Probleme im Unterhaus: Profi-Clubs schlagen Sparkurs ein

Probleme im Unterhaus
Profi-Clubs schlagen Sparkurs ein

Im deutschen Profi-Fußball muss kräftig gespart werden. Bei den von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im Lizenzierungsverfahren erteilten Auflagen oder Bedingungen an 24 der 36 Vereine geht es ausnahmslos um finanzielle Dinge.

HB/dpa FRANKFURT. "Von Hause aus findet ein ruinöser Wettbewerb statt. Wir müssen die richtigen Stellschrauben finden, damit es nicht zum Crash der Liga kommt", begründete der vorsitzende DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub die Vorgaben an die Clubs.

Künftig müssen die meisten Vereine der DFL in vorgegebenen Zeiträumen über ihre wirtschaftliche Situation berichten. Damit soll verhindert werden, dass die Clubs in Zeiten rückläufiger Einnahmen nicht über ihre Verhältnisse leben. So erhielt der VfL Bochum die Auflage, dass die Neuverschuldung nicht die erwarteten Einnahmen übersteigen darf. Auch der mit 12,5 Millionen Euro verschuldete Hamburger SV darf kein neues Defizit aufbauen.

Die Hamburger wollen die Personalkosten in der kommenden Saison freiwillig um 20 Prozent senken, um ihre Verbindlichkeiten weiter abzubauen. Ein Verkauf von Abwehrspieler Tomas Ujfalusi, mit dem sich der HSV auf einen Schlag sanieren könnte, steht laut HSV-Chef Bernd Hoffmann jedoch momentan nicht zur Debatte. Da kein Angebot vorliege, gebe es auch keinen Handlungsbedarf, so Hoffmann. Die Hamburger stehen aber noch vor einem anderen Problem: Sie müssen für den scheidenden Hauptsponsor "Milchstraßen-Verlag" (5,7 Millionen Euro pro Jahr) gleichwertigen Ersatz finden.

Der FC Hansa Rostock wird seinen Etat um weitere 1,5 Millionen auf 24,5 Millionen Euro reduzieren. In der Saison 2000/01 betrug das Jahresbudget noch 31 Millionen Euro. Sparen müssen auch Hertha BSC und der VfB Stuttgart. Die Berliner drücken Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 17 Millionen Euro und werden ihren Kader daher weiter verkleinern. Neben Stefan Beinlich (zum Hamburger SV) wird auch Rob Maas den Club verlassen.

Die Schwaben, im Vorjahr noch mit 16,6 Millionen Euro verschuldet, dürfen nicht mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. "Wir sind zufrieden, dass wir nicht zu den Vereinen gehören, die nachbessern müssen", erklärte VfB-Finanzdirektor Ulrich Ruf. Vor allem in der 2. Liga müssen etliche Vereine bis zum 11. Juni Bedingungen erfüllen, um die Lizenz sicher zu haben. Dazu gehören unter anderen die Aufstiegsaspiranten FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt, die Abstiegskandidaten SSV Reutlingen, Karlsruher SC, Eintracht Braunschweig und Waldhof Mannheim sowie Alemannia Aachen.

"Die wirtschaftliche Lage in der 2. Liga ist nicht so positiv wie in der Bundesliga. Die Vollversammlung der Vereine wird gefordert sein, dies solidarisch zu lösen", meinte der für Finanzen zuständige DFL-Geschäftsführer Christian Müller. Immerhin hat sich die Verschuldung im Fußball-Unterhaus innerhalb von vier Jahren fast verdoppelt: Sie stieg von 79 Millionen Euro im Jahr 1999 auf 156 Millionen Euro im Jahr 2002 an.

Während die Bedingungen in Mainz und Frankfurt nur als Formalie angesehen werden, stehen die Verantwortlichen in Karlsruhe und Mannheim vor einer schwierigen Aufgabe. "Es wird für den KSC schwieriger als im vergangenen Jahr" sagte Sportdirektor Rold Dohmen.

Die DFL fordert den Nachweis von Bargeld und Bankbürgschaften. Mannheim droht sogar der Absturz in die Oberliga, sollte es dem Verein nicht gelingen, einen sechsstelligen Betrag beizubringen. "Allein schaffen wir das nicht. Wir brauchen Sponsoren", erklärte Präsident Hans Regelein.

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