Probleme sind hausgemacht
EDS Deutschland räumt auf

Der IT Electronic Data Systems-Dienstleister (EDS) organisiert sein Deutschlandgeschäft neu. Die bislang 47 Einzelgesellschaften werden künftig in sieben Gesellschaften zusammengefasst. Die fünf IT-Kerngeschäftsfelder, unter anderem Outsourcing und PC-Services, werden eigenständige Gesellschaften unter dem Dach einer Holding.

FRANKFURT. "Mit der rechtlichen Neustrukturierung schließt EDS die Übernahme und Integration der Systematics AG ab", sagt EDS-Deutschland-Chef Reinhard Clemens gegenüber dem Handelsblatt. Mitte 2001 hatte EDS das Hamburger Unternehmen gekauft und von der Börse genommen.

Nicht unter dem Dach der Holding wird die Unternehmensberatung AT Kearney liegen, die EDS 1995 übernommen hat. Ebenfalls nicht zur Holding wird die EDS-Tochter Unigraphics gehören, die auf Konstruktionssoftware (CAD) und produktionsnahe Softwarelösungen spezialisiert ist.

EDS ist mit rund 20 Mrd. $ Umsatz nach IBM der weltweit zweitgrößte Anbieter von IT-Services. Das vor rund 40 Jahren von Ross Perot in Texas gegründete Unternehmen betreut rund um den Globus rund 3,3 Millionen PC und 50 000 Server in Unternehmen und Verwaltungen. Allerdings ist EDS nach stürmischem Wachstum im vergangenen Jahr in eine tiefe Krise gerutscht: Statt 350 Mill. $ Nettogewinn wie im ersten Quartal 2002 sah sich das EDS-Management Ende März mit rund 100 Mill. $ Verlusten im ersten Quartal 2003 konfrontiert. Schuld daran ist nicht nur der weltweite Rückgang der IT-Investitionen, der auch Konkurrenten wie CSC, Hewlett Packard und IBM zu schaffen macht.

Branchenkennern zufolge ist ein Teil der EDS-Probleme hausgemacht: So wurden Milliardenaufträge im Kerngeschäft IT-Outsourcing zu Konditionen abgeschlossen, die nicht profitabel umzusetzen sind. Ein Rekord-Outsourcing-Vertrag mit der US-Navy hat EDS im ersten Quartal rund 350 Mill. Dollar Verluste eingebracht. Im März musste Ex-Vorstandschef Dick Brown seinen Hut nehmen. Jetzt arbeitet der neue CEO Michael Jordan an einer Strategie, die den IT-Riesen wieder in die schwarzen bringen soll. Mitte Juni will Jordan seinen Plan vorstellen.

Die neue Struktur in Deutschland könnte bereits ein erster Hinweis darauf sein, wie sich EDS künftig ausrichten wird. "Niemand weiß derzeit, was Michael Jordan verkünden wird", sagt Terence Milholland, der als Cheftechnologe im EDS-Vorstand für viele Produkte verantwortlich ist. Doch würde eine immer wieder in der Öffentlichkeit diskutierte Abspaltung von AT Kearney seiner Meinung nach "keinen Sinn machen". Vielmehr werde EDS künftig stärker komplette Geschäftsprozesse" anbieten. Dazu benötige man das Know-how der konzerneigenen Berater. Ein Weg, den auch Marktführer IBM mit der übernommenen Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers einschlagen will.

Deutschland-Chef Clemens warnt jedoch davor, das IT-Service Geschäft von EDS ausschließlich im Wettbewerb zu IBM zu sehen: "Achtzig Prozent unseres Geschäftes werden auch innerhalb globaler Verträge lokal abgewickelt. Wir sollten uns deshalb nicht alleine mit IBM messen, sondern auch mit lokalen Anbietern."

EDS hat dabei Unternehmen wie die Düsseldorfer Sinius, den Desktop-Service-Spezialisten Compunet oder TDS aus Neckarsulm im Auge. "Wir wollen in diesen Markt aggressiv einsteigen", sagt Clemens. Teil dieser Strategie wird eine eigene Tochtergesellschaft, die sich ausschließlich um den Mittelstand kümmern wird. Denn dort vermuten viele das profitable Geschäft der Zukunft. "Megadeals wird es weiterhin geben", sagt Clemens und fügt hinzu: "Jedoch nicht mehr um jeden Preis." Das dürfte auch eine der Kernbotschaften sein, die Sanierer Michael Jordan Mitte Juni verkünden wird: Profitabilität geht derzeit vor Wachstum.

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