Private Altersvorsorge
Versicherer verunsichern Verbraucher

Das Pflänzchen "staatlich geförderte Altersvorsorge" droht zu verdorren, bevor es sprießen kann. Ein Grund ist die Kritik der Finanzdienstleister - allen voran der Versicherer - an der Riester-Reform. Kritisieren sie weiter das Reformwerk, werden sie noch mehr Verbraucher verprellen.

Von denen sind viele ohnehin total verunsichert. Schon jetzt wollen drei von vier Verbrauchern vorerst auf den Kauf einer privaten Riester-Police verzichten.

Und nun droht alles noch schlimmer zu werden. Denn wer kauft schon ein Produkt, von dem selbst die Anbieter sagen, es sei schlecht? Zwar sind viele Argumente der Finanzdienstleister in der Debatte zutreffend. Unbestritten ist, dass die Regeln für die privaten Riester-Renten ein bürokratisches Monstrum geworden sind. Ursache ist der Wahn, ein absolut gerechtes Fördersystem schaffen zu wollen. Doch nun versteht kaum jemand, wer wie viel Fördergelder vom Staat bekommt. Selbst die meisten Finanzberater sind überfordert und verkaufen lieber andere Anlageprodukte.

Keine Frage, der Gesetzgeber hat sich während der ewig langen Beratungen zum Riester-Gesetz über die Bedenken von Experten hinweggesetzt, die vor einer Überfrachtung des Förderprocederes warnten. Letztlich zeigten sich Versicherer, Fonds und Banken dann doch mit dem Reformwerk zufrieden, schließlich versprach es den Einstieg von Millionen Bundesbürgern in die private Altersvorsorge. Dabei witterten die Anbieter von Finanzprodukten ein Milliardengeschäft.

Doch den Optimismus der Finanzdienstleister haben die Kunden nicht geteilt. Und dank der jetzt vom Zaun gebrochenen öffentlichen Debatte über Änderungen an den Riester-Regeln spricht einiges dafür, dass die erwartete Herbstrally vieler Versicherer bei privaten Riester-Policen ausbleiben wird. Angesichts ihrer enttäuschenden Absatzzahlen - die weit hinter ihren Prognosen zurückbleiben - werden die Versicherer langsam ungeduldig. Denn sie haben erhebliche Vorleistungen erbracht: Sie haben ihre Vertriebsleute in Sachen Riester-Rente geschult, die Verwaltungssysteme aufgerüstet - und einige Häuser steckten erhebliche Millionensummen in Werbekampagnen. Zudem sehen sich die Anbieter dem Druck ihrer Aktionäre ausgesetzt, die eine Rendite aus diesen Investments erwarten.

Frust bei den Anbietern wächst

Bislang haben aber erst ganze sechs Prozent der rund 31 Millionen Förderberechtigten eine Riester-Police abgeschlossen. Da wächst der Frust bei den Anbietern. Das ist angesichts ihrer Investitionen verständlich, aber falsch. Denn warum sollte der Markt bereits im ersten Jahr verteilt werden? Die höchste Förderstufe wird schließlich erst 2008 erreicht. Und bei dem Angebot eines neuen Produkts ist es aus Kundensicht nur verständlich, ein wenig zu warten, um sich in Ruhe ein Bild vom Markt zu machen. Denn es geht bei der Riester-Rente um eine gravierende Entscheidung mit langfristigen Auswirkungen. Daran sollten sich auch die Verantwortlichen in den Vorstandsetagen erinnern.

Falsch ist es auch, den Verbraucherorganisationen die Schuld am schleppenden Absatz der Riester-Policen zu geben. Sie müssen die Verbraucher darauf hinweisen, dass noch längst nicht alle Altersvorsorgeprodukte auf dem Markt sind und Vergleiche fehlen. Alles andere wäre unseriös.

Es fällt auf, dass in die Klagen der Finanzdienstleister nicht alle Unternehmen einstimmen. Denn eine Reihe von ihnen hat sich bewusst zurückgehalten bei dem Geschäft mit privaten Riester-Renten. Sie verfolgen zwei alternative Strategien: Entweder sie setzen auf die betriebliche Altersvorsorge, oder sie wollen erst zu einem späteren Zeitpunkt - nach möglichen Änderungen bei der Riester-Rente - an den Start gehen. Beide Strategien sind Erfolg versprechend.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge lassen sich auf Grund der Bündelung der Nachfragemacht für die Versicherten erheblich bessere Konditionen erreichen. Plausibel erscheint auch die Strategie, auf die zweite Riester-Welle zu setzen, schließlich können anders als bei herkömmlichen Lebensversicherungen die Versicherten ihr Angespartes bei einem Wechsel der Riester-Police mitnehmen. Davon dürften Unternehmen, die auf hohe Renditen und niedrige Vertriebskosten setzen, profitieren.

Wahlkampftaktik

Jetzt tönt es aus den Vorstandsetagen, dass nur Detailregelungen wie die vollkommen unpraktikable Zulagenregelung geändert werden sollen. Es darf aber keinen Entscheidungsträger wundern, wenn der semantische Unterschied zwischen "Änderung einer Detailregel" und einer "Reform" beim Publikum nicht ankommt. Den bisher gesehenen Käuferstreik wird die Branche so gewiss nicht beenden.

Die Politik hat sich in dem Feld aber auch nicht mit Ruhm bekleckert. Der Hinweis aus den Reihen der CDU, die Menschen sollten beim Abschluss von Riester-Policen warten, weil die Union nach der Wahl alles besser mache, ist billige Wahlkampftaktik. Die angestrebte Profilierung auf Kosten des politischen Gegners wird aber kaum gelingen. Was bleibt, ist stattdessen der fatale Eindruck, dass die politische Klasse als Ganzes nicht in der Lage ist, ihren Bürgern ein verlässliches Altersvorsorgesystem mit Kapital bildenden Elementen zu bieten, das über einen Wahltermin hinaus Bestand hat.

Statt öffentlich übereinander herzufallen, sollten alle Beteiligten sich jetzt schnell und vor allem diskret auf die notwendigen Reparaturen an den Durchführungsregeln einigen. Entsprechende Signale aus der Politik über eine Bereitschaft hierzu gibt es bereits. Die private Altersvorsorge ist ein viel zu wichtiges Thema, um damit Partei- oder auch Branchenprofilierung zu betreiben.

Die Finanzdienstleister sollten aufhören, durch die öffentliche Diskussion Vorbehalte der Verbraucher gegenüber der Riester-Rente zu schüren.

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