Pro-Sieben-Sat-1-Aktie bricht ein
Kirch-Übernahme durch Haim Saban geplatzt

Nach wochenlangen turbulenten Verhandlungen ist die Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1 und der Filmbibliothek der insolventen KirchMedia durch den US-Investor Haim Saban gescheitert. Mit dem Ausstieg des Bauer-Verlags aus dem Bieterverfahren Anfang des Jahres fiel der Verkauf der Kerngeschäfte des zerfallenen Medienimperiums von Leo Kirch zum zweiten Mal kurz vor Abschluss ins Wasser.

Reuters FRANKFURT. Insolvenzverwalter Michael Jaffe und die Saban Capital Group hätten am Mittwoch einvernehmlich ihren Rücktritt von den im März geschlossenen Übernahmeverträgen erklärt, teilte KirchMedia am Mittwoch mit. "Die Entscheidung... erfolgte, weil offene Punkte zwischen Verkäufer, Käufer und Banken im Rahmen der vereinbarten Fristen nicht zeitgerecht erledigt werden konnten." KirchMedia werde nun den vom Gläubigerausschuss genehmigten Alternativplan umsetzen, wonach die Gesellschaft zunächst Großaktionär von ProSiebenSat.1 bleibt und die Versorgung der Senderfamilie mit Filmen aus der Bibliothek sicher stellt.

Zu viele offene Fragen

Saban hatte sich mit einem überraschenden Angebot gegen den Hamburger Bauer-Verlag durchgesetzt und im März den Erwerb von ProSiebenSat.1 und der Filmrechtebibliothek für mindestens 1,7 Mrd. ? vereinbart. In den Endverhandlungen bis zum Abschluss waren aber immer mehr Probleme aufgetaucht. Auch Sabans Gespräche mit möglichen weiteren Investoren, die sich an dem Deal beteiligen und damit sein Risiko vermindern sollten, kamen offenbar nicht voran.

Haim Saban kam am Mittwoch persönlich nach München, um noch einmal mit KirchMedia-Insolvenzverwalter Michael Jaffe zu sprechen. "Es gab aber einfach zu viele offene Fragen, zu viele komplexe Themen", hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. So habe sich Saban mit den Gläubigerbanken nicht auf die Finanzierung der Filmbibliothek einigen können. Auch die mögliche vorzeitige Rückzahlung einer ProSiebenSat.1-Anleihe, wenn die Kontrolle der Gesellschaft wechselt, habe zum Schluss eine Rolle gespielt.

Die Aktien von ProSiebenSat.1 brachen in der Spitze mehr als neun Prozent ein und notierten am Abend noch mit fünf Prozent im Minus bei 4,34 ?. Dennoch gab sich Konzernchef Urs Rohner zuversichtlich: "Wir sind davon überzeugt, dass sich die jetzt abzeichnende Lösung positiv auf unser Unternehmen auswirken wird", erklärte er.

ALTERNATIVPLAN STEHT

Den so genannten "Plan B" wollen KirchMedia und die Banken nun auf der Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 am 16. Juni präsentieren. Danach bleibt KirchMedia zunächst Großaktionär bei der Senderfamilie und wird mit Insolvenzverwalter Jaffe und dem Sanierungsberater Hans-Joachim Ziems weitere Mitglieder im Aufsichtsrat stellen. Eine notwendige Kapitalerhöhung von 200 bis 300 Mill. ? soll nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen etwa je zur Hälfte von den Banken und KirchMedia finanziert werden. Um das neue Kapital bei Investoren attraktiv zu machen, sollen auch die Vorzugsaktien von ProSiebenSat.1 in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt werden - ein Vorhaben, was den Aktionären schon mehrmals versprochen wurde.

Die Filmrechtebibliothek werde umgeschuldet und betrieben, aber vor allem als Reservoir für die Senderfamilie genutzt. Neue Filme sollen nicht eingekauft werden, weshalb auch keine neuen Kredite notwendig seien. So könne das Geschäft überdauern, bis in ein oder zwei Jahren - bei hoffentlich besserer Marktlage - wieder nach Investoren Ausschau gehalten werden könne.

Saban hofft offenbar weiter

Saban hat die Hoffnung allerdings noch nicht ganz aufgegeben. Er werde die Hauptversammlung erst einmal abwarten und dann die Gespräche fortsetzen, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Doch so einfach wird ein Deal nicht mehr zu Stande kommen. "Die Banken können aus einer ganz anderen Position verhandeln. Im Zweifel wird es teurer für Saban", hieß es. Wichtig sei, erst einmal Ruhe in die Angelegenheit zu bringen. "Die beste Lösung ist, ProSieben zu restrukturieren, die Verschuldung zu restrukturieren und es in ein paar Jahren wieder an den Markt zu bringen mit einer reinen Weste", sagte ein Beteiligter.

Als unwahrscheinlich gilt auch, dass der Hamburger Bauer-Verlag kurzfristig Verhandlungen aufnimmt. Ein Sprecher bekräftigte am Mittwoch das bestehende Interesse: "Wenn die Banken und KirchMedia noch einmal auf uns zukommen, sind wir gesprächsbereit", sagte er.

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