Pro Jahr werden 70 Millionen Playmobil-Figuren in dem Inselstaat produziert
Spielzeughersteller expandiert auf Malta

Die Ritterburg ist gerade fertig geworden. Überdimensional, riesig steht sie mitten in einer Mondlandschaft, dem neuen Industriegebiet Hal Far im Südosten der Insel, dort wo die Briten früher, als Malta noch nicht unabhängig war, ihren Militärflughafen hatten. Die Burg ist gemauert, nicht aus Plastik, sieht aber exakt aus wie das Mini-Heim der Playmobil-Figuren, das in vielen Kinderzimmern steht.

HAL FAR. "Wir verschieben die Proportionen", sagt Helga Ellul, "die Menschen werden zur Figur." In diesen Tagen wird der neue Funpark mit der Ritterburg eröffnet, demnächst soll es auch für Touristen Tagestouren dorthin geben.

Die unverkennbar fränkisch sprechende Deutsche sitzt in ihrem Büro auf dem Fertigungsgelände hinter der Ritterburg. Sie ist Chefin von circa 800 Angestellten. Playmobil Malta Ltd. ist eine von 60 deutschen Firmen auf der Insel. Gegenüber ist McNeill Ltd., dort werden Schultaschen gemacht. Andere Firmen produzieren Zubehörteile und technische Produkte. Seit Januar 2003 gibt es nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen auch eine deutsch-maltesische Handelskammer, die zur Zeit 50 Mitglieder hat, "darunter zwei Banken, Hotels, Immobilienagenturen und auch unsere Tourismus-Behörde", so Henry J. Borg, rühriger Präsident der Kammer.

"Wir waren die ersten, die nach Malta kamen", erzählt Helga Ellul. Die schlanke, energische CEO trägt wie alle playmobil-Mitarbeiter um den Hals ihren Hausausweis. "1971, noch bevor es playmobil gab, kam unser Chef Horst Brandstätter mit rund 20 Leuten nach Malta. Er hatte einen kleinen Mittelstandsbetrieb in Nürnberg und machte Basis-Spielwaren, wie elektrische Telefonanlagen von einem Zimmer zum anderen oder Kaufladen-Artikel, alles aus Kunststoff. "1974, in dem Jahr, als die playmobil-Figuren auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt wurde, kam Helga Ellul nach Malta, geschickt von Horst Brandstätter. Aus einem geplanten Auslandsjahr wurde die Entscheidung, auf der Insel zu bleiben, denn sie hatte ihren Mann kennen gelernt, einen Immobilienmakler.

Investieren in Malta war eine einfache und hoch subventionierte Angelegenheit. Die Regierung lockte mit 10 Jahren Steuerfreiheit. Die kleine Insel hat keinen eigenen Markt, keine Ressourcen, brauchte deshalb Investoren. "Dann hat die Regierung gemerkt, dass viele Firmen nach 10 Jahren wieder gegangen sind", erzählt Helga Ellul, "jetzt machen sie es vernünftiger." 2001 wurde ein Business Promotion Act geschaffen, der nicht für ausländische Unternehmen, sondern generell für die Industrie gilt. "Da werden Investitionen gebündelt mit Projekten, Anreize, die es auch in anderen Ländern gibt. Dazu kommen Ausbildungszuschüsse, für gezielte Projekte", sagt die Deutsche, die jeder auf der Insel kennt, und die selbst fast jeden in Malta kennt - die Republik hat rund 350 000 Einwohner. Sie ist eine einflussreiche Frau, bestätigt Kammer-Präsident Henry J. Borg, und sitze seit Jahren in Kommissionen zur Wirtschafts- und Ausbildungsförderung.

Mit dem EU-Beitritt und der damit verbundenen Harmonisierung mit der EU-Gesetzgebung sind die maltesischen Investitionsanreize weg gefallen. "Wir mussten unsere Strategie ändern, vorher war es natürlich einfacher", sagt Borg, der seinen Job darin versteht, Türöffner für deutsche Firmen zu spielen und auch schon mal auf dem kurzen Dienstweg Informationen über Leute und Unternehmen in Malta nach Deutschland weitergibt.

"Es wird immer schwieriger, Investoren zu finden, weil heute Direktinvestitionen in Länder gehen, wo die Märkte groß sind", meint auch Helga Ellul. "Jetzt noch Firmen zu finden, die nach Malta kommen, ist nicht einfach. Das müssen sehr spezialisierte Unternehmen sein, die die Vorteile Maltas nutzen wollen." Das seien immer noch niedrigere Lohnkosten, ungefähr ein Drittel im Verhältnis zu Deutschland, "der Unterschied ist nicht mehr so groß wie früher." Günstiger seien die Lohnnebenkosten.

Doch es gibt noch Vergünstigungen wie vor 30 Jahren. Die Playmobil-Frau weist aus dem Fenster auf die neuen Fabrikhallen, wo pro Jahr 70 Millionen Spielzeug-Figuren produziert werden. "Dies hier gehört alles der Regierung. Wir haben ausgemacht, dass sie uns den Teil aus der öffentlichen Kasse gibt, den sie normalerweise pro Quadratmeter für eine Standortfabrik zahlt, damit wir nach unseren Plänen bauen können. Wenn es mehr kostet, legen wir das drauf." Regierungseigene Liegenschaften für ausländische Firmen sind eindeutig eine maltesische Spezialität, "wer weiß, wie lange noch", meint Helga Ellul.

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