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Probefahrten könnten bald Gebühren kosten

Bonn (dpa/gms) - Das Schönste am Autokauf ist für viele die Vorbereitung. Man kann Hochglanz-Prospekte wälzen, Testberichte studieren und sich ausmalen, wie das Leben an Farbe gewinnt, wenn man erst den neuen Wagen sein Eigen nennt.

Bonn (dpa/gms) - Das Schönste am Autokauf ist für viele die Vorbereitung. Man kann Hochglanz-Prospekte wälzen, Testberichte studieren und sich ausmalen, wie das Leben an Farbe gewinnt, wenn man erst den neuen Wagen sein Eigen nennt.

Höhepunkt dieser Planungsphase ist die Probefahrt, das erste intime Rendezvous, bei dem sich entscheidet, ob aus der Schwärmerei eine Beziehung für Jahre wird. Den romantischen Gefühlen, die viele Auto-Liebhaber mit der Probefahrt verbinden, hat der Handel nun einen Dämpfer verpasst. Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn forciert derzeit seine Forderung, Kunden für die Spritztour zur Kasse zu bitten. Empfohlen wird eine Pauschale, die später bei einem etwaigen Kauf verrechnet werden könnte. «Es geht uns nicht um die einstündige Probefahrt echter Kaufinteressenten», sagt ZDK-Sprecher Helmut Blümer. «Wir wollen den zunehmenden Missbrauch von Probefahrten bekämpfen.» Es gebe Zeitgenossen, die sich - je nach Witterung - in der einen Woche ein Cabrio, in der anderen einen Offroader und zwischendurch einen Van mitnehmen.

Die Autohändler fühlen sich von allen Seiten ausgenutzt. Da sind zum einen die Hersteller, die immer mehr Modellvarianten auf den Markt bringen, sich an den Vorführwagen aber nur mit etwas höheren Rabatten und geringfügig längeren Zahlungszielen beteiligen. Da sind zum anderen die Kunden, die beim Vertragshändler das Auto testen, um es dann beim billigen Grauimporteur zu bestellen.

«Mit der Einführung von Gebühren ist niemandem gedient», sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR) der Fachhochschule Gelsenkirchen. Die Hersteller seien durch ihr Preissystem für das Aufkommen der EU-Importe verantwortlich. Also müssten sie auch nach einer Lösung suchen. Kaufinteressenten von Probefahrten abzuschrecken, sei der völlig falsche Weg: Wer Zehntausende von Euro in ein Auto investiert, habe außerdem das Recht, es zuvor bei einer Probefahrt kennenzulernen, so Dudenhöffer.

Genau das ist aber derzeit nicht immer ohne weiteres möglich. Auch Händler mit großem Fuhrpark können angesichts der wachsenden Vielfalt von Motorisierungen und Ausstattungsvarianten nicht jedes Wunschmodell vorrätig halten. «Da kann es sein, dass man zwei oder drei Autos probefahren muss, um einen ungefähren Eindruck zu gewinnen», sagt der auf die Automobilbranche spezialisierte Unternehmensberater Rolf Luginbühl aus Ennetbaden in der Schweiz.

Wer zum ersten Mal in einem neuen Fahrzeug sitzt, bewegt sich auf den ersten Metern mit einer Portion Unsicherheit - zumal, wenn es der Verkäufer an der nötigen Einweisung fehlen lässt. Um mögliche Kratzer und Beulen brauchen sich Probefahrer keine Sorgen zu machen. «Wenn kein anders lautender Hinweis erfolgt, kann man davon ausgehen, dass alle probefahrtbedingten Mängel von der Versicherung des Händlers abgedeckt sind», sagt Paul Kuhn vom ADAC in München. Das ist immerhin ein schwacher Trost, falls es tatsächlich zur Einführung von Gebühren kommen sollte.

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