Privatisierung der Staatsbank Banespa wirbelt brasilianischen Bankenmarkt durch einander
BSCH spielt in Brasilien ganz vorn mit

Die spanische Großbank BSCH hat mit der Übernahme des Banespa den brasilianischen Bankenmarkt aufgemischt. BSCH gilt nun als größte Auslandsbank in Brasilien. Weitere Privatisierungen in dem Amazonasland sollen folgen, doch stehen bislang nur einige kleinere Institute auf der Liste.

SÃO PAULO. Mit dem überraschenden Höchstgebot von 3,6 Mrd. US$ für die Kontrollmehrheit des Banespa, der ehemaligem Bank des Bundesstaats São Paulo, hat die spanische Bank Banco Santander Central Hispano (BSCH) den brasilianischen Bankenmarkt gründlich verändert. Nach den zwei staatlichen Banken (Banco do Brasil und Caixa Economica Federal) und den privaten Großbanken Bradesco und Itaú ist die spanische Bank nun die größte Auslandsbank in Brasilien.

Durch die Akquisition der sechstgrößten brasilianische Bank mit Aktiva in Höhe von 28 Mrd. R$, einem Netz von 577 Filialen und drei Millionen Klienten, spielt Santander nun auch in Brasilien - wie in anderen lateinamerikanischen Staaten - ganz vorn mit: Mit einem künftigen Marktanteil bei den Depositen, Aktiva und einem Kreditanteil von je rund 5 % ist Santander auf Platz 3 unter der größten privaten Finanzinstituten vorgerückt. Damit sind nun rund 28 % der brasilianischen Bankaktiva in ausländischer Hand - gegenüber 6 % noch Mitte 1995.

Für die Konkurrenz stellt sich die Alternative: "Wachsen oder verschwinden", meint Bruno Laskowsky von A.T. Kearney. Das gelte für aus- wie inländische Banken: Das Ziel der Großbanken sei nun, ihr Geschäftsvolumen zu erhöhen. Einen Marktanteil von mindestens 3 % bei Einlagen und Krediten gilt es zu erreichen. Bei einem geringeren Volumen sind die Kosten zu hoch.

Nach den Statistiken des brasilianischen Bankenverbandes verfehlen - neben den Staatsbanken und den drei großen Privatbanken Brasiliens Bradesco, Itaú und Unibanco - alle anderen Auslandsbanken diese Benchmark. HSBC, ABN Amro aber auch der spanische Konkurrent BBVA die in den letzten Jahren Milliarden investiert haben, um eine Standbein im Amazonasland aufzubauen, liegen knapp darunter.

Zerknirscht gab ABN-Amro-Aufsichtsratsmitglied Joost Kuiper nach dem Erfolg der Spanier zu, dass auch seine Bank an weiteren Akquisitionen interessiert sei. Man wolle den Marktanteil an dem für ABN-Amro drittwichtigsten Markt weltweit von derzeit 4 % auf 12 % steigern. Doch wie das gelingen soll, ist unklar: Nach dem IWF-Abkommen hat sich Brasilien verpflichtet neben der Banespa sieben weitere Staatsbanken für den Verkauf vorzubereiten. Doch das sind bis auf die Bank des Staates Paraná (Banestado) nur kleinere oder regional bedeutende Banken. Die Privatisierung der größten Staatsbanken - Banco do Brasil und Caixa Economica Federal - scheint derzeit kein politisches Ziel der Regierung zu sein und ist wegen der Größe der betroffenen Institute ein langer Prozess. Überlebenschancen auch bei einem Marktanteil von unter 3 % sehen Bankexperten für Nischenbanken, wie Bank Boston oder Citibank, die sich auf das Privatkundengeschäft (Boston) oder das Firmengeschäft (Citibank) konzentrieren.

Doch auch für Santander wird die Integration von Banespa nicht leicht sein: Die Erfahrungen von ABN-Amro und HSBC zeigen, dass der Wettbewerb im brasilianischen Einzelkundengeschäft hart ist und die Integration der aufgekauften Banken ins Mutterhaus länger dauert, als die Institute erwartet haben. So gelten die britische HSBC und der spanische Konkurrent BBVA in der Branche bereits als Kandidaten, die ihre Brasilien-Strategien beenden könnten, weil ihnen der Aufbau eines höheren Marktanteils zu teuer wird und sie aus eigener Kraft zu langsam wachsen. Aus diesen Gründen haben dieses Jahr bereits die Bank of New York, der französische Crédit Agricole und der portugiesische Espírito Santo ihre Investitionen in Brasilien verkauft.

Experten erwarten, dass Santander bis zu 1,5 Mrd. $ in den Banespa investieren muss, um die Produktivität zu steigern. Der Banespa gilt als technologisch veraltet und ist mit zu viel, zu gut bezahltem Personal besetzt. Doch rechnet Gabriel Jaramillo, Präsident von Santander in Brasilien damit, dass die Bank bereits 2001 rentabel sein wird. Der Grund ist die Konzentration der Bank auf den Bundesstaat São Paulo: "Der Banespa hat sein Filialnetz in einem Gebiet mit der doppelten Wirtschaftsleistung von ganz Chile."

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%