Probleme in der „New Economy“
Neuer Pleitenrekord in Deutschland

Insgesamt 442 beantragten 2001 das Insolvenzverfahren - 151,1 % mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden berichtete.

sts DÜSSELDORF.Die deutlich höhere Gesamtzahl der Insolvenzen in den beiden vergangenen Jahren hänge auch mit der Änderung des Insolvenzrechts zusammen, hieß es beim Bundesamt. Seit 1999 sieht es für Verbraucher und Kleingewerbe die Möglichkeit der Entschuldung in Form eines vereinfachten Verfahrens vor.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller führt die Pleiten darüber hinaus auf die Krise in der Baubranche zurück, wie er gestern bei der Vorstellung des Mittelstandsberichts in Berlin sagte. CDU und CSU erklärten dagegen, die höhere Zahl der Insolvenzen sei die Konsequenz einer gegen den Mittelstand gerichteten Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Rauen, warf der Bundesregierung vor, die mittelständische Wirtschaft systematisch benachteiligt zu haben.

Auch die Pleitewelle der "New Economy" hinterlässt ihre Spuren: In Hochzeiten wurden überdurchschnittlich viele Unternehmen gegründet, was sich wegen der Krise der Branche heute in der Insolvenzstatistik widerspiegelt.

Jürgen Angele vom Statistischen Bundesamt sagte, ein Teil der Insolvenzen von Aktiengesellschaften sei sicherlich auf Unternehmenspleiten am Neuen Markt zurückzuführen. Ein weiterer Anteil entfalle auf Beteiligungsgesellschaften.

Bei den betroffenen Unternehmen waren den Statistikern zufolge mehr als 200 000 Menschen beschäftigt. "Tatsächlich dürfte die Zahl aber höher liegen, da bei mehr als einem Fünftel aller Anträge keine Angaben zu den Beschäftigten gemacht worden seien", verlautete in Wiesbaden. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schätzt, dass 330 000 Menschen betroffen sind.

Der Anstieg der Pleitenzahl im vergangenen Jahr ist mit 14,3 % auffällig hoch ausgefallen. 2000 hatte es gut 28 200 Firmen-Insolvenzen gegeben. Seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Pleiten kontinuierlich gestiegen: Im Jahr 1991 waren es lediglich 8 800.

Für das laufende Jahr rechnet Creditreform mit einem weiteren starken Anstieg der Pleiten. Ihre Zahl soll um ein Viertel steigen. Rund 40 000 Insolvenzen wären damit zu erwarten.

Nach Angaben des Unternehmens ist das Baugewerbe am stärksten von Insolvenzen betroffen. Auf 10 000 Bau-Firmen kommen 274 Insolvenzen, im Dienstleistungsgewerbe sind es 91, im Handel 90. Im verarbeitenden Gewerbe sind von 10 000 Unternehmen im vergangenen Jahr 59 Pleite gegangen.

Inklusive der Verbraucherinsolvenzen und der so genannten "Regelinsolvenz natürlicher Personen" (etwa Gesellschafter eines Unternehmens) zählten die Statistiker 2001 sogar 49 300 Fälle - 17 % mehr als 2000. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen soll steigen: Insgesamt rechnet Creditreform mit 58 000 bis 60 000 Insolvenzen in 2002.

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