Privatbank erwartet Rekordergebnis – Geldhaus eröffnet vier weitere Dependancen
Sal. Oppenheim orientiert sich neu

KÖLN. Sal. Oppenheim expandiert. Bis Mitte kommenden Jahres will die nach eigenen Angaben größte Privatbank Europas neben ihren zwölf bestehenden Dependancen vier neue in Berlin, Stuttgart, Wien und Genf eröffnen. Die Ausweitung wertet das Haus als Erfolgsbeleg für sein "neues Geschäftsmodell". Dabei sieht sich das Institut mit seiner Verknüpfung von Vermögensverwaltung und Investmentbank als Privatbank in Deutschland in einer "Sonderolle". Dies sagte der persönlich haftenden Gesellschafter Johannes Maret in einem Handelsblatt- Gespräch. Damit sei Sal. Oppenheim jr. & Cie. zwischen Privatbank-Konkurrenten einerseits sowie großen Investment- und Geschäftsbanken andererseits gut positioniert.

Geschäftsfokus auf Aktiengeschäft verengt

Andere Privatbanken wie Fink, Metzler oder Hauck & Aufhäuser seien mittlerweile "fast reine Vermögensverwalter", erläutert Maret. Diesen Weg hat Oppenheim nicht beschritten. "Wir glauben, dass eine Bank als Vermögensverwalter auf Dauer nur erfolgreich agieren kann, wenn sie in ihrer Investmentbank ständig neue rentable Investitionsmöglichkeiten schafft", betont Maret. Zweite Erfolgsbedingung für eine kleine Investmentbank sei eine klar fokussierte Geschäftsstrategie. Dann könne die Bank auch gegen die "überstarken Goldmänner dieser Welt" bestehen, sagt Maret.

Den Erfolg ihrer Strategie belegt die Geschäftsentwicklung der Kölner Traditionsbank. Sie kündigt für das laufende Geschäftsjahr erneut ein Rekordergebnis an. Sowohl im Konzern als auch in der Bank werde der Ertrag um 30 % über dem Vorjahresergebnis liegen. 1999 hatte das Betriebsergebnis im Konzern 97 Mill. Euro betragen, in der Bank 75 Mill. Euro; die Bilanzsumme erreichte im Konzern 8,63 Mrd. Euro. In den ersten neun Monaten 2000 ist die Eigenkapitalrendite des Geldhauses nach eigenen Angaben von 16,3 % auf 17,4 % gestiegen. Die Kosten-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) verbesserte sich weiter von 68,8 % auf 62 %.

Ihren Geschäftsfokus hat die Bank mittlerweile auf das Aktiengeschäft mit den drei Säulen Private Banking, Asset Management und Investment Banking verengt. Als Adressaten ihrer privaten Vermögensverwaltungskonzepte hat die Bank dabei die "10 000 Topkunden" in Deutschland im Visier. Im Asset- Management soll das Fondsvolumen von 21 Mrd. Euro bis 2004 auf 40 bis 50 Mrd. Euro mehr als verdoppelt werden. Im Investment-Banking will die Bank das "führende Institut für Wachstumsindustrien in Deutschland" werden.

Diese drei Wachstumsziele will Sal. Oppenheim im Alleingang erreichen. Fusionen oder Übernahmephantasien erteilt der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, Matthias Graf von Krockow, eine klare Absage. "Wir sehen in unserer Unabhängigkeit ein hohes Gut."

Vorbilder für ihr Geschäftsmodell finden die Kölner in US-Investmentbanken wie BBH. Deren Erfolgsformel beschreibt Maret mit dem Dreiklang: Fokussierung auf das Aktiengeschäft - Beschränkung auf wenige Branchen - starker Ausbau des Researchs.

Sal. Oppenheim folgt dieser Strategie: So trennte sich die Bank vom Hypothekengeschäft, reduzierte das klassische Kreditgeschäft "drastisch" und lagerte ihr back office aus. Der Rentenhandel wurde eingestellt. Parallel dazu baute das Institut den Aktienhandel stark aus. Um sich auf einige Branchen zu konzentrieren, reduzierte die Privatbank die Zahl der betreuten Branchen von 16 auf fünf: Time (Telecom, IT, Media, E-Conomy), Life Science/Health Care, High Tech, Financial Institutions and Utilities.

Abgeschlossen hat die Bank Mitte Oktober die Auslagerung ihrer Derivate- und Wertpapierabwicklung in die European Transaction Bank AG (e.t.b.), eine Deutsche-Bank- Tochter. Das senke auf zweifache Weise die Kosten, erklärt Maret. Zum einen, weil fixe durch variable Kosten ersetzt wurden. Zum anderen entfielen die Investitionskosten für den ansonsten erforderlichen Ausbau eigener Kapazitäten. Außerdem profitiere die Bank auch künfig von der "Kostendegression eines Massenanbieters", erklärt er.

Qualitätsauslese unter Emissionbanken erwartet

Eine zentrale Rolle in der Geschäftsstrategie der 1789 gegründeten Bank spielt der Neue Markt. "Wir waren früh dabei und haben uns dort eine gute Plattform geschaffen", sagt Maret. Langfristig erwartet der Investmentbanker eine Aufwärtsentwicklung, trotz der anhaltenden Korrekturphase an dem Wachstumsmarkt. Die derzeitige Qualitätsauslese treffe allerdings nicht nur die Neuen-Markt-Unternehmen, sondern auch deren Emissionsbanken. Sal. Oppenheim habe im ersten Halbjahr "willentlich Marktanteile verloren", betont Maret, "weil wir einige Emissionen abgesagt haben". Auslöser dafür seien Meinungsunterschiede in Bewertungsfragen gewesen.

Insgesamt war das Geldhaus im laufenden Jahr bisher an 22 Börsengängen beteiligt, davon fünf Mal als Konsortialführer. Gleichzeitig emittierte das Institut bis Mitte Oktober 759 Optionsscheine, Aktienanleihen oder Zertifikate.

Von ihrer Tätigkeit als Emissionsbank profitiert die Bank auch im Privat-Banking-Bereich. Von den rund 1 000 Leuten die hinter den rund 300 Neue-Markt-Unternehmen ständen, sei jeder fünfte Privatkunde bei Sal. Oppenheim, heißt es.



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