Privatanleger können Risiken verringern
Geringeres Wechselkursrisiko durch Streuung

Ginge es allein nach dem Blick in den Kursteil, fiele die Entscheidung leicht: Anleihen in ausländischen Währungen versprechen oft höhere Renditen als in Euro ausgegebene Bonds. Bei fünfjährigen Staatsanleihen lassen Renditen von 9,3 % für ein polnisches Papier in Zloty, 7,4 % für ein ungarisches Papier in Forint oder gar 12,5 % für einen südafrikanische Anleihe in Rand die deutsche Bundesobligation mit einer Rendite von 4,9 % blass aussehen.

DÜSSELDORF. Der Haken: Das Risiko ist bei diesen Anleihen höher als bei sicher eingestuften deutschen Papieren. Traumhafte Renditen werden rasch zum Alptraum, wenn ausländische Währungen im Vergleich zum Euro verlieren. Stefan Kolek, Rentenanalyst von der Hypo-Vereinsbank befürchtet, dass etwa der Aufwertungsdruck auf den polnischen Zloty gegenüber dem Euro nachlassen könnte. Ist eine Anleihe gerade dann fällig, wenn die Währung gegenüber dem Euro an Wert verloren hat, ist ein Teil der Rendite dahin.

Doch Anleger können sich vor dem Wechselkursrisiko schützen. Sie sollten spätestens drei Wochen vor Fälligkeit des Bonds die Währung unter die Lupe nehmen. Brauchen sie das Geld nicht dringend zurück, können sie darauf verzichten, sich die Anleihe in Euro auszahlen zu lassen. Statt dessen bleiben sie in der fremden Währung - und hoffen auf höhere Wechselkurse zu einem späteren Zeitpunkt.

"Kunden können der Bank spätestens zwei Wochen vor der Fälligkeit sagen, dass sie entweder ein Fremdwährungskonto einrichten möchten oder das Geld direkt in ein neues Papier anlegen wollen", erklärt Janis Hübner, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Wegen der hohen Liquidität in Polen oder Ungarn sei es kein Problem, dort neue Anleihen zu kaufen. Damit es gar nicht so weit kommt, können Anleger von Beginn an die Laufzeit der Bonds variieren. Bac van Luu von der Landesbank Baden-Württemberg rät zu längeren Fristen.

Ein Beispiel: eine Anleihe in Deutschland mit einer zugesagten Rendite von 4 % wird mit einem Bond in Zloty, der 9,5 % bietet verglichen; die Laufzeit ist ein Jahr. Der Zloty dürfe um höchstens 5 % abgewertet werden, damit beide Anleihen die selbe Rendite brächten, rechnet der Rentenexperte vor. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren könne ein polnisches Papier eine Währungs-Abwertung von 18 % kompensieren. "Man hat bei dem länger laufenden Papier also zwei Vorteile: Lässt man es auslaufen, bis es fällig ist, kann man stärkere Abwertungen der Währung verkraften", sagt van Luu. Zudem habe der Anleger länger Zeit, um sich einen günstigen Zeitpunkt zum Abspringen auszusuchen.

Das Wechselkursrisiko lässt sich zudem durch eine Streuung der Anleihen minimieren. Experten raten Anlegern ohnehin dazu, ihr Anleihenportfolio zu diversifizieren. Das gilt auch für den Anteil der Anleihen, die in fremden Währungen gehalten werden. "Es macht Sinn, die Investition auf mehrere Länder Osteuropas zu streuen", sagt van Luu. Der Grund: Sie befinden sich teilweise in unterschiedlichen Konjunkturzyklen. Im Jahr 2001 lag das Wirtschaftswachstum nach Schätzungen in Polen gerade einmal bei 1,1 %. Zusammen mit dem hohen Budgetdefizit könnte das für die Währung gefährlich werden.

Ungarn, in dem die Wirtschaft im vergangenen Jahr mit geschätzten 3,9 % gewachsen ist, sehen Experten stabiler. Eine Alternative sind momentan auch Anleihen in slowakischer Währung. "Sie sollte durch erhöhte Privatisierungszuflüsse gestützt werden", sagt Janis Hübner. Der slowakische Markt sei jedoch nicht sehr liquide. Ein Engagement in ausländischen Währungen über Termingeschäfte abzusichern, ist laut Janis Hübner technisch ab 10 000 Euro möglich. "Allerdings wird die Renditedifferenz mit Sicht auf die Fälligkeit durch die Absicherung aufgezehrt."

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