Preussag will sich nicht engagieren
LTU in Turbulenzen

Deutschlands zweitgrößter Ferienflieger LTU befindet sich nach den Worten eines Sprechers in finanziellen Turbulenzen. "Die Finanzlage ist angespannt. Das heißt aber nicht, dass es in den nächsten Tagen zu einem Stillstand kommt", sagte LTU-Sprecher Marco Dadomo am Montag. Einen Bericht, wonach die Zahlungsfähigkeit der Fluglinie noch bis Mitte November reiche, wollte Dadomo nicht kommentieren.

rtr DÜSSELDORF. Branchenkreise geben nach der klaren Absage von Rewe-Chef Hans Reischl für eine rettende Finanzspritze inzwischen der LTU nur noch geringe Überlebenschancen. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) hatte unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet, die Lage sei dramatisch, die Zahlungsfähigkeit der LTU reiche noch bis Mitte November.

Aus Kreisen der Landesregierung hieß es, für Freitag sei zur Klärung der Finanzlage bei der LTU ein Spitzengespräch zwischen Banken und dem Land Nordrhein-Westfalen geplant. Bis Mittwoch sollen nach Angaben des LTU-Sprechers die Gespräche mit den Gewerkschaften über einen Sanierungstarifvertrag für die 2 300 Mitarbeiter abgeschlossen sein. Dem Konzept zufolge sollen die Mitarbeiter Einbußen beim Gehalt zwischen 5 und 10 % zustimmen, damit die LTU allein beim Personal 50 Mill. DM sparen kann. Vergangene Woche hatte die LTU beim Land die Unterlagen für eine Bürgschaft in Höhe zwischen 200 und 300 Mill. DM eingereicht. Öffentliche Bürgschaften müssen in der Regel von der EU-Kommission genehmigt werden, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.

Die Lage der LTU spitzt sich dem Zeitungsbericht zufolge zu, weil die Rewe, mit 40 % zweitgrößte Anteilseigner der Gesellschaft, keine zusätzliche Hilfe in Aussicht stellt. Die "FTD" zitierte den Rewe-Chef und LTU-Aufsichtsratsvorsitzenden Reischl mit den Worten: "Rewe hat sich nicht über das bisherige Maß beteiligt und wird dies auch nicht tun." 49,9 % der LTU-Anteile hält die unter Nachlassverwaltung stehende Swissair. Der Rest liegt bei der Kölner Investorengruppe CLK.

Der LTU-Sprecher bestätigte Aussagen von Rewe-Chef Reischl, wonach mit dem Reiseveranstalter TUI über einen Ausbau des Fluggeschäfts auf der Mittelstrecke geführt würden. Bisher ist die LTU für die TUI der Hauptkunde auf der Langstrecke. Bei Europas größtem Reiseveranstalter TUI hieß es dagegen, es gebe keine Pläne für eine engere Kooperation mit der Düsseldorfer Gesellschaft. "Wir haben der LTU lediglich versichert, dass wir ein großes Interesse an ihrem Fortbestand haben und deshalb auch weiterhin auf Fernstrecken mit ihr fliegen wollen", sagte TUI-Sprecher Mario Köpers in Hannover. "Pläne für einen Ausbau der Kooperation kann ich nicht bestätigen. Es ist nicht geplant, mit der LTU zusätzliche Mittelstreckenflüge zu vereinbaren."

Veranstalter haben schon vorgesorgt

Branchenkreise setzen offenbar nicht mehr auf ein Fortbestehen der LTU. "Es sieht nicht gut aus. Natürlich haben wir schon vorgesorgt", hieß es bei einem Veranstalter, der Fernreisen bislang über die LTU abwickelt. "Es wäre für den Wettbewerb nachteilig, künftig vor allem auf Condor angewiesen zu sein. Dennoch gibt es derzeit auf dem Markt wohl genügend Kapazitäten auch ohne die LTU-Maschinen", sagte ein Manager.

Dies zeige auch die klare Absage aus Hannover seitens des größten Reiseveranstalters TUI, sich stärker bei LTU zu engagieren, obwohl bisher zwei Drittel der Fernflüge der TUI über den Düsseldorfer Carrier abgewickelt würden. "TUI wird ohne LTU allerdings zumindest vorübergehend alle Fernflüge beim Konkurrenten Thomas Cook und dessen Ferienflieger Condor buchen müssen", sagte ein anderer Branchenkenner. Die Preussag-eigene Fluggesellschaft Hapag Lloyd fliegt seit Jahresbeginn keine Langstrecken mehr. Der Chef der TUI-Mutter Preussag, Michael Frenzel, hatte zuletzt öffentlich erklärt, es gebe ein großes Interesse am Fortbestand von LTU, ein finanzielles Engagement aber ausgeschlossen.

In der Reisebranche wird zudem über die Zukunft der noch jungen Rewe-Touristik gesprochen. Der Handelskonzern habe bei seiner Übernahme der defizitären LTU-Touristik (Tjaereborg, Jahn Reisen) von Beginn an wenig Interesse an der gleichnamigen Fluggesellschaft gehabt. Es stelle sich erneut die Frage, ob Rewe-Chef Reischl seine Investitionen in die Touristiksparte am Ende nicht doch vor allem als "Steuerabschreibungsmodell" konzipiert habe.

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