Prinz trainiert in Jeans mit
Saudis überraschen mit neuer Offenheit

In Badeschlappen schlendern die Spieler zwischen Stewardessen und Geschäftsleuten durch das Nobel-Hotel Hilton. Interview mit dem Mannschaftskapitän? Kein Problem.

dpa TOKIO. Beim Team von Saudi-Arabien ist alles ein bisschen anders. Statt in einem von der Öffentlichkeit abgeschirmten Camp wie die deutsche Mannschaft logieren die Saudis mitten in der Millionen- Metropole Tokio. In Badeschlappen schlendern die Spieler zwischen asiatischen Stewardessen und europäischen Geschäftsleuten durchs piekfeine Nobel-Hotel Hilton. Ein Interview mit dem Mannschaftskapitän? Kein Problem. Ein Gespräch mit einem der drei anwesenden Prinzen aus der Familie von König Fahd? Ebenfalls kein Problem.

Die Saudis präsentieren sich überraschend locker und ungewohnt offen. Aufgeregte Hektik und großer Medien-Rummel scheint ihnen ohnehin fremd. Eine offizielle Pressekonferenz, wie es sie bei Auftaktgegner Deutschland jeden Tag gibt, kennen die Saudis (noch) nicht. Stattdessen nimmt sich Prinz Turki bin Chalid, der Delegationsleiter der saudischen WM-Mannschaft, auch kurzfristig gerne Zeit. Und Kapitän Sami Al-Jaber kommt kurz danach ebenfalls zu einem Plausch vorbei. Ob Gerhard Mayer-Vorfelder und Oliver Kahn gegenüber saudischen Journalisten auch so zuvorkommend und locker wären? In Jeans und Freizeithemd lädt der Prinz zum Kaffee und plaudert über das erste Spiel am Samstag in Sapporo gegen die deutsche Auswahl, über Spieler-Transfers und die Qualität der Mannschaft. "Wenn wir gegen die Deutschen gewinnen wollen, müssen wir ein 8-1-1- System spielen", scherzt der Prinz. Um anschließend voller Selbstvertrauen über die Stärke und den "eigenen Stil" seines Teams zu reden.

Der Stil der Saudis ist, nicht nur was das Spiel betrifft, tatsächlich eigen und ganz anders als bei allen übrigen Teams. Es geht familiär zu, und das auch im wörtlichen Sinne. Gleich drei Mitglieder der königlichen Familie, deren Einfluss auf den saudischen Fußball nicht zu übersehen ist, begleiten die Mannschaft bei ihrer dritten WM-Teilnahme. Und wenn einer aus dem königlichen Trio ein bisschen mit dem WM-Team spielen will, ist das für Trainer Nasser Al- Johar natürlich kein Problem.

Am Sonntag konnten sich rund 10 000 japanischen Fans davon überzeugen. Prinz Nawaf bin Faisal kam bei strömendem Regen in Jeans auf den Platz, streifte sich ein gelbes Leibchen über und kickte beim Spiel zum Trainingsabschluss zwanzig Minuten mit - so lange bis dem Vizepräsidenten des Fußball-Verbandes die Puste ausging. Die saudischen Medienvertreter waren angesichts des königlichen Gastspiels in heller Aufregung und zückten ihre Privatkameras für ein Erinnerungsfoto. Ansonsten geht es bei den saudischen Medien eher gemächlich zu. Schließlich sind es gerade einmal zwei Journalisten, die derzeit das Team begleiten - während es bei der deutschen Mannschaft mehr als 100 sind.

Allerdings hat sich die Arbeit des Medien-Duos durch die neue Offenheit der Saudis verändert. Denn neuerdings dürfen die Spieler aus dem Königreich ins Ausland wechseln, und plötzlich muss über mögliche Transfers berichtet werden. Erster Ansprechpartner bei einem Wechsel ins Ausland ist, was wenig verwundert, natürlich einer der Prinzen.

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