Pro Europa
Euro-Gegner wollen auch nach dem Ende der D-Mark nicht kapitulieren

Sie sehen sich als das Sprachrohr der schweigenden Mehrheit und als Warner, denen die Mächtigen nicht zuhören wollen.

dpa BERLIN. Die vier prominentesten Euro-Gegner Deutschlands wollen nicht aufgeben, auch wenn das Ende der D-Mark schon längst beschlossene Sache ist und das Begräbnis der vertrauten Währung unmittelbar bevorsteht. Als moderne Don Quijotes freilich wollen sie sich nicht verstanden wissen.

Schließlich fühlen sich die Ökonomen Wilhelm Nölling, Wilhelm Hankel und Joachim Starbatty sowie der Rechtswissenschaftler Karl Albrecht Schachtschneider seit Einführung der Gemeinschaftswährung immer mehr in ihrer vorausgesagten Kritik bestätigt. Der Euro, meint das Quartett, hat das Potenzial, zum Sprengsatz für den alten Kontinent zu werden.

Die Wissenschaftler - jeder auf seine Art und durch verschiedene hohe Posten in Politik oder Lehre schon zuvor prominent - wurden einem breiten Publikum zum Begriff, als sie 1998 gemeinsam versuchten, den von vielen abgelehnten Euro per Verfassungsklage zu stoppen. Sie machten so viel Furore, dass sie seitdem manchmal selbst von Bratwurstverkäufern auf der Straße erkannt werden. Die Klage wurde zwar verworfen. Doch die Professoren hatten sich in einer gemeinsamen Mission gefunden.

Euro wird Symbol der Wirtschaftskrise

Sie gründeten den Verein "Pro Europa" - laut Hankel ist der provozierend anmutende Name nur eine "Klarstellung": Keineswegs seien Euro-Gegner auch gegen Europa - im Gegenteil: "Wir sind die eigentlichen Freunde Europas."

Schachtschneider ist wie seine Mitstreiter überzeugt: "Der Euro wird zum Symbol der Wirtschaftskrise." Wenn die Deutschen die Euro- Münzen und-Noten erst einmal in der Hand halten, werde sich die wirtschaftliche Talfahrt noch verschärfen. Die meisten hätten kein Vertrauen in das neue Geld. "Das ist auch ein psychisches Problem." Nölling sagt: "Die Menschen werden das Geld eher zusammenhalten, als es konjunkturbelebend auszugeben."

Das enge Gewand an volkswirtschaftlichen Vorgaben, in das die Euro-Länder gezwängt werden, raube den Regierungen zudem die Chance, maßgeschneiderte Maßnahmen gegen den Abschwung zu ergreifen, sagt Nölling. "Euroland ist durch den Euro nicht seetüchtig geworden. Im Gegenteil: Es treibt führungslos in der aufgewühlten See der Weltwirtschaft."

Aus der Bevölkerung gebe es riesigen Zuspruch zu den Forderungen der Euro-Gegner, sagt Schachtschneider. Aber: "Wir werden vom Volk gehört und von der Politik ignoriert." So habe Bundeskanzler Gerhard Schröder die an ihn geschickten Warnungen vor dem Euro ebenso ignoriert wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (beide SPD). Zu einer Anhörung im Bundestag kam es nie. Allen Abgeordneten boten die vier ihr Buch über "Die Euro-Illusion" gratis an. "Nur 10 Prozent haben es bestellt", sagt Hankel.

Gerne erinnern die Euro-Gegner an den Eid, mit dem sich die Regierungsmitglieder verpflichtet haben, Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden - genau das Gegenteil passiert nach Überzeugung der Wissenschaftler durch die Euro-Politik. Und auch wenn diese mit dem Einschmelzen der Markmünzen und dem Schreddern der alten Scheine eine weiteren Sprung macht, wollen die vier den "falschen Euro-Propheten" nicht kampflos das Feld überlassen: "Wir werden die Langzeitprobleme des Euros verfolgen und sichtbar machen", sagt Hankel. "Das heißt: Wir werden weitermachen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%