Probleme deutscher Logistikunternehmen nach dem Terrorakt
Luftfracht in die USA bleibt liegen

Die verheerenden Anschläge haben den gesamten deutschen Luftfrachtverkehr mit den USA zu Boden gezwungen. Für die Abnehmer heißt das vor allem Warten, für die Lieferanten möglicherweise steigende Kosten.

vwd DÜSSELDORF. Auf die Lieferanten könnten Konventionalstrafen wegen Verzögerungen in der Zustellung und erhöhte Lagerkosten zukommen, aber auch wachsende Beförderungskosten wegen der gestiegenen Erdölpreise und höhere Aufwendungen für die Sicherheit der Transporte. Naturgemäß betroffen sind die großen deutschen Logistiker wie Stinnes oder die Post. Mit dramatischen Belastungen der Branche rechnen weder die Unternehmen selbst noch Analysten.

Die Ausfuhren und Einfuhren in die USA machen rund ein Viertel der weltweiten Warenbeschaffung per Flugzeug aus. Nach Auskunft des Bundesverbandes Spedition und Logistik (BSL) in Bonn wurden im vergangenen Jahr 285 000 t ausgeflogen und 224 000 t importiert. In der weltweiten Luftfracht verzeichnet die Statistik 1,14 Mio t an Exporten und 990 000 t, die von den USA nach Deutschland eingeflogen wurden. "Die Fracht steht", beschrieb eine Verbandssprecherin die momentane Lage nach dem 48-Stunden-Stopp aller deutsch-amerikanischen Flugverbindungen.

Geschäftsbeiträge aus den USA gering

Weil die Waren nicht umgeschlagen werden können, fallen nach Ansicht der Logistikexpertin Gerlinde Gollasch von der Bankgesellschaft Berlin zum einen höhere Kosten für die Lagerhaltung bei den Transportfirmen an. Der gestiegene Ölpreis dürfte sich außerdem in höheren Kosten für Kerosin bemerkbar machen. Grund zu übergroßer Sorge müssen sich die deutschen Logistiker ihrer Ansicht aber nicht machen, denn die Geschäftsbeiträge aus den USA seien noch recht gering. "Es wird die Bilanzen nur in den Kommastellen beeinflussen", sagt Gollasch voraus.

Selbst wenn die Flüge eine Woche ausgesetzt blieben, würde sich dies im Jahresabschluss der Logistikunternehmen geringer auswirken als ein drei- bis fünftägiger Pilotenstreik, meint die Analystin. Und die Abnehmer zeitkritischer Lieferungen, die Güter "just-in-time" für die Produktion benötigen, könnten in Folge der schlechten konjunkturellen Lage zum Teil sicherlich noch auf gefüllte Läger zurückgreifen.

Post erwartet Einbußen bei DHL und Danzas

Von den betroffenen Unternehmen selbst waren zunächst noch keine präzisen Einschätzungen zu erhalten. Bei der im MDax notierte Stinnes AG aus Mülheim/Ruhr spricht man von einer "vorübergehenden Störung" des Welthandels. Den Kunden könne man derzeit nicht mehr sagen, als dass sie abwarten müssten. Im übrigen machen die Erlöse aus der USA-Luftfracht mit 330 Mill. Euro nach Angaben eines Firmensprechers nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes von rund zwölf Mrd Euro aus, den das noch mehrheitlich zur E.ON gehörende Unternehmen im vergangenen Jahr erzielte.

Auch bei der Deutschen Post AG macht das US-Geschäft weniger als fünf Prozent der gesamten Erlöse von 32,7 Mrd Euro aus. Das Unternehmen ist in den USA vor allem mit dem im vorigen Jahr übernommenen Expressunternehmen DHL aktiv, dessen Maschinen eilige Güter um die ganze Welt befördern, während Danzas schwere Sendungen auf dem Luft-, See- und Landweg liefert. Sowohl bei DHL wie bei Danzas sei mit negativen Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnissituation zu rechnen, teilte die Post mit. Für den Gesamtkonzern gelte jedoch weiter, dass man dieses Jahr einen höheren Gewinn erwarte.

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