Probleme in Deutschland: Hypo Real Estate hat den M-Dax im Visier

Probleme in Deutschland
Hypo Real Estate hat den M-Dax im Visier

Ab Herbst wird eine neue Bank den Kurszettel in Deutschland bereichern: Die Hypo-Vereinsbank spaltet die gewerbliche Immobilienfinanzierung in der Hypo Real Estate Bank ab. Der neue Konzern will auf das Auslandsgeschäft setzen. Es gibt Zweifel, ob die Immobilien-Aktie ein großer Erfolg werden kann.

MÜNCHEN. Georg Funke ist um seinen Job nicht zu beneiden. Der neue Chef der Hypo Real Estate Holding AG, derzeit noch eine Tochterbank der Hypo-Vereinsbank (HVB), muss eine Herkulesaufgabe bewältigen. Schon im vierten Quartal soll der neue Immobilienkonzern als unabhängige Bank an der Börse starten. Nicht nur der Zeitplan ist eng, auch das Umfeld könnte schwieriger kaum sein: Die Börsen sind in einer schlechten Verfassung, düster sieht es auch am deutschen gewerblichen Immobilienmarkt, insbesondere in Ostdeutschland, aus.

Doch Funke verbreitet Zuversicht. "Unsere Investoren müssen Immobilien lieben, so wie wir. Unser Geschäftsmodell wird interessant für institutionelle Anleger sein", zeigt sich der 47jährige gegenüber dem Handelsblatt überzeugt. Funke will zu den 80 größten Börsengesellschaften in Deutschland gehören. "Eine Notierung im M-Dax ist ein Ziel, das wir im Auge haben", meint er. Über die Börsenbewertung zum Start der Hypo Real Estate macht er zwar keine Angaben. Analysten schätzen den Wert aber auf bis zu einer Mrd. Euro.

HVB-Vorstandschef Dieter Rampl spaltet derzeit die gewerbliche Immobilienfinanzierung mit einem Volumen von 57 Mrd. Euro ab, um die eigenen Risikoaktiva deutlich zu senken. Die HVB-Aktionäre sollen für vier Aktien der Bank eine Aktie der Hypo Real Estate erhalten. Dadurch ist der Aktionärskreis der beiden Banken zunächst identisch. "Ich kann mir vorstellen, dass viele HVB-Aktionäre dieses Geschäft auch nicht mehr mögen", sagte Konrad Becker, Bankenanalyst bei Merck Finck. Auch Funke erwartet, dass es nach der Börsennotierung zu Umschichtungen kommen wird und hofft auf internationale institutionelle Anleger.

Es gilt zwar als unwahrscheinlich, dass HVB-Großaktionär Münchener Rück (über 25 %) sofort die Hypo-Papiere verkaufen wird. Wenn sich aber die Kleinaktionäre massenhaft von den neuen Aktien trennen, könnte der Kurs schnell unter Druck geraten. "Wir haben das negative Beispiel Aareal, bei dem die Kurserwartungen bisher enttäuscht wurden", warnt Analyst Becker. Die Aktien der Wiesbadener Aareal Bank, eine Abspaltung der Depfa-Bank, ging seit der ersten Börsennotierung auf Talfahrt. Die Notierung rutschte von fast 20 Euro auf unter zehn Euro und lag am Freitag bei knapp zwölf Euro.

Funke will verstärkt auf das renditeträchtige internationale Geschäft setzen, insbesondere Großdarlehen oder-projekte: "Die Zukunft liegt im Auslandsgeschäft." Hier seien die Renditen bereits in der Vergangenheit gut gewesen. Der Sitz der neuen Konzerntochter Hypo Real Estate International wird in Dublin sein. Funke selbst wird hier das Geschäft führen und später nach Irland umsiedeln. Der Sitz der Holding wird aber in München bleiben.

Der Konzern soll in drei Bereiche gegliedert werden und so für Transparenz sorgen: International, Deutschland und die Württembergische Hypothekenbank. Die Beteiligung an der Württ-Hyp wurde am Freitag auf 83 % aufgestockt. Das Geschäft in Deutschland soll im Gegensatz zu den Auslandsaktivitäten zurück geführt werden. Die Kosten sollen runter: Die Zahl der Mitarbeiter wird von rund 1 000 auf 375 im Jahr 2007 reduziert werden. "Deutschland ist derzeit ein schwieriger Markt. Das Problem des Geschäftes im Inland sind nicht die Risiken, sondern die niedrigen Margen", räumt Funke ein. Die Bank sei in Deutschland stark übergewichtet. "Aber es gibt erste Signale, dass die Margen wieder steigen", so Funke. Die HVB bietet der Hypo Real Estate eine Risikoabschirmung für das Deutschland-Geschäft in Höhe von 590 Mill. Euro bis 2004. Ende der 90er Jahre hatte die HVB stark expandiert und dabei offenbar nicht immer auf Margen und Risiken geachtet.

Zufrieden zeigt sich Funke mit dem Eigenkapital des Konzerns mit über vier Mrd. Euro. "Bei der Kapitalausstattung brauchen wir uns in Europa nicht zu verstecken", sagt der Bankchef. Allerdings hätten die Ratingagenturen bei der Einstufung das "Umsetzungsrisiko des Spin-Off" noch mit einem Abschlag berücksichtigt. Für Standard & Poor?s (S&P) hat für das Auslandsgeschäft ein "A-" vergeben. Das Deutschlandgeschäft erhielt "BBB" von S & P und Fitch bzw. "Baa1" von Moody?s.

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