Private Baukonzerne werden in Deutschland öffentliche Gebäude verwalten
Neue Schulen gemanagt von Bilfinger Berger und Hochtief

Schulen, Krankenhäuser oder Gefängnisse - gebaut und gemanagt von privaten Baukonzernen. Was in Ländern wie Großbritannien bereits Realität ist, soll jetzt auch in Deutschland eingeführt werden.

DÜSSELDORF. Im hessischen Offenbach läuft die erste Ausschreibung eines Großprojekts im Bereich des öffentlichen Hochbaus: 100 Schulen will der Landkreis künftig von privaten Baukonzernen finanzieren und managen lassen.

Bislang fehlte in Deutschland der politische Wille zur Umsetzung solcher privatwirtschaftlicher Lösungen im öffentlichen Hochbau. Das Beharrungsvermögen der Verwaltungen war bisher immer groß. Denn bei privatfinanzierten und betriebenen Projekten müssen die Behörden schon in der Planungsphase Kompetenzen an die privaten Baukonzerne abtreten - für Bau-Bürokraten eine Palastrevolution.

Weitere Projekte im Gespräch

Das milliardenschwere Projekt hat deshalb Signalwirkung für die privatwirtschaftliche Realisierung von öffentlichen Bauten in Deutschland. Weitere Projekte sind in Nordrhein-Westfalen - beispielsweise in Monheim und im Erftkreis - im Gespräch. Bisher hat es in Deutschland hauptsächlich Mietkauf-, Leasing- und Mietprojekte gegeben. So residiert der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zur Miete in einem Düsseldorfer Bürokomplex.

Unter den Bietern für das Großprojekt in Offenbach sind vor allem große Baukonzerne, die Erfahrung im Bereich des Gebäudemanagements haben, darunter Hochtief und Bilfinger Berger. Banken, beispielsweise die Westdeutsche Immobilienbank, stehen als Finanzpartner bereit.

"Leere öffentliche Kassen machen die Behörden sinnlich"

Bernward Kulle, Mitglied der Geschäftsführung von Hochtief Development, und Detlef Knop, bei Bilfinger Berger als Direktor Sonderaufgaben zuständig für die Betreiber-Projekte, sind sich einig: Leere öffentliche Kassen machen die Behörden sinnlich. Angesichts der möglichen Einsparungen für die öffentliche Hand kann der Verzicht auf private Hochbauprojekte indessen eigentlich nur Kopfschütteln auslösen.

Kulle und Knop gehen von Einsparungen von 15 bis 20 % über die Laufzeit des gesamten Projekts aus. In Großbritannien betrage der Anteil privat finanzierter und betriebener Projekte mit 6,5 Mrd. Euro bereits 20 % der Gesamtinvestitionen der öffentlichen Hand für Verkehrsinfrastruktur, Schulen, Krankenhäuser und Gefängnisse, sagte Knop. In Deutschland macht dies trotz erster Projekte im Verkehrsbereich nur einen Bruchteil aus.

Neues Verständis von Wirtschaftlichkeit

"Bereits die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Projekts führt zu einem neuen Verständnis von Wirtschaftlichkeit. Eine Überbewertung der Investitions- bzw. Baukosten, die oft nur einen geringen Teil der Gesamtkosten einer Immobilie im Lebenszyklus ausmachen, führt bei den Behörden oft zu Fehleinschätzungen," sagte Knop.

Die Augen der Landes- und Kommunalpolitiker müssten daher eigentlich leuchten. Allein bei den Schulen wird der Sanierungsbedarf bundesweit auf 25 Mrd. Euro geschätzt. Dem stehen 2,8 Mrd. Euro für den Schulbau in den alten Bundesländern gegenüber. Kulle und Knop betonen aber, dass sich für Hochtief und Bilfinger Berger nur Großprojekte ab 30 bis 50 Mill. Euro Bauvolumen rechnen würden. Kein Wunder, angepeilte Renditen um die 15 % lassen sich nicht mit dem Bau von Rathäusern auf dem platten Lande erzielen.

Letztlich profitieren beide Seiten von dieser öffentlich-privaten Partnerschaft", sagt Dieter Jacob, Bauprofessor an der TU Freiberg. Für die Unternehmen, gerade auch für den Mittelstand, erschließen sich neue Geschäftsfelder und die öffentliche Hand kann dringend benötigte Infrastrukturprojekte anschieben.

Bilfinger Berger hat mit der britischen Botschaft in Berlin das erste Betreiber-Projekt nach britischem Vorbild nach Deutschland gebracht. Die Vertretung der Briten - Investitionsvolumen 75 Mill. Euro - ist im Besitz des Mannheimer Baukonzerns. Die Immobilie im Schatten des Brandenburger Tores ist über einen Zeitraum von 30 Jahren an die Botschaft vermietet. In Großbritannien betreibt Bilfinger Berger drei Schulen (Investitionsvolumen 60 Mill. Euro) und zwei Krankenhäuser (112 Mill. Euro).

Hochtief, traditionell stärker im Tunnel- und Brückenbau tätig, kann ebenfalls auf Erfahrungen mit dem Betrieb von Schulen verweisen. Gezählt werden acht Schulprojekte in Großbritannien mit 50 Schulen. Allein ein Projekt mit fünf Schulen in Schottland hat ein Investitionsvolumen von 470 Mill. Euro, davon entfallen nur 97 Mill. Euro auf den eigentlichen Bau. Der Rest sind "ausbildungsfremde Dienstleistungen" wie die Wartung, Catering, Reinigung, Schulausstattung sowie Gebäudemanagement.

Quelle: Handelsblatt

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