Probleme bei Hypothekenbank
Aktionäre greifen BHW-Vorstand heftig an

Wegen der kostspieligen Beteiligung an der Krisen geschüttelten Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) haben Aktionäre des Hamelner Baufinanzierers BHW den Vorstand scharf angegriffen. Aktionärsvertreter sprachen bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Berlin von einem "Desaster" und warfen dem Vorstand "Schönrednerei" der Probleme mit der 40-prozentigen Tochter vor.

HB/dpa BERLIN/HAMELN. Der Vorstandsvorsitzende der BHW Holding AG, Reinhard Wagner, verteidigte das Engagement. Für das Hypotheken-Geschäft sei der direkte Zugang zum Kapitalmarkt nötig. "Sonst hätten uns die Banken am ausgestreckten Arm verhungern lassen können", sagte er. Inzwischen sei der Hypothekenbestand sechs Mal so hoch wie der der Baudarlehen.

Die im SDax notierte BHW hatte 2002 rund 280 Millionen Euro zur Sanierung in die AHBR gepumpt und so das eigene Ergebnis belastet. Nach Steuern hatte BHW einen Konzern-Fehlbetrag von knapp 360 Millionen Euro (2001: plus 183,6 Millionen Euro) ausgewiesen. Wagner sagte, die AHBR habe mit ihrer Einschätzung der Zinsentwicklung im Jahr 2001 falsch gelegen. Die Bank sei nicht die einzige, die sich dabei falsch aufgestellt habe. Die AHBR hatte 2002 ein Minus beim Betriebsergebnis von knapp 712 Millionen Euro ausgewiesen. 2003 werde das Ergebnis wieder positiv sein. Es würden keine Belastungen mehr für die BHW erwartet.

Wagner stellte aber mittelfristig eine mögliche Reduzierung der AHBR-Beteiligung in Aussicht. Man müsse darüber nachdenken, ob für den Zugang zum Kapitalmarkt der 40-Prozent-Anteil mittelfristig notwendig sei, oder sich nach der Konsolidierung der AHBR ein weiterer Investor finden lasse. Das werde aber sicher noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern.

Nach einem guten Start ins Jahr 2003 mit einem Plus von 18,4 Prozent beim Gesamtvertriebsergebnis auf 8,5 Milliarden Euro erwarte BHW ein Jahresergebnis von gut 100 Millionen Euro, sagte Wagner. Er stellte für 2003 eine "fühlbar höhere Dividende" in Aussicht. Für 2002 wird eine Dividende von 0,22 Euro gezahlt nach 0,60 Euro im Vorjahr.

Nach der abgesagten Zweitplatzierung eines milliardenschweren Aktienpaketes - vorwiegend aus dem Bestand des Deutschen Beamtenbundes - seien Vorstand, Aufsichtsrat und Großaktionäre weiter an einer Verbreiterung des Streubesitzes interessiert. Allerdings sei derzeit das Börsenumfeld nicht attraktiv genug. Ende 2002 hielten die Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften 38,9 Prozent der BHW-Aktien, der Beamtenbund 36,6 Prozent sowie die Münchener Rück 9,2 Prozent.

Erneut bezeichnete Wagner den Verdacht des Insiderhandels der Staatsanwaltschaft Hannover als "unbegründet und haltlos". Die Strafverfolgungsbehörde ermittelt gegen 13 Manager des BHW-Konzerns, darunter auch Vorstandsmitglieder. Vorsorglich wurden mehr als 7 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit der Anfang 2002 geplanten Zweitplatzierung des milliardenschweren Pakets. Vor Bekanntgabe der Platzierung hatten Manager vor dem absehbaren Kurssturz Aktien aus einem Beteiligungsprogramm verkauft. Die Platzierung wurde Mitte Februar 2002 abgesagt.

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