Primacom-Aktionäre fürchten um Wert ihrer Investitionen
Fusion von Primacom und UPC gefährdet

Die Kabelpläne des US-Medienkonzerns Liberty Media in Deutschland gefährden die geplante Fusion der Kabelnetzbetreiber UPC NV, Amsterdam, und Primacom AG, Mainz. Der Fusion sollen am kommenden Dienstag auf einer Hauptversammlung die Primacom-Aktionäre zustimmen.

HB BERLIN. Nach Handelsblatt-Informationen ist dies jedoch keineswegs sicher. "Wir wissen nicht, ob wir dem jetzt noch zustimmen können", sagte ein Großaktionär. In den vergangenen Wochen sei durch den bevorstehenden Einstieg von Liberty in Deutschland eine "schwierige Situation" entstanden. Wegen der Unsicherheiten gibt es nach Angaben aus Unternehmenskreisen bereits Überlegungen, die Fusion zu verschieben.

Liberty verhandelt seit Februar mit der Deutschen Telekom AG über den Kauf von sechs Kabel-Regionalgesellschaften für 5 Mrd. $. Dieses Netz reicht allerdings nur zu einem kleinen Teil bis in die Haushalte: Die Hausverteilanlagen werden zumeist von kleineren Anbietern, wie Primacom, UPC, Bosch oder Telecolumbus betrieben.

Liberty-Chef Dob Bennett hatte vor zwei Monaten im Handelsblatt angekündigt, dass sein Unternehmen die Kabelnetze in Deutschland nicht zu breitbandigen Internet- und Telefonnetzen aufrüsten wolle. Seither fürchten einige Primacom-Aktionäre um den Wert ihrer Investitionen. Großaktionäre der am Neuen Markt notierten Primacom sind UPC (25,1 %), Wolfgang Preuss (16,1 %), Gartmore Investments (5,5 %) und Morgan Stanley (5,2 %). UPC wiederum wird von Liberty kontrolliert.

Bei der Fusion mit Primacom soll UPC Deutschland ihre Tochter EWT/TSS mit 645 000 Haushalten in die Primacom (1,6 Mill. Haushalte) einbringen. Dafür kann UPC ihren Anteil an der New Primacom auf eine 51 %-Mehrheit aufstocken, Liberty wäre dann indirekt mit 25 % beteiligt. In einem zweiten Schritt soll UPC zusätzlich 472 000 Kabelhaushalte einbringen, die sie aus dem Bestand von Telecolumbus bis zum 31. August erwerben kann.

Diese Option wird UPC bei einem Scheitern der Fusion mit Primacom wohl nicht ausüben, heißt es im Umfeld von UPC. Die Primacom-Kabelnetze liegen ebenso wie die von UPC in den Regionen Berlin/Brandenburg, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen und Rheinland-Pfalz. Primacom-Chef Paul Thomason äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt überzeugt, dass die Aktionäre der Fusion zustimmen werden. Durch die Ergänzung der Netze würden beide Unternehmen erhebliche Kosten sparen und sich bessere Finanzierungsmöglichkeiten erschließen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
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