Privater Verbrauch steht in den USA auf der Kippe
Experten sorgen sich um die Weltwirtschaft

Die Auswirkungen der Terroranschläge in den USA auf die Weltwirtschaft sind noch nicht abzuschätzen. Dieses Urteil trafen Frankfurter Bankvolkswirte am gestrigen Abend. Zitieren lassen wollten sich so gut wie niemand. Die Lage sei ernst, hieß es mancherorts, weil die Weltwirtschaft ohnehin schon am Rande einer Rezession stehe. Andere Ökonomen werteten die Risiken freilich geringer.

HB FRANKFURT/M. Die größten Gefahren lägen darin, so war zu hören, dass das Weltfinanzzentrum in New York über längere Zeit zum Stillstand käme. Darunter würden nicht nur die USA, sondern auch der Finanzfluss in andere Länder leiden. Das sei derzeit aber noch nicht abzusehen, hieß es.

Die US-Notenbank kündigte an, dass sie den Finanzmarkt bei Bedarf mit Liquidität versorgen werde. Die Fed werde alles Mögliche tun, um eine Aufrechterhaltung des normalen Geschäftstätigkeit zu unterstützen, sagte der Gouverneur des Federal Reserve Boards von New York, William McDonough in Basel. Kurz zuvor hatte die Schweizerische Nationalbank erklärt, vorerst müsse das Finanzsystem nicht gestützt werden. "Die Märkte sind zwar in Aufruhr, aber die Situation ist nicht so, dass etwas Derartiges nötig wäre" sagte der Sprecher der SNB, Werner Abegg, in Zürich.

Neben den direkten Folgen für das Finanzsystem beunruhigt Volkswirte, dass die US-Verbraucher auf die Anschlagserie möglicherweise verängstigt reagieren könnten. Darunter würde der private Verbrauch in den USA leiden, der zuletzt Stütze der Konjunktur gewesen war. Nach dem jüngsten Anstieg der Arbeitslosenrate auf 4,9 % fürchten viele Bankökonomen ohnehin, dass der private Verbrauch in den USA auf der Kippe steht und die Erholung der US-Wirtschaft gefährdet.

Manfred J.M. Neumann, Ökonom an der Universität Bonn, hält diese Sorgen freilich für übertrieben. "Aus den Anschlägen folgt keine Weltrezession", sagte Neumann. "Das hat keinen signifikanten Einfluss auf den Verlauf der US-Konjunktur". Auch Michael Heise, Chefvolkswirt der DG Bank, hält die Gefahren für die Konjunktur für eher gering. Die Reaktionen an den Finanzmärkten sind eher der ersten Panik zu verdanken, meint Heise.

Die Aktienmärkte waren nach den Anschlägen massiv eingebrochen. Der Ölpreis stieg in einer ersten Reaktion um gut 4 US-Dollar. Nachdem die OPEC angekündigt hatte, die Märkte stabilisieren zu wollen, gab der Preis pro Barrel wieder leicht auf 29,25 Dollar nach.

Neumann sagte, wenn es nun zu einer Kapitalflucht aus dem Dollar käme, könnte der Ölpreis in Dollar weiter steigen. Er glaube das freilich nicht. In einer ersten Reaktion gab der US-Dollar gestern indes gegenüber den wichtigsten Währungen der Welt deutlich nach. Gegenüber dem Euro verlor er rund zwei Prozent.

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