Privatanleger fahren mit der Strategie Kaufen und Halten am Besten
Kurse von Unternehmensanleihen schwanken – na und?

Nicht nur mit ihren Prognosen für den Aktienmarkt haben Experten in diesem Jahr erneut falsch gelegen. Wir erinnern uns "2002 wird das Jahr der Aktie". Auch die Entwicklungen am Rentenmarkt haben Strategen nicht richtig vorausgesehen.

FRANKFURT/M. "2002 sollten Unternehmensanleihen besser abschneiden als Staatsanleihen", hieß es. Besonders auf Telekomanleihen hielten die Banken zum Jahresanfang große Stücke: Schuldenabbau, bessere Konjunktur - alles gute Voraussetzungen für die Entwicklung der Bonds. Doch es kam bekanntlich anders: Statt Konjunkturerholung gab es Rekordpleiten, Bilanzskandale und die Angst vor einem Krieg der USA gegen den Irak. Darunter litten nicht nur die Kurse der Aktien, sondern auch die Anleihen der Unternehmen. Da gleichzeitig Staatsanleihen von der Unsicherheit profitierten, stiegen die Renditeabstände zwischen Unternehmens- und Staatsbonds kräftig.

Doch während Aktienanleger sich schwarz ärgern und befürchten müssen, einen großen Teil ihres Geldes für immer verloren zu haben, können sich Anleihebesitzer entspannt zurücklehnen. Zumindest dann, wenn sie die Bonds fürs private Depot gekauft haben. Schwankende Bondkurse sind nur für institutionelle Anleger, die auf Kursgewinne setzen, relevant.

Privatanleger, die nach der Strategie Kaufen und Halten bis zur Endfälligkeit verfahren, brauchen sich in der Regel keine grauen Haare wachsen zu lassen - es sei denn sie haben in hochriskante Bonds investiert. Wer Anleihen von Unternehmen oder Staaten guter Bonität gekauft hat, kann dagegen darauf setzen, dass er sein Geld verzinst zurückbekommt. Wer zum Beispiel Anfang Januar eine im Sommer 2006 fällige Anleihe der Deutschen Telekom mit einem Zinsschein von 6,375 % zum Kurs von 102,52 % gekauft hat, sicherte sich damit eine Rendite von knapp 5,7 % jährlich. Ein halbes Jahr später war die Anleihe zum Kurs von 94,31 % und damit einer Rendite von gut 8 % zu haben. Aber zwei Prozentpunkte Renditeunterschied sind - zumindest bei kleineren Anlagesummen - nicht die Welt. Inzwischen notiert der Bond wieder bei 101 %.

Anlageberater der Banken empfehlen indes gerne eine "aktive Verwaltung des Rentendepots" und entsprechende Umschichtungen. Das müssen sie auch, denn an Privatanlegern, die nur alle Jubeljahre ein festverzinsliches Wertpapier kaufen, verdienen die Banken wenig. Immerhin sind beim Kauf einer Anleihe in der Regel Gebühren von 0,5 % des Kurswertes fällig.

Verkaufen sollten Privatanleger Anleihen nur, wenn sich eine deutliche Bonitätsverschlechterung des Schuldners abzeichnet. Dann müssen auch sie gravierende Kursverluste hinnehmen. Bei Unternehmen mit Bonitätseinstufungen innerhalb der Investitionsklasse ist das Ausfallrisiko aber zumindest auf kurze Sicht gering. Im Gegenteil: Anleiheexperten sind sich schon wieder weitgehend einig: 2003 sollten Telekomanleihen besser abschneiden als andere Unternehmensanleihen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%