Probleme bei Bristol-Myers Squibb beleben Gerüchte
Pharma steht vor neuer Fusionswelle

Pharma-Fusionen haben sich als verlässliches Instrument zur Kostensenkung entpuppt. Experten gehen daher von einer weiteren Konsolidierung der Branche aus. Bristol-Myers könnte den Anfang machen.

FRANKFURT/NEW YORK. Der Niedergang des US-Arzneimittelkonzerns Bristol-Myers Squibb (BMS) könnte nach Einschätzung von Pharmaexperten eine neue Runde im Fusionkarussell der Branche einläuten. Nach einem Wertverlust von mehr als einem Drittel innerhalb weniger Wochen gilt die Nummer sechs der Branche als Übernahmekandidat. BMS kämpft mit dem Patentablauf bei wichtigen Produkten, einer Serie von Flops in der Forschung und musste seine Gewinnerwartungen weiter nach unten revidieren.

Als mögliche Interessenten werden von Analysten vor allem der US-Konzern Pharmacia, die Schweizer Novartis AG und die französiche Sanofi-Synthelabo gehandelt. Für sie wäre BMS interessant, um die Position auf dem US-Markt sowie in den Therapiegebieten Herz-Kreislauf und Krebs auszubauen. Aber auch US-Größen wie Pfizer, Merck & Co. sowie Johnson & Johnson sind im Gespräch.

Sollte es tatsäschlich zu einer neuen Großfusion kommen, könnte das nach Einschätzung vieler Experten Ausgangspunkt für eine neue Welle von Zusammenschlüssen sein. Dafür spricht unter anderem die anhaltende Fusions-Bereitschaft, die aus Äußerungen von Pharmamanagern immer wieder herauszuhören ist. "Wenn sich Dynamik entwickelt und sich die Zahl der potenziellen Partner zusehends dezimiert, kann einen das unter Zugzwang setzen", beschreibt Thomas Hofstätter, Leiter Coporate Development beim deutsch-französischen Pharmakonzern Aventis, Gedankenspiele, mit denen sich derzeit viele Pharmariesen beschäftigen. Novartis-Pharmachef Thomas Ebeling gab auf einer Handelsblatt-Tagung zu bedenken: "Wir werden mit organischem Wachstum nicht unter die Top fünf der Branche kommen. Das heißt wir müssen schauen, ob es externe Möglichkeiten gibt."

Ähnlich hoch ist die Erwartungshaltung bei Analysten. "Es gibt keinen Grund, warum sich nicht zwei Top- Player der Industrie zusammentun könnten", argumentiert Pharma-Analyst Christian Wenk von der Rating-Agentur Standard & Poors. Er geht davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre Pharmakonzerne mit mehr als 10 % Marktanteil entstehen werden. Die Nummer eins der Branche, Pfizer, hält derzeit etwa 7 % Anteil. Michael Hill, Pharmaexperte der US-Investmentbank Goldman Sachs, sieht das Fusionsgschehen zunächst eher bei kleineren und mittelgroßen Firmen der Branche. Mittelfristig, das heißt in den nächsten drei bis fünf Jahren, rechnet aber auch er mit einer Welle großer Fusionen. Kartellprobleme gibt es dabei nach wie vor vergleichsweise wenige. Denn in aller Regel überschneiden sich die Produkt-Portfolios der Unternehmen nur in Teilbereichen.

Die letzten großen Fusionen, darunter Glaxo Smithkline und Pfizer (mit Warner-Lambert), liegen mehr als zwei Jahre zurück. Allerdings haben auch in jüngerer Zeit einige kleinere und mittelgroße Transaktionen wie etwa die Übernahme von BASF-Pharma durch Abbott oder Immunex durch Amgen gezeigt, dass der Konsolidierungstrend in der Branche nicht abgerissen ist.

Grund dafür ist in erster Linie der hohen Anspruch an das Gewinnwachstum, den etliche Unternehmen mit ihrem operativen Geschäft derzeit nicht einlösen können. Ähnlich wie BMS leiden weitere Unternehmen, darunter etwa Merck & Co und Schering Plough, - unter dem Ablauf von Patenten bei wichtigen Umsatzträgern. Die resultierenden Umsatzeinbußen von bis zu 80 % bei den betreffenden Produkten, können nur mit erfolgreichen Neuentwicklungen kompensiert werden, was aber nur in Ausnahmefällen wirklich gelingt. Zudem werden auch in den USA Preiserhöhungen immer schwieriger. Global wird sich daher das Wachstum des Pharmamarktes nach Erwartung der meisten Analysten auf etwa 8 bis 9 % abkühlen.

Fusionen bieten nach bisheriger Erfahrung zwar keine Vorteile für die Innovationskraft. Sie entpuppten sich aber als verlässliches Instrument zur Kostensenkung. Praktisch alle Zusammenschlüsse der vorigen Jahre gelten in dieser Hinsicht als relativ erfolgreich. Zudem hat sich vielfach das Know-how in der Umsetzung von Fusionen verbessert. Im Fall Aventis ist es gelungen, parallel zum Konzernumbau nach der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc das Umsatzwachstum zu beschleunigen.

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