Probleme mit Urheberrechten und Copyright
Internetagentur nimmt gebrauchte Web-Auftritte in Zahlung

Einst teuer bezahlt, werden sie heute ausgemustert - alte Web-Auftritte. Eine Agentur will mit den Programmierleistungen von damals nun noch einmal Profit machen.

DÜSSELDORF. In einer ruhigen Minute an einem stillen Örtchen wurde sie geboren, die Idee des Nikolaus Gierszewski, Chef der Berliner Internet-Agentur Skileon AG. Und die Idee sieht so aus: "Wir nehmen einfach alte oder ausgemusterte Internetseiten unserer Kunden in Zahlung." Die Bestandteile der Seite, die noch brauchbar sind, will Gierszewski weiter verwenden. Frei nach dem Motto: "Unsere Kunden sparen ein paar Euro, wir verdienen ein paar Euro."

Das Ganze funktioniert wie beim Kauf eines neuen Autos: Wenn eine Firma bei Skileon einen neuen Web-Auftritt in Auftrag gibt, nimmt die Agentur die bisherige Website in Zahlung. Im Unterschied zu den meist noch gut erhaltenen Gebrauchtwagen werden die Internetseiten aber filetiert: Die Programmierer schnappen sich die besten Stücke und taxieren deren Wert. Das können Fotos, Grafiken, die Navigationsprogrammierung oder Formulare für den E-Mail-Versand sein. "Fotos und Grafiken oder aufwendig programmierte Tools werden von uns für andere Aufträge weiterverwendet, sofern sie sich dafür eignen. Das Gerüst der Seiten wollen wir gemeinnützigen Vereinen kostenlos zur Verfügung stellen", sagt Gierszewski.

Das große Geld wird das Daten-Recycling nicht in die Agentur-Kasse spülen. Im Durchschnitt liegt der Wert einer gebrauchten Website, die früher tausende Euros gekostet hat, jetzt "im dreistelligen Bereich", erläutert Gierszewski.

Das Geschäftsmodell findet allerdings nicht überall Zustimmung. In Internet-Diskussionsforen machen sich Teilnehmer Sorgen über die Wahrung der Urheber- und Nutzungsrechte. Die Agentur kennt das Problem - und prüft deshalb nach eigener Aussage sorgfältig, ob die Rechte einer Website vollständig beim Kunden liegen. "Nur dann", sagt Gierszewski, "können wir das Produkt kaufen und weiter verwenden." Die Kritik versteht der Manager nicht: "Üblicherweise klauen die Programmierer sich gegenseitig ihre Daten. Wir klauen nichts, sondern bezahlen ordnungsgemäß."

Ganz so einfach lässt sich das Problem mit Urheber- und Nutzungsrechten allerdings nicht beseitigen. "Websites sind meist so komplexe Gebilde, dass eine nutzungsrechtliche Prüfung aufwendig und schwierig ist", sagt Nicolas Lührig, Experte für Urheberrecht von der Kanzlei Gleiss Lutz in Berlin. Wegen beschränkter Einräumung von Nutzungsrechten sei es möglich, dass beispielsweise Fotografen als Urheber immer noch Rechte an ihren Werken hätten.

Weil im Internet ständig und überall geklaut wird, sind die Rechteinhaber inzwischen sehr sensibel geworden. Fotografen und Fotoagenturen achten penibel darauf, was mit ihren Werken geschieht. Die Agentur müsse, so die Einschätzung des Juristen, möglicherweise mit Forderungen der Urheber rechnen. Das aber sei wahrscheinlich billiger, als alles haarklein rechtlich zu überprüfen.

Gierszewski zumindest lässt sich davon nicht irritieren. Er glaubt fest an den Erfolg: "Wir haben jetzt schon etliche Anfragen. Bei den Kunden kommt die Idee prima an." Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen - die Zielgruppe von Skileon - freuen sich über den Deal. Schließlich stecken in jeder Website Zeit und Geld.

Der eifrige Jung-Manager bastelt schon an der nächsten Idee: Ein virtuelles Museum für Internetseiten aus jener Zeit, als die Menschen im Web surfen lernten. Skurrile Seiten, Irrgarten-Navigationen ohne Chance auf eine Rückkehr zur Startseite, abschreckende blaue Hintergründe mit gelber Minischrift oder technisch beschränkte Programmierungen finden dort ihre letzte Ruhestätte. Der Friedhof der Websites wird der Skileon AG ganz sicher kein Geld bringen - denn der Eintritt per Mausklick in die bizarre Welt der ersten Programmierversuche ist kostenlos.

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