Private Auto-Nachfrage wird steigen
Der VW-Dominanz in China droht Konkurrenz

Der Volkswagen-Konzern will seine dominierende Position in China gegen die härtere Konkurrenz nach der Öffnung des Marktes verteidigen. Das betonte der künftige VW-Chef Bernd Pischetsrieder in einem Gespräch in Shanghai.

dpa-afx SCHANGHAI. Der Konzern will auch sein derzeit noch eingeschränktes Modell-Angebot deutlich ausweiten und rechnet mit einem kräftigen Anziehen vor allem der privaten Nachfrage nach der Marktöffnung im Zuge des Beitritts Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO). Ein Problem seien die hohen Produktionskosten im Land.

Der chinesische Markt werde in den Jahren 2004 bis 2006 die Marke von einer Million Fahrzeugen pro Jahr überschreiten, sagte Wolfgang Gläser, VW-Verkaufsleiter für Asien-Pazifik, am Samstag in Schanghai. Bereits für 2002 wird ein Wachstum beim Autoabsatz um ein Fünftel auf etwa 900 000 Fahrzeuge erwartet. VW beherrscht den Markt mit seinen Gemeinschaftsunternehmen Shanghai Volkswagen und First Automotive Works (FAW) im nordchinesischen Changchun mit einem Anteil von gut 50 %.

"In dem Moment, wo der Import frei möglich ist, wird die Modellpalette, die hier verkauft wird, die gleiche sein wie weltweit - entweder aus hiesiger Produktion oder aus dem Import. Das ist ja auch das, was die Chinesen wollen", sagte Pischetsrieder.

Pischetsrieder erwartet einen deutlichen Anstieg der privaten Nachfrage nach Autos in China. Derzeit seien der Staat oder staatliche Organisationen die Kunden für die Hälfte aller verkauften Autos. Von der anderen Hälfte sei ein großer Teil Taxen. "Das wird sich ziemlich ändern. WTO wird einen ähnlichen Effekt haben wie die Öffnung der Grenzen in der DDR."

WTO-Beitritt Chinas bringt mehr Wettbewerb

Der WTO-Beitritt Chinas bringe aber auch mehr Wettbewerb, räumte Pischetsrieder ein. Der italienische Fiat-Konzern will bereits von Beginn kommenden Jahres an die Produktion des Kleinwagens Palio in China starten, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Zusammen mit einem chinesischen Partner sollen zunächst 30 000 Autos im Jahr gebaut werden. Auch General Motors (GM), Ford, Honda oder Toyota setzen zunehmend auf preiswerte Familienmodelle.

Volkswagen habe in seiner Modellpolitik in China bisher keine freie Hand gehabt, betonte Pischetsrieder. So sei es nicht der freie Wunsch von VW gewesen, das alte Santana-Modell so lange zu bauen. Das habe vielmehr etwas mit den Joint-Venture-Partnern zu tun. Vor zwei Jahren habe es nur zwei Modelle des Santana und den Audi 100 in China gegeben. Heute seien es der Audi A6 und der Passat in der Langversion, die es nur in China gebe, der Bora und von April 2002 an der Polo. "Damit haben wir eigentlich in allen Klassen, die hier relevant sind, die aktuellsten Autos", betonte der künftige VW-Chef.

Hohe Materialkosten in China

Pischetsrieder beklagte die hohen Materialkosten in der China-Produktion. An dieser Stelle werde es mit Sicherheit einen Umschwung nach dem WTO-Beitritt geben. "Wir bauen ja einen Passat hier, den es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Den können Sie aber nicht einmal in ein Nachbarland exportieren, weil er viel, viel teurer ist als wenn etwas Vergleichbares aus Europa käme."

VW wolle in den kommenden Jahren etwa 2,5 Mrd. ? (4,9 Mrd. DM) in China investieren, sagte Gläser. Bei der am Sonntag beginnenden Automesse Shanghai Motor Show stellt VW den von FAW produzierten Bora vor, der je nach Ausführung zwischen 168 000 und 238 000 Yuan, umgerechnet etwa 45 000 bis 64 000 DM kostet.

Shanghai VW wird nach Unternehmensangaben im diesem Jahr 237 500 Fahrzeuge der Modelle Santana und Passat ausliefern. Bei FAW-VW habe der Absatz von Jetta und Audi bislang 130 000 Fahrzeuge erreicht. Im Vorjahr hatte VW mit insgesamt 336 000 verkauften Fahrzeugen bereits einen Absatzrekord für China erzielt. China wird kommende Woche formell WTO-Mitglied.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%