Pricewaterhouse Coopers am aufmerksamsten
Wirtschaftsprüfer übersehen jede zweite Pleite

Die "Big Five" der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WP) haben in ihren Jobs teilweise kläglich versagt: Bei knapp der Hälfte ihrer Unternehmenskunden, die seit Anfang 2001 Gläubigerschutz beantragen mussten, übersahen die Prüfer finanzielle Schwierigkeiten, statt eine Warnung abzugeben und die so genannte Red Flag (rote Flagge) zu hissen.

bba/wsj PALM BEACH GARDENS/DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Weiss Ratings Inc., einer US-Gesellschaft für Fondsresearch und Fondsbewertungen aus Palm Beach Gardens, Florida.

Die Bilanz ist alarmierend: 42 % der 228 börsennotierten Unternehmen, die seit dem 1. Januar 2001 Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt hatten, bescheinigten die WP-Gesellschaften zuvor eine intakte Finanzstruktur. Den Großteil ihrer Prüfungsberichte, so die Studie, hatten sie zwischen neun und 12 Monate vor Beantragung des Gläubigerschutzes angefertigt.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG LLP schloss bei der Studie am schlechtesten ab. Bei 16 der von ihr geprüften 28 Unternehmen, die später Gläubigerschutz beantragten, gab sie keinen Warnschuss in Form der so genannten "Going-concern Warnings" ab. Als erfolgsreichste Gesellschaft ging Pricewaterhouse Coopers LLP aus der Studie hervor: Sie wies bei 24 von 38 untersuchten Unternehmen darauf hin, dass das Unternehmen künftig in finanzielle Schwierigkeiten kommen könnte. Deloitte & Touche, die zweitgrößte Gesellschaft, rangiert in der Studie zusammen mit Arthur Andersen und einer Fehlerquote von 44 % auf Platz drei. Zweitbeste Gesellschaft war mit 35 % Ernst & Young.

Dass Wirtschaftsprüfer an den Jahresabschlüssen meist erst dann etwas korrigieren, wenn den Unternehmen das Wasser schon bis zum Hals steht, liegt nach Ansicht von Douglas Carmichael, Professor für Rechnungslegung am Baruch College in New York, an der engen Beziehung zwischen den Auftraggebern und ihren Prüfern. "Je wichtiger der Kunde, desto mehr Druck kann er auf die WP-Gesellschaft ausüben", bringt es Carmichael auf den Punkt.

Genau diese Abhängigkeit ist derzeit das Thema von Anhörungen im US-Kongress. Die Abgeordneten wollen Lösungen erarbeiten, wie die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern in Zukunft strenger kontrolliert und überwacht werden kann.

In Deutschland waren solche Studien zur Performance von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wegen gesetzlicher Regelungen bislang nicht möglich. Dies hat sich seit einiger Zeit geändert, erklärt Gerhard Gross vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in Düsseldorf: "Seit 1999 müssen WP-Gesellschaften nicht mehr nur im Prüfungsbericht, sondern auch im so genannten Bestätigungsvermerk auf Risiken gesondert hinweisen, die den Fortbestand des geprüften Unternehmens gefährden könnten. Das ist die Red Flag-Funktion der WP-Gesellschaften."

Der Bestätigungsvermerk wird mit dem geprüften Abschluss veröffentlicht. Das heißt: Bald könnte auch bei deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften untersucht werden, ob sie den Hinweis auf die Bestandsgefährdung rechtzeitig gegeben haben, die Red Flag also früh genug gehisst haben.

Quelle: Handelsblatt

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