Privatkundengeschäft in neuen Ehren
Allfinanz kommt wieder in Mode

Die deutschen Großbanken legen wieder ein verstärktes Augenmerk auf den privaten Kunden. Nachdem die Erträge aus dem Investment-Banking nicht mehr so kräftig sprudeln wie noch vor Jahresfrist, werden nun Allfinanzgedanken wieder aus der Schublade geholt und die Vertriebswege rentabler gemacht.

FRANKFURT. Das vergangene Jahr war wahrlich ein sehr turbulentes Jahr für die deutschen Großbanken. Alle Versuche, durch Fusionen zu größeren Einheiten zu gelangen, scheiterten. Dies hat Spuren in den Zahlenwerken hinterlassen, vor allem bei der Dresdner Bank. Seitdem gleichen die Institute mehr denn je Baustellen. Die drei Frankfurter Großbanken gaben sich eine völlig neue Struktur, die Hypo-Vereinsbank, die erfolgreich mit der Bank Austria fusionierte, gliedert ihr Immobiliengeschäft in ein eigenes Institut aus. Ziel der Neustrukturierungen ist eine noch stärkere Kundenorientierung. Vor allem die stark kapitalmarktabhängigen Banken, wie die Deutsche und die Dresdner, entdecken in den gegenwärtig schwierigen Börsenzeiten das Privatkundengeschäft wieder.

Durch die vor gut einer Woche angekündigte Übernahme der Dresdner Bank durch die Münchner Allianz rückt auch das Thema Allfinanz in den Blickpunkt. Die Commerzbank intensiviert ihre Beziehungen zur Generali und deren deutschen Ableger AMB, die Deutsche Bank liebäugelt nach dem Ende der Gespräche mit der Allianz mit der französischen Axa.

Der Branchenprimus hat auch im Privatkundengeschäft die erstaunlichste Wende vollzogen. War noch vor ziemlich genau einem Jahr im Zusammenhang mit der später gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank, ein Verkauf der Deutsche Bank 24 an die Allianz geplant, kann davon heute keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Das Geschäft mit Privaten Kunden und die Vermögensverwaltung seien die Wachstumsfelder der Zukunft, verkündete Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer. Die Deutsche Bank 24, die das Direktbank- und das Filialgeschäft unter einem Dach vereint, wurde zum Nukleus einer führenden europäischen Bank für den Privatkunden ausgebaut.

Die zunehmende Bedeutung des Privatkundengeschäfts zeigt sich auch in den Geschäftsabschlüssen des Jahres 2000. Der Gewinn vor Steuern in diesem Segment legte vor allem bei den drei Frankfurter Instituten überproportional zu. Triebfeder des Wachstums waren vor allem Provisionserlöse aus dem Wertpapiergeschäft.

Kräftig verbessert haben sich demzufolge auch die Eigenkapitalrenditen. Bei der Commerzbank weist das Geschäftsfeld Private Kunden in 2000 einschließlich des größten Teils des Ertrags aus dem Comdirect-Börsengang unter allen Geschäftsfeldern die mit Abstand höchste Eigenkapitalrendite von 48,2 % aus. Ohne diesen Sondereffekt lag die Rendite immer noch bei gut 16 %. Durch die Verringerung des inländischen Filialnetzes auf 781 Standorte, eine Straffung des Produktangebots und vor allem die enge strategische Zusammenarbeit mit der italienischen Generali-Versicherung im Bereich Allfinanz soll sie weiter erhöht werden. In der Summe aller Maßnahmen rechnet die Bank im Privatkundengeschäft bis 2005 mit einem Zusatzertrag von 470 Millionen Euro. Die Deutsche Bank kommt auf eine Eigenkapitalrendite von 42 % und auch die Dresdner Bank weist einen kräftigen Zuwachs auf 21% aus. Damit liegen alle drei Institute über den Konzernzielen. Die Hypo-Vereinsbank erreicht "nur" auf 13,3 %.

Teuer kommt die Institute der Ausbau der Absatzwege in Richtung eines Multi-Kanal-Vertriebs. Die hohen Investitionen vor allem in die technische Ausrüstung schlagen sich in den Zahlen nieder. Deutlich erhöhte Verwaltungsaufwendungen und hohe Aufwand-Ertrags-Relationen sind die Folge.

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