber dem Vorjahr - allerdings meist bei Reiseterminen bis Weihnachten und zum Jahresende.

Konkurrent Thomas Cook AG., Oberursel, plant ebenfalls eine Verkaufsoffensive mit speziellen Frühbucherrabatten. "Damit, glaube ich, können wir die Nachfrage nach Reisen in Deutschland wieder ankurbeln", so Pichler.

Sein Sparkurs trifft besonders Großbritannien, wo allein 1 500 Stellen abgebaut werden. Im Heimatland von Thomas Cook seien die Margen "nicht zufriedenstellend", so der Vorstandschef des jeweils zur Hälfte Lufthansa und Karstadt Quelle gehörenen Konzerns. Die Gehaltskürzungen für die englische Belegschaft (3 bis 10 %) spürt auch Pichler, der Chairman von Thomas Cook UK ist. Sein Gehalt wird um 20 % gekürzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%