Private und institutionelle Investoren haben Interesse an ehtisch-sozialen und ökölogischen Anlagen, finden aber kaum Produkte
Anlagen für das gute Gewissen gesucht

Kapitalanlagen unter ethischen, ökologischen und sozialen Aspekten haben Chancen, ihr Nischendasein zu beenden. Immer mehr private und institutionelle Anleger interessieren sich für Investments mit Moral, wie Studien belegen. Anleger haben aber Probleme, geeignete Produkte zu finden.

DÜSSELDORF / FRANKFURT/M. Geld verdienen und dabei die Umwelt schonen oder soziales Engagement fördern - immer mehr Anleger wollen Renditen mit Umweltschutz und Moral verbinden. Die Folge: Ethische, ökologische und soziale Investments sind gefragter denn je.

Auch Unternehmen erkennen zunehmend, dass es sich lohnt, Wert auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu legen. Wer heute mehr tut, als er muss, braucht für die Zukunft keine kostspieligen Nachrüstungen zu fürchten. Zwischen umweltverträglichem Wirtschaften und finanzieller Rendite besteht sogar ein positiver Zusammenhang. Dies hat die schweizerische Privatbank Sarasin bereits vor einiger Zeit in einer Studie festgestellt. Experten des Londoner Analysehaus Cerulli Associates erwarten, dass entsprechend orientierte Investmentfonds bis 2005 weltweit rund 150 Mrd. US $ verwalten werden. Derzeit sei es mit rund 33 Mrd. $ nur ein Fünftel davon - weit weniger als 1 % des Fondsmarktes.

In absoluten Zahlen dominieren die USA auf dem Feld der sozialverträglichen Anlagen - das in den Branche gebräuchliche Kürzel lautet SRI (Socially responsible investing). Rund 14 Mrd. $ stecken dort in Investmentfonds, die Geld nach ethischen Kriterien anlegen. Doch sei dies im Vergleich zum gesamten Investmentfondsvermögen der privaten Anleger von über 7 Bill. $ nur ein Bruchteil. Das Segment zeichnet sich allerdings durch extrem hohe Zuwachsraten auf dem Fondsmarkt aus. Während sich das Vermögen der SRI-Fonds in den USA seit Ende 1998 fast verdoppelt hat, ist es in Deutschland um das Fünffache auf 1,5 Mrd. gestiegen, wie das Hannoveraner Institutes Imug Investment Research ermittelte. In Deutschland beträgt der Marktanteil von SRI- Fonds allerdings gerade mal 0,4 %. Die künftigen Riester-Altersvorsorgeprodukte dürften dem Segment nach Einschätzung von Analysten Schwung verleihen. Denn Riester-Anbieter müssen künftig darüber informieren, inwieweit sie ethische, soziale und ökologische Aspekte in ihren Produkten berücksichtigen.

Private Anleger halten ethisch-ökologische Investmentprodukte nach einer repräsentativen Umfrage von Imug zwar für attraktiv, aber für wenig transparent. Gut ein Drittel der Befragten gab an, nachhaltige Finanzprodukte zu kennen. Da zudem der Zugang zu diesen Produkten oft unbekannt und die Informationsbeschaffung schwierig ist, haben nur 3,1 % der Befragten überhaupt Angebote für sozial-ökologisch orientierte Fonds erhalten. Und weniger als 1 % der Befragten haben dort auch tatsächlich Geld angelegt.

Auch professionelle Anleger zeigen sich interessiert, haben aber Probleme, geeignete Produkte zu finden. So ergab eine Umfrage unter nicht erwerbswirtschaftlichen Organisationen ( NEO), dass diese Verbände, Stiftungen, Wohlfahrts-, Umwelteinrichtungen und Kirchen sehr interessiert an ethisch-ökologischen Kapitalanlagen sind. Die NEOs legten, je nach ihrem Tätigkeitsbereich, allerdings recht unterschiedlichen Wert auf ethische beziehungsweise ökologische Kriterien, sagt Henry Schäfer, Professor der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Stuttgart und verantwortlich für die Umfrage unter 850 NEOs. Ausgewertet wurden 110 Antworten.

So dürften ungefähr zwei Drittel der NEOs aus religiösen Bereichen bei der Geldanlage künftig ethische Kriterien beachten. Dabei wollen sie etwa Investments bei Firmen der Rüstungsgüter-, Genussmittelindustrie und Kernenergie ausschließen und auf Firmen mit ausgeprägter sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung setzen. NEOs aus Bereichen Umwelt-, Natur- und Tierschutz dürften der Umfrage zufolge künftig zur Hälfte Geld nach ethisch-ökologischen Kriterien anlegen. Hier rangieren ganz oben auf der Ausschlussliste Firmen aus der Kernenergie und der Rüstungsindustrie. Bevorzugen wollen Ökoverbände vor allem Firmen mit ressourcenschonenden Produktionsverfahren.

Eine Renditeeinbuße gegenüber herkömmlichen Anlagen wollen aber über drei Viertel dieser Investoren nicht akzeptieren. Nicht alle befragten Organisationen nutzen Aktien und Investmentfonds als Anlagemöglichkeit: Über 30 % legen ihr Kapital auf Bankkonten an. Als einen Grund dafür nennt Schäfer, dass viele NEOs ihr Geld besonders sicher (mündelsicher) und damit ohne große Wertschwankungen anlegen müssen. Außerdem hätten viele Vereine nur eine begrenzte Finanzierungsbasis, was eine kurzfristige Ausrichtung und einen Liquiditätspuffer erfordere. Ausgabeaufschläge und Wertschwankungen wie bei Fonds typisch widersprächen dem. Somit fehle es hier an geeigneten ethisch-ökologischen Anlageformen für eine Anlegergruppe mit großen Potenzial, moniert Schäfer.

Orientierungshilfen auf dem Markt für ethisch-ökologische Anlagen bieten eine Reihe von Indizes für nachhaltiges Investieren - am bekanntesten hier zu Lande sind der Naturaktienindex (Nax) und der Dow Jones Sustainability Index (DJSGI, s. Grafik). Die Frage, nach welchen Kriterien investiert werden soll, wird indes sehr unterschiedlich beantwortet. Bei institutionellen Anlegern gewann Schäfer folgenden Eindruck: Je größer die Organisation, desto eher suche man nach Kompromissen. Extrem strenge Auflagen gebe es hingegen in kleineren NEOs.

Allgemein führe der Weg zu marktnahen Lösungen, meint der Experte. Der Trend aus angelsächsischen Ländern, dass das jeweils ethisch-ökologischste Unternehmen einer Branche in einen Index aufgenommen wird, scheint sich bei Anlegern mehr und mehr durchzusetzen.

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