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Pro-Sieben-Sat.1 halbiert Ergebnis

Die zur Kirch-Gruppe gehörende Senderfamilie Pro-Sieben-Sat.1 Media AG hat in den ersten neun Monaten 2001 erheblich unter der Flaute auf dem TV-Werbemarkt gelitten und einen Gewinneinbruch von fast 50 Prozent hinnehmen müssen.

Reuters MÜNCHEN. Das Ergebnis vor Steuern sei auf 34,6 Mill. Euro von 65,4 Mill. im Vorjahreszeitraum geschrumpft, teilte der umsatzstärkste deutsche Fernsehkonzern am Mittwoch mit. Der Umsatz sank um 4,5 Prozent auf 1,419 Mrd. Euro. An den Prognosen für das Gesamtjahr, wonach der Vorsteuergewinn 2001 um 30 Prozent sinken wird, hielt die Gruppe jedoch fest. Ob sich die Lage des deutschen Werbemarktes 2002 bessern werde, sei noch nicht abzuschätzen, hieß es weiter.

Die im MDax notierten Vorzugsaktien von Pro-Sieben-Sat.1 fielen im frühen Handel in einem leichteren Gesamtmarkt um knapp sieben Prozent auf 6,12 Euro. Ein Rekordtief hatten die Titel Anfang Oktober bei 3,90 Euro markiert. Seit Anfang des Jahres haben die Aktien damit über 80 Prozent ihres Wertes verloren. ProSiebenSat.1 will mit ihrer Muttergesellschaft KirchMedia bis Mitte 2002 fusionieren und damit zu einem der größten börsennotierten Medienkonzerne in Europa aufsteigen.

Analysten zeigten sich skeptisch, ob Pro-Sieben-Sat.1 die eigenen Prognosen für das Gesamtjahr noch erreichen werde. "Selbst wenn das vierte Quartal gut läuft, wird es sehr schwer sein, das Jahresziel zu erreichen", sagte Roland Pfänder von der BHF-Bank. Der Gewinn vor Steuern sei deutlich hinter dem zurückgeblieben, was er erwartet habe. Der Umsatz habe aber genau die Erwartungen getroffen.

"Wir haben das Beste aus der schwierigen Situation im deutschen Fernseh-Werbemarkt gemacht", erklärte Vorstandschef Urs Rohner. Das straffe Kostenmanagement habe Schlimmeres verhindert. Im dritten Quartal hätten die Folgen der Anschläge in den USA das Ergebnis zusätzlich belastet, so dass der Konzern in dieser Periode einen Verlust vor Steuern von 54,5 Mill. Euro verzeichnete. Der Umsatz der Monate Juli bis September sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um neun Prozent auf 391,1 Mill. Euro gesunken.

Allein in der ersten Woche nach den Attacken in New York und Washington habe ProSiebenSat.1 Werbestornierungen von rund 15 Millionen Euro hinnehmen müssen. "Insbesondere traditionsreiche Unternehmen aus den USA sowie Werbekunden aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Tourismus und Luftfahrt haben ihre Buchungen seit den Anschlägen vom 11. September storniert oder deutlich reduziert", hieß es in der Mitteilung. Werbeeinnahmen machen rund 97 Prozent des Konzernumsatzes der Gruppe aus. Vor allem der Sender Sat.1 zeige mit einem Verlust vor Steuern in den ersten neun Monaten von 67,9 (Vorjahreszeitraum: 23,4) Mill. Euro eine unbefriedigende Entwicklung, hieß es weiter.

Für die Zukunft gab sich der Konzern weiter vorsichtig: "Angesichts der deutlich abgekühlten Konjunktur rechnet die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe nicht damit, dass sich der Fernsehwerbemarkt bis zum Jahresende erholen wird." Insgesamt werde der deutsche TV-Werbemarkt 2001 um fünf bis sechs Prozent schrumpfen. Pro-Sieben-Sat.1 rechne für das laufende Jahr weiter mit einem Umsatzrückgang von vier Prozent und einem Einbruch beim Ergebnis vor Steuern von 30 Prozent. "Niemand kann derzeit mit Gewissheit sagen, ob sich der deutsche Fernsehmarkt im nächsten Jahr schnell wieder erholen wird oder nicht", erläuterte Rohner die weiteren Aussichten. Erste Prognosen für 2002 will Pro-Sieben-Sat.1 erst zum Jahresende veröffentlichen.

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