Pro Sieben Sat1 erwägt Beteiligung an Kirch-Filmrechten: Kirch-Kind schnappt nach Sahnestück der Mutter

Pro Sieben Sat1 erwägt Beteiligung an Kirch-Filmrechten
Kirch-Kind schnappt nach Sahnestück der Mutter

Der TV-Konzern Pro Sieben Sat1 erwägt nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen eine Beteiligung an dem zum Verkauf stehenden Kerngeschäft seiner insolventen Muttergesellschaft Kirch-Media.

Reuters FRANKFURT. Der Bauer-Verlag, die Gläubigerbanken von Kirch-Media und das Pro Sieben Sat1-Management diskutierten derzeit ein Modell für die Übernahme der Filmrechtebibliothek, bei dem Pro Sieben Sat1 24 Prozent an der Gesellschaft übernehmen würde, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus den Kreisen. Unklar blieb aber, was die mit knapp einer Milliarde Euro verschuldete Senderfamilie dafür bezahlen und wie sie den Einstieg finanzieren würde. "Es wäre nur logisch, wenn sich ProSieben an der Kapitalspritze entsprechend dem Anteil beteiligen würde", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter dazu. Sprecher der beteiligten Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Die im MDax notierten Pro Sieben Sat1-Aktien fielen am Donnerstag 0,8 Prozent auf 6,25 Euro. Der Hamburger Bauer-Verlag und sein Konsortiumspartner HVB Group hatten sich mit Kirch-Media kurz vor Weihnachten grundsätzlich über eine Übernahme der Filmrechtebibliothek und der Kirch-Media-Tochter Pro Sieben Sat1 geeinigt. Das Angebot der beiden Partner bewertet das Filmrechtegeschäft mit 1,3 Milliarden Euro. Bisher war geplant, dass das Bauer-Konsortium 52 Prozent an der Filmrechtegesellschaft übernimmt und die vier Gläubigerbanken einen Teil ihrer Kredite gegen die restlichen 48 Prozent eintauschen. Durch einen Einstieg von Pro Sieben Sat1 würde sich der Anteil des Konsortiums nun auf 28 Prozent verringern, hieß es in den Kreisen.

Eine solche Konstruktion wäre vor allem im Interesse der Gläubigerbanken und Pro Sieben Sat1, der Bauer-Verlag sähe dieses Geschäft "relativ leidenschaftslos", hieß es in den Kreisen weiter. "Das würde nicht Bauer etwas bringen, sondern dem Filmstock. Es wäre vor allem im Interesse der Banken." Diese hätten durch einen Einstieg der Senderfamilie die Gewissheit, einen Hauptabnehmer der Filmrechte selbst im Boot zu haben. Das sichere die Geschäfte zu einem großen Teil ab, aus denen die Kredite der Banken zurückgezahlt werden müssten.

Auf der anderen Seite erhielte Pro Sieben Sat1 einen besseren Einblick in die Gesellschaft, von der sie einen Großteil ihrer Filme bezieht. "Das wäre eine charmante Lösung. Pro Sieben Sat1 bekäme völlige Transparenz und könnte sich von dem Vorwurf befreien, zu Gunsten der Muttergesellschaft und nicht der Aktionäre zu wirtschaften", sagte ein Beteiligter.

Sprecher von Bauer und Kirch-Media gaben sich überzeugt, die Übernahmeverträge bald unterschreiben zu können. "Wir haben alle wesentlichen Hürden übersprungen und sind auf der Zielgeraden", sagte ein Bauer-Sprecher. Der Abschluss der Verträge über die Übernahme von Pro Sieben Sat1 und eine Vereinbarung über den Filmrechtehandel wird für Februar angepeilt.

Branchenkreisen zufolge ist das Bauer-Konsortium bereit, für eine Mehrheit von 52,5 Prozent an der Sendergruppe rund 700 Millionen Euro zu bezahlen. Um den Abschluss des Deals zu beschleunigen, will Bauer zunächst für 480 Millionen Euro die 36 Prozent übernehmen, die Kirch-Media direkt an dem im MDax gelisteten Konzern hält. Wegen der Teilung des Kapitals der Sendergruppe in Stamm- und nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien würden Bauer und HVB die Gesellschaft dennoch mit 72 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Weitere 16,5 Prozent hält Kirch-Media über eine Zwischengesellschaft, an der auch Europas größer Zeitungskonzern, der Axel Springer Verlag, beteiligt ist. Dieser hat ein Vorkaufsrecht auf die 16,5 Prozent von Kirch-Media, müsste einem Verkauf an Bauer also zustimmen.

"Es ging immer nur um die 36 Prozent. Wenn sich Kirch-Media und Springer einigen, dann können wir uns auch vorstellen, mit der Kirch-Media über den Rest zu reden. Aber für die Übernahme der Mehrheit ist das erstmal nicht nötig", erläuterte ein Bauer-Sprecher. Allerdings gibt es noch keine Gespräche von Kirch-Media und Springer über das Vorkaufsrecht, wie es in Branchenkreisen heißt. Die Klärung dieser Frage könnte sich also noch eine Weile hinziehen.

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