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Probleme in Australien überschatten Hochtief-Halbjahreszahlen

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat wie erwartet im ersten Halbjahr 2004 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings liegt die überraschende Gewinnwarnung wegen einer erneuten Rückstellung für die australische Tochter Leighton vor gut zwei Wochen den Anlegern und Branchenexperten noch schwer im Magen. Branchenexperten sprechen sogar von einem Vertrauensverlust.

dpa-afx ESSEN. Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat wie erwartet im ersten Halbjahr 2004 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings liegt die überraschende Gewinnwarnung wegen einer erneuten Rückstellung für die australische Tochter Leighton vor gut zwei Wochen den Anlegern und Branchenexperten noch schwer im Magen. Branchenexperten sprechen sogar von einem Vertrauensverlust.

Alle Unternehmensbereiche verliefen planmäßig, sagte Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel am Donnerstag in Essen. Daher seien die Probleme beim Bau des Bahnhofs "Spencer Street Station" in Melbourne um so ärgerlicher. Hier war es zu zeitlichen Verzögerungen gekommen, nachdem der Auftraggeber den Bauarbeitern wegen Störungen des laufenden Betriebs nur noch täglich zweieinhalb Stunden Zutritt gewähren wollte. Ohne diesen Vorfall hätte Hochtief die Note "gut" verdient, sagte Keitel.

Massnahmen Eingeleitet

Es seien bereits Maßnahmen eingeleitet worden, um das Leighton-Problem in den Griff zu bekommen. So sei die Projektleitung ausgetauscht worden. Erste Verhandlungen mit der australischen Regierung über eine Lösung des Falls und wegen einer drohenden Konventionalstrafe seien erfolgreich verlaufen.

Die Hochtief-Aktie legte am Nachmittag um 0,55 % auf 18,30 ? zu, nachdem sie im frühen Handel um knapp zwei Prozent verloren hatte. Der Mdax stieg gleichzeitig um 0,19 % auf 4865,93 Punkte.

Auftragsbestand Reicht FÜR 17 Monate

Die Auftragsbücher bei Hochtief seien gut gefüllt, sagte Keitel. Der Bestand reiche theoretisch für 17 Monate. Ab einem Auftragsbestand für elf Monate im Halbjahr könnte sich das Unternehmen "komfortabel" fühlen. Dabei dürfte die positive Entwicklung im deutschen Baugeschäft "nicht hoch genug" eingeschätzt werden, sagte Keitel. Der Auftragsbestand erhöhte sich von Januar bis Juni um 15,4 % auf 17,420 Mrd. ?.

Der Zuwachs bei den Auftragseingängen auf 6,911 Mrd. ? sei überwiegend auf einen Sonderauftrag in Höhe von 340 Mill. ? bei der Siemens Gebäudemanagement zurückzuführen, sagte der Konzernlenker. Dabei handele es sich um langfristige Verträge mit Siemens Real Estate (Immobilien), die als eine der Vertragsbedingungen aus der Übernahme von Siemens Gebäudemanagement Anfang des Jahres resultierten.

Für das Dienstleistungsgeschäft bekräftigte der Vorstandsvorsitzende noch einmal, den Anteil des Bereichs von 31 % im Jahr 2003 auf etwa 50 % bis 2007 steigern zu wollen. Im ersten Halbjahr 2004 hatte Hochtief neben Siemens Gebäudemanagement auch die Lufthansa Gebäudemanagement erworben. Weitere größere Übernahmen schloss Keitel aus. Vielmehr solle der Dienstleistungsbereich durch die Integration der bisherigen Zukäufe und durch eine interne Verlagerung vom reinen traditionellen Baugeschäft wachsen. Zur Integration von Siemens Gebäudemanagement und Lufthansa Gebäudemanagement will das Unternehmen Details im September geben.

Halbjahreszahlen

Mit den Halbjahreszahlen und dem Jahresausblick sorgte Hochtief für wenig Überraschung. Das Nettoergebnis war auf 18,042 Mill. ? nach einem Verlust von 7,359 Mill. ? gestiegen. Bereits Anfang August hatte Hochtief seinen Nettogewinn für die ersten sechs Monate auf 15 Mill. bis 18 Mill. ? eingegrenzt und den Ausblick für das Gesamtjahr gesenkt.

Das betriebliche Ergebnis (Ebita) brach hingegen wegen der Rückstellungen bei Leighton um 30,9 % auf 82,659 Mill. ? ein. Das Vorsteuerergebnis (EBT) nahm indes um 15,8 % auf 81,452 Mill. ? zu. Auch dort hatte Hochtief Anfang August das EBT auf 80 Mill. bis 85 Mill. ? eingegrenzt. Der Umsatz kletterte um 2,6 % auf 5,492 Mrd. ? und übertraf dabei die Analystenschätzungen. Die Experten waren von 5,2 Mrd. ? für die ersten sechs Monate ausgegangen.

Ausblick

Hochtief hatte Anfang August wegen der Risikovorsorge bei Leighton seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Danach rechnet das Unternehmen mit einem Jahresergebnis vor Steuern (EBT) von rund zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Nettoergebnis soll dagegen leicht über dem des Vorjahres liegen. Auf der Hauptversammlung im Mai hatte Vorstandschef Hans-Peter Keitel den Anlegern noch ein EBT-Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Beim Nettoergebnis wollte Hochtief zuvor im oberen zweistelligen Bereich wachsen.

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