Private Filmproduzenten befürchten Nachteile durch neue Verbindung
MDR-Einstieg bei Bavaria erregt die Konkurrenz

In der deutschen Filmbranche ist die Aufregung groß: Die privaten Filmproduzenten laufen Sturm gegen die Verbindung von MDR und Bavaria Film. Sie befürchten, dass die öffentlich- rechtlichen Sender ihre eigenen Produzenten bevorzugen werden - wodurch sich die Auftragsflaute noch verschärfen könnte.

MÜNCHEN. Die Überkreuz-Beteiligung von Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) und Bavaria Film ist besiegelt. Der Aufsichtsrat von Bavaria stimmte am späten Mittwochabend dem Einstieg der Münchener bei acht Filmproduktions- und Dienstleistungsfirmen des MDR zu. Im Gegenzug beteiligt sich der Leipziger Sender an Bavaria - einem der größten deutschen Filmproduzenten - und zahlt 7 Mill. Euro drauf.

Das neue Paar erregt jedoch das Misstrauen der Konkurrenz: Private Filmproduzenten wittern eine gefährliche Verflechtung öffentlich-rechtlicher Anstalten mit TV-Produktionsunternehmen. Der Produzentenverbund Film-20 hat bereits angekündigt, die Produktionstätigkeit von ARD und ZDF juristisch zu prüfen. Bis Spätherbst wolle der Verband klären, ob eine solche Verbindung nach deutschem und europäischem Recht zulässig sei, sagte gestern Georgia Tornow, Generalsekretärin des Verbands.

"Am Markt ändert sich nichts", versucht Bavaria-Geschäftsführer Dieter Frank die Wogen zu glätten. "Dritten wird keine müde Mark weggenommen." Genau dies befürchten aber die unabhängigen Produzenten. Sie haben Angst davor, dass die ARD immer mehr Aufträge intern vergibt.

An Bavaria ist der öffentlich-rechtliche Westdeutsche Rundfunk (WDR) jetzt mit rund einem Drittel beteiligt, der Südwest-Rundfunk (SWR) und MDR halten je 16 %, außerdem sind das Land Bayern und der Bayerische Rundfunk (BR) engagiert.

Die heftige Kritik der freien Produzenten hat seinen Grund: Vor allem die privaten Sender haben in den vergangenen Monaten immer weniger Geld für neue Filmaufträge ausgegeben. Da kleine Produzenten laut einer jüngst vorgelegten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) oft von nur ein oder zwei Sendern abhängig sind, kämpfen viele Firmen inzwischen ums Überleben.

Dazu kommt: Kredite für neue Streifen sind von den Banken kaum noch zu bekommen. Auch die Börse steht als Finanzierungsquelle nicht mehr zur Verfügung. Zudem nimmt die Zahlungsmoral der TV-Sender nach Aussagen der Filmwirtschaft stark ab. "Die Ausweitung der öffentlich-rechtlichen Produktionswirtschaft gefährdet in einem schrumpfenden Markt die wirtschaftliche Basis und langfristige Funktionsfähigkeit der Produzentenlandschaft insgesamt", warnt Film-20. Mitglied des Verbunds war bisher auch Bavaria. Am Dienstag ist das Unternehmen nun ausgetreten. Zu Film-20 gehören renommierte Filmfirmen wie Constantin Film, Senator Entertainment oder das US-Studio Columbia Tristar.

Ein Ende der Verteilungskämpfe ist nicht in Sicht, der wirtschaftliche Druck in der Branche wächst. "Es wird noch schlimmer werden", sagt Bavaria-Chef Frank - und ist deshalb zufrieden, einen neuen Gesellschafter gefunden zu haben. Denn auch Bavaria muss kämpfen. Ohne die neu konsolidierten Beteiligungen des MDR könnten die Münchener ihren Umsatz von 284 Mill. Euro aus dem vergangenen Jahr nicht halten. Auch der ohnehin schon schmale Gewinn von zuletzt vier Millionen Euro kommt unter Druck. "Es wird eng, aber wir bleiben in den schwarzen Zahlen", macht sich Frank Mut. Obwohl der Studiobetreiber im Süden von München ein riesiges Gelände besitze, werde es auch für Bavaria immer schwieriger, Geld zu bekommen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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