Privatanleger bezahlen Fondsberatung oft grundlos
Fondsanleger stecken in der Gebührenfalle

Wer viel Geld anlegen kann, zahlt weniger Gebühren als ein kleinerer Investor. Vermögende Private sollten ihre Verhandlungsmacht zur Senkung der Renditebelastung nutzen. Getreu der Devise: Gebühren vergleichen und verhandeln. Denn gerade bei trübem Aktienklima schlagen diese Belastungen stark zu Buche.

FRANKFURT/M. "Die Privatanleger werden gleich doppelt abgezockt: über die Ausgabeaufschläge und die Managementgebühren", schimpft ein hochrangiger Vertreter der deutschen Fondsbranche. Ihn ärgert, dass auch bei jenen Anlegern abkassiert wird, die ohne Beratung Produkte kaufen, aber dennoch für Beratung zahlen - nämlich über die einmalige Kaufgebühr und über immer höhere Teile der jährlichen Managementgebühr. Letztere ist eigentlich als Entgeld für die Leistung des Fondsmanagements gedacht.

Diesen Gebühren können sich Anleger - wenn überhaupt - nur teilweise entziehen. Ein Weg ist, auf preiswerte Anbieter wie Direktbanken auszuweichen, der andere, mit dem Fondsberater hart über die Konditionen zu verhandeln. Mit dem Vierten Finanzmarktförderungsgesetz werden in Deutschland so genannte Fondsanteilklassen eingeführt. Das entlastet zumindest vermögende Private, denn bei hohen Anlagesummen sinkt die jährliche Gebühr.

Die institutionellen Großanleger (Spezialfonds) kommen bei den wichtigen Kostenposten besser weg. Sie zahlen keine Ausgabeaufschläge, zudem sind die laufenden Gebühren gering. Als Daumenregel gilt etwa für europäische Aktienfonds: Privatanleger (Publikumsfonds) zahlen 5 % Ausgabeaufschlag und eine jährliche Managementgebühr von 1 %, Institutionelle werden dagegen im Schnitt nur mit 0,15 % Managementgebühr pro Jahr belastet.

Bei anhaltend trübem Börsenklima schlagen diese Gebührenunterschiede - relativ gesehen - noch stärker zu Buche als in guten Zeiten. Ein Rechenbeispiel: Nach zehn Jahren kommt der Institutionelle mit einem Anfangsinvestment von 10 000 Euro und 4 % Aktienperformance pro Jahr auf 14 590 Euro, der private Anleger dagegen nur auf 12 767 Euro.

Unterschiede nachvollziehbar

Teilweise ist die unterschiedliche Gebührenbehandlung nachvollziehbar. Bei den Publikumsfonds geht der Ausgabeaufschlag und ein Teil der höheren Managementgebühr als Entlohnung für die Beratungsleistung an den Vertrieb. Ein Spezialfonds wird dagegen nur für einen einzelnen institutionellen Kunden aufgelegt. "Da gibt es keinen Vertrieb, der entlohnt werden müsste", sagt Pia Frei, Chefin der Fondsresearchfirma IMA Institut für Marktbeobachtung. "Außerdem müssen Publikumsfonds im Gegensatz zu Spezialfonds wegen der Mittelzuflüsse und-abflüsse regelmäßig handeln. Das ist höherer Aufwand", ergänzt Friedrich Pfeffer, Geschäftsführer der Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig.

Experten sehen kaum eine grundsätzliche Bevorzugung der Großanleger. "Aufgeklärte Anleger, die auf Beratung verzichten, kaufen bei einer Direktbank zu geringeren Aufschlägen bzw. ganz ohne Kaufgebühr", argumentiert Frei. Den höheren laufenden Fondsgebühren ist der Anleger dagegen ausgeliefert, weil diese Gelder vom Fondsvermögen abgezogen werden und damit die Rendite aller Anteilbesitzer schmälern. Frei: "Das ist eine Art Solidaritätszuschlag für alle jene, die Beratung in Anspruch nehmen."

Auch wenn man den vertriebsbedingten Anteil gedanklich von der Managementgebühr abzieht, bleibt es bei der Besserstellung der Institutionellen, ist dieser Kostenposten bei den Publikumsfonds höher. Peter Schwicht, Chef des Deutschland-Geschäftes der Investmentgesellschaft JP Morgan Fleming Asset Management, deutet an, warum das so ist: "Es ist sicher schwer für eine Fondsgesellschaft, im Falle eines europäischen Aktien-Spezialfonds mit durchschnittlich 0,15 % laufender Gebühr auf ihre Kosten zu kommen".

Frage der Verhandlungsmacht

Letztlich sind die Kaufkonditionen eine Frage der Verhandlungsmacht des Kunden, sprich der Anlagesumme. Je nach Höhe der Beiträge können Anleger im Gespräch mit dem Bankberater geringere Aufschläge aushandeln. "Ein vermögender Privater sollte im Private-Banking-Bereich sicher in der Lage sein, etwas günstigere Konditionen herauszuholen", sagt Schwicht. Aber: "Bei geringem Betrag und wenig zusätzlichem Geschäftspotenzial dürfte kein Berater bereit sein, bei den Konditionen Zugeständnisse zu machen."

In Zukunft dürfte auch die Zulassung von Fonds mit unterschiedlicher Gebührengestaltung die vermögenden Privaten besser stellen. Über Luxemburg werden bereits Produkte mit verschiedenen Anteilklassen offeriert. So bietet beispielsweise Morgan Stanley drei Aktienfonds für europäische Standardwerte an. Deutsche Privatanleger können sie ab 5 000 Einstiegssumme mit 1,25 % Managementgebühr jährlich erwerben. Ab 2,5 Mill. zahlen sie nur noch 0,75 %.

Auch Fonds deutschen Rechts können mit dem Vierten Finanzmarktförderungsgesetzes die Luxemburger Gestaltungsmöglichkeiten nutzen. "Es wird vielleicht schon im Juli in Kraft treten, das nützt dem Anleger", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbandes BVI.

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