Pricewaterhouse Coopers deckt weitere Bilanzfehler auf
Ahold-Tochter schönte Gewinn um 880 Millionen

Die bilanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Ahold-Tochter U.S. Foodservice sind umfangreicher als bisher berichtet. Wie die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) nach Abschluss ihrer Untersuchung feststellten, hat die amerikanische Großhandelstochter ihren Gewinn vor Steuern vom 1. April 2000, dem Zeitpunkt der Übernahme durch Ahold, bis zum 28. Dezember 2002 um 880 Mill. $ zu hoch ausgewiesen. Bisherige Schätzungen gingen von 500 Mill. $ aus. Das teilte Ahold am Donnerstag mit.

lü/rv DÜSSELDORF. "Das ist mehr als ich erwartet habe", kommentierte Jurgen Veenker, Analyst von Fortis Investment Research in Amsterdam, die Zahlen. Er zeigt sich gleichzeitig erleichtert darüber, dass nun endgültig feststehe, wie hoch die Fehlbuchungen seien und dass die Unregelmäßigkeiten auf zwei Foodservice-Manager beschränkt werden könnten (Handelsblatt vom 8.5.2003): "Das ist eine sehr wichtige Information für den Markt." Veenker sieht für Ahold damit die Wende zum Besseren erreicht, auch wenn der Fortis-Analyst nicht ausschließen will, dass die PwC-Prüfer noch den einen oder anderen kleineren Fehler zutage fördern könnten.

Im einzelnen setzte Foodservice den Vorsteuergewinn im Jahr 2000 um 110 Mill. $ zu hoch an, 2001 war der Betrag um 260 Mill. $ und 2002 um 510 Mill. $ überhöht. Zum Vergleich: Der Ahold-Konzern wies für 2000 ein Vorsteuerergebnis von insgesamt 1,34 Mrd. $ und für 2001 von 1,48 Mrd. $ aus.

Der Abschluss der PwC-Untersuchung ist ein erster Schritt für Ahold, bis zum 30. Juni eine testierte Bilanz für 2002 vorzulegen. Dies wiederum ist Voraussetzung dafür, dass die Banken dem angeschlagenen Handelskonzern (Umsatz 2001: 58,8 Mrd. $) eine neue Kreditlinie im Volumen von rund 3,5 Mrd. $ einräumen. Ahold zeigte sich zuversichtlich, alle noch ausstehenden Buchprüfungen bis zum 30. Juni abzuschließen und die Bilanz für 2002 fristgerecht vorzulegen.

Durch den Skandal ist auch der Wirtschaftsprüfer von Ahold, Deloitte Touche Tohmatsu, ins Gerede gekommen. Experten fragen sich, wie die Kontrolleure Falschbuchungen in dreistelliger Millionenhöhe übersehen konnten. Ein Deloitte- Sprecher wies darauf hin, dass man die Unregelmäßigkeiten selbst aufgedeckt habe. Für Volker H. Peemöller vom Lehrstuhl für Prüfungswesen der Universität Erlangen- Nürnberg ist es dennoch unverständlich, dass die Prüfer bei Beträgen in dieser Größenordnung nicht früher "mit Testatsverweigerung oder sogar dem Gang zum Staatsanwalt" reagiert haben. Die Prüfer, so Peemöller, würden sich sich nur zu gerne hinter ihrer Schweigepflicht verschanzen.

Zusätzlich zur Untersuchung bei Foodservice würden auch noch andere Konzern-Töchter überprüft, teilte Ahold mit. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Prüfungen bei Töchtern wie Albert Heijn, Stop & Shop, Santa Isabel in Chile und ICA Ahold haben indessen keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten ergeben.

Quelle: Handelsblatt

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