Probleme des niederländischen Softwarehauses Baan stellen nur die Spitze dar
Die klassischen ERP-Anbieter sind auf der Suche nach neuen Wachstumsfeldern

sgr DÜSSELDORF. Der Markt für ERP-Software ist gesättigt - neue Kunden lassen sich kaum akquirieren. Die klassischen Anbieter von Software fürs Enterprise Resource Planning (ERP, bereichsübergreifende Standardsoftware zur Steuerung und Optimierung von Geschäftsprozessen) erfahren derzeit den Druck gleich von mehreren Seiten - von ihren direkten Wettbewerbern und von neuen Softwareherstellern. Die Neuen entwickeln ihre Lösungen gleich fürs Internet. Ariba, Commerce One, Vignette oder Broadvision - um nur einige zu nennen - machen den SAPs, Baans, J.D. Edwards' oder Peoplesofts das Leben schwer.

Es bleibt den ERP-Anbietern nichts anderes übrig, als sich neue Betätigungsfelder zu suchen, wollen sie die schönen Wachstumsraten aus den neunziger Jahren fortschreiben. CRM (Costumer Relationship Management), E-Commerce und E-Procurement (Beschaffung) wären solche Felder, wenn die nicht bereits besetzt wären. CRM zielt auf die Beziehungspflege von Unternehmen mit Kunden. Aber hier gibt es bereits Platzhirsche, z. B. die mächtige Siebel Systems.

Der Niedergang von Baan ist aber nicht allein auf diese Marktveränderungen zurück zu führen. Im Gegenteil: Baan hat - so meinen Experten - gute Produkte anzubieten. Baan- Kunden zeigten sich durchweg zufrieden. Die Holländer hatten sogar mit Aurum Software vor drei Jahren für 250 Mill. $ einen CRM-Anbieter aufgekauft und waren somit zeitig auf den Zukunftsmarkt vorbereitet.

Warum ist Baan dennoch gescheitert? Schwerwiegende Fehler des Managements sorgten für den tiefen Fall. Die Bilanzmauscheleien sind hinlänglich bekannt, Umsätze wurden fingiert - bereits zu einer Zeit, als der ERP-Markt noch in Ordnung schien. Offenbar wollte Baan mit geschönten Zahlen dem Markt suggerieren, dass man schneller wachse als die Konkurrenz.

Derzeit rollt die Marketingmaschine von SAP auf vollen Touren. Das Internetprodukt "mySAP.com" soll als Standard durchgesetzt werden. Alle Werbung nützt jedoch nichts, wenn letztlich das Produkt nicht in Ordnung ist. Weil SAP in den Bereichen CRM und E-Procurement nichts zu bieten hat, wurde Anfang Mai eine strategische Allianz mit Nortel Networks eingegangen. Beide Unternehmen wollen Kundendialoglösungen entwickeln und integrieren und somit das Leistungsspektrum rund um das kooperative CRM mit dem Internetportal mySAP.com erweitern. SAP hat Kundendialoganwendungen des Geschäftsbereichs Clarify eBusiness Applications von Nortel Networks in mySAP.com eingebettet. Ferner wurden die Gerüchte von einer möglichen Lizenzvereinbarung mit dem Wettbewerber Commerce One zumindest nicht dementiert. Mit einer Lizenz von Commerce One könnte SAP eine weitere große Lücke in seiner Internetstrategie schließen.

Dass es auch andere ERP-Anbieter trifft, zeigte die Nachricht von J.D. Edwards, die beabsichtigt, weltweit 800 Arbeitsplätze zu streichen. Begründung: Die Kostenstruktur entspricht nicht der Ertragslage. Auch Peoplesoft hatte im Februar von einem Rückgang seines Umsatzes und seines Gewinns im Kerngeschäft berichtet, obwohl im vergangenen Jahr erst der CRM-Anbieter Vantive übernommen wurde.





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