Pro Sieben Sat 1 und RTL sparen, wo sie können
Die Privaten reiben sich schon die Hände

"Das ist ganz sicher ein Schritt in die richtige Richtung", freut sich Urs Rohner mit Blick auf das geplante drastische Sparprogramm für ARD und ZDF. Dem Chef von Deutschlands größtem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media sind die gebührenfinanzierten TV-Sender ohnehin schon lange ein Dorn im Auge. Und auch der neue Mehrheitseigner des Konzerns, der US-Investor Haim Saban, wetterte zuletzt heftig gegen die Wettbewerbsverzerrungen durch ARD und ZDF.

MÜNCHEN/BERLIN. Im Sommer schnappte etwa die ARD dem Konzernsender Sat 1 die Rechte an der Fußball-Bundesliga weg. Der Münchener Konzern wollte deutlich weniger zahlen, aber Rohner wurde von ARD-Chef Jobst Plog überboten. Wenn Sportrechte zu solch hohen Preisen, die nicht über Werbung refinanziert werden könnten, gekauft werden, müsse es Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Sparbemühungen bei ARD und ZDF geben, schimpfte Rohner gestern. Er dagegen habe allein in den vergangenen zwei Jahren rund 20 % der Kosten eingespart. Am Mittwoch überraschte Rohner, als er bei der Vorstellung der Quartalszahlen bekannt gab, dass der Verlust für das 3. Quartal geringer als befürchtet ausgefallen ist. Es wird erwartet, dass der neue Eigner Saban jetzt nochmals alle Kosten durchforstet. Dass der defizitäre Nachrichtenkanal N 24 vor der Schließung stehe, dementierte Rohner gestern entschieden.

Die Konkurrenz durch ARD und ZDF stößt den privaten Sendern derzeit besonders auf, weil sie seit Jahren mit rückläufigen Werbemärkten zu kämpfen haben. Pro Sieben Sat. 1 meldete gestern für das abgelaufene dritte Quartal rote Zahlen. Hauptkonkurrent RTL macht dagegen zwar Gewinne, spürt aber auch die Krise. Zuletzt wurden Pläne bekannt, dass auch beim Nachrichtensender N-TV gekürzt werden muss. Rohner ist mit Blick auf die Zukunft nicht sehr optimistisch. Für 2004 rechnet er mit keinem Wachstum, 2003 wird das Minus am Werbemarkt zwischen 5 und 7 % betragen.

Harte Kritik an ARD und ZDF gibt es auch immer wieder von Georg Kofler, Chef des Bezahlsenders Premiere. Das Pay-TV mit derzeit 2,8 Millionen Abonnenten steckt ebenfalls in den roten Zahlen. Die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem umfangreichen Programmangebot, etwa im Sport, graben nach Meinung Koflers Premiere jede Menge Kunden ab.

Auch die Bertelsmann-Tochter RTL stört sich an der Übermacht von ARD und ZDF. "RTL-Chef Gerhard Zeiler ist beim Gebührenstreit im Vergleich zu den Münchenern viel zurückhaltender", sagt zwar ein ARD-Insider. Doch in der Sache ist auch er hart. Der Österreicher will, dass ARD und ZDF keine Werbung mehr machen dürfen. Das hatte vor zwei Wochen lautstark auch Saban gefordert. "Eine werbefreie BBC ist ein Vorbild. Deutschland ist groß und reich genug, um sich einen rein öffentlich finanzierten Rundfunk leisten zu können", sagte Zeiler zuletzt dem Handelsblatt.

Dabei steht RTL gar nicht schlecht da: Die europaweit tätige Senderfamilie ist der Goldesel des Bertelsmann-Konzerns. Zuletzt half der Ertragssprung bei der RTL-Group von 181 auf 250 Mill. Euro den Güterslohern zu sehr guten Halbjahreszahlen. Zum Vergleich: Pro Sieben Sat. 1 rechnet für das Gesamtjahr 2003 nach einem starken Weihnachtsquartal mit einem operativen Gewinn von 170 Mill. Euro.

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