Private-Equity-Gesellschaften: Finanzinvestoren – besser als ihr Ruf

Private-Equity-Gesellschaften
Finanzinvestoren – besser als ihr Ruf

Wie aus einer Studie des World Economic Forum (WEF) hervorgeht, verlaufen die Anpassungsprozesse in den Unternehmen unter der Kontrolle von Finanzinvestoren wesentlich schneller. Eine weitere Studie hat zu Tage gebracht, dass der Einstieg eines Finanzinvestors bei einem börsennotierten Unternehmen eine durchschnittliche Marktreaktion von plus 5,66 Prozent bringt.

DAVOS. Die Arbeitsplatzbilanz von Private-Equity-Gesellschaften fällt unter dem Strich nicht wesentlich anders aus als die der traditionellen Eigentümer. Wie aus einer umfassenden Studie des World Economic Forum (WEF) hervorgeht, verlaufen die Anpassungsprozesse in den Unternehmen unter der Kontrolle von Finanzinvestoren aber wesentlich schneller. Die Studie "Globalization of Alternative Investments", die heute in Davos vorgestellt wird, räumt mit den übertriebenen Vorstellungen auf, Private Equity sei ein Jobkiller beziehungsweise eine Jobmaschine. "Die Diskussion war überhitzt, wir wollen zur Versachlichung beitragen", sagte Professor Josh Lerner von der Harvard Business School.

Für die Passage über die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze wurden alle Private-Equity-Transaktionen in den USA zwischen 1980 und 2005 ausgewertet. Dabei wurde bis auf die Ebene einzelner Betriebsteile geforscht. Laut Professor Lerner sind zwar die Zahlen aus den Jahren 2006 und 2007 nicht berücksichtigt, jedoch erwartet er keine größeren Abweichungen vor dem Hintergrund der einsetzenden Finanzkrise im Sommer letzten Jahres. "Dies ist nicht der erste Zyklus für die Branche, historisch gesehen bringen sie keine dramatischen Veränderungen in den übernommenen Firmen", so Lerner.

Laut der Studie ergibt sich in den Unternehmen bei den bestehenden Arbeitsplätzen per saldo über die ersten fünf Jahre nach einer Übernahme ein leichter Stellenabbau. Gleichzeitig schaffen die mit Beteiligungskapital unterstützten Firmen aber in neuen Fabriken und Werkstätten mehr Jobs als vergleichbare Unternehmen ohne Private Equity. Während Finanzinvestoren in der sogenannten "greenfield job creation" ein Plus von 15 Prozent hinlegen, sind es bei Vergleichsfirmen ohne Finanzinvestoren nur neun Prozent. "Insgesamt heben sich die leichten Verluste in den bestehenden Fabriken und die Gewinne in vollkommen neuen Produktionsstätten ungefähr auf", sagt Professor Lerner. Allerdings gibt es die Vermutung, dass die neuen Jobs möglicherweise qualitativ besser sind, was allerdings wissenschaftlich noch nicht belegt ist.

Die Finanzinvestoren waren in Deutschland in die politische Auseinandersetzung geraten, nachdem die SPD die Beteiligungsmanager mit "Heuschrecken" verglichen hatte, die Unternehmen ausplündern und dann weiterziehen. Diese Argumentation wird mit der neuen Studie widerlegt. Allerdings dürften auch Behauptungen falsch sein, mit Private Equity entstünden Millionen neuer Jobs, wie Interessenverbände der Beteiligungsbranche vorgerechnet haben.

Die Private-Equity-Branche ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gewachsen. Anfang 2007 befanden sich weltweit rund 14 000 Unternehmen in den Händen von Finanzinvestoren, im Jahr 2000 waren es noch weniger als 5 000 gewesen. Im vergangenen Jahr geriet die Branche jedoch in den Sog der Finanzkrise, weil die Banken für die Megadeals keine Kredite mehr bereitstellten. Seitdem ist der Markt für sehr große Übernahmen nahezu ausgetrocknet, mittelgroße Deals werden von Banken-Pools aber weiter finanziert. Auch die Geldgeber für junge Technologiefirmen haben sich nicht völlig zurückgezogen. Laut der Studie lässt auch die Innovationskraft der übernommenen Firmen nicht nach, allerdings konzentrieren sich die Finanzinvestoren auf Patente für die Kernkompetenzen der Unternehmen, die die größten Aussichten auf eine schnelle kommerzielle Nutzung haben.

Parallel zur Untersuchung des WEF liegt jetzt eine weitere Studie vor, die sich mit den Auswirkungen von Private Equity auf den Aktienmarkt befasst. Danach verursacht der Einstieg eines Finanzinvestors bei einem börsennotierten Unternehmen eine durchschnittliche Marktreaktion von plus 5,66 Prozent. Am Tag nach der Ankündigung wird demnach immer noch eine positive Tagesrendite von 1,80 Prozent erzielt. Die gemeinsame Studie der Universitäten München und Bonn sowie der Robert Gordon University bringe auch wichtige Erkenntnisse für Unternehmen, bei denen Finanzinvestoren nur eine Minderheit erwerben, sagte Ann Achleitner-Kristin von der TU München.

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